Veröffentlicht am Mai 11, 2024

Die Jagd nach 10 % sicherer Rendite pro Jahr ist meist eine Illusion, die von der Realität der „Renditefresser“ zunichtegemacht wird.

  • Historische Aktienrenditen von 8-9 % sind nominal, nicht real. Inflation und Kosten reduzieren diesen Wert erheblich.
  • Hochzinsprodukte, die zweistellige Renditen versprechen, sind niemals „sicher“ und beinhalten oft ein Totalverlustrisiko.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich nicht auf eine magische Zahl, sondern auf den Aufbau eines kostengünstigen, breit gestreuten ETF-Portfolios, das eine realistische Nettorendite nach Abzug aller „Renditefresser“ anstrebt.

Die Vorstellung, das eigene Geld mit 10 % pro Jahr wachsen zu sehen, ist verlockend. Marketing-Broschüren und Online-Werbung sind voll von solchen Versprechen, die einen schnellen und mühelosen Weg zum Wohlstand suggerieren. Viele Einsteiger, die vom Vermögensaufbau träumen, fühlen sich von diesen Zahlen magisch angezogen, hegen aber gleichzeitig den Wunsch nach Sicherheit. Genau hier liegt ein fundamentaler Widerspruch, der Anleger in Deutschland teuer zu stehen kommen kann.

Als realistischer Vermögensverwalter ist es meine Aufgabe, mit diesen Illusionen aufzuräumen. Die ungeschminkte Wahrheit ist: Eine hohe Rendite geht Hand in Hand mit hohem Risiko. Eine „sichere“ Anlage per Definition kann keine zweistelligen Renditen garantieren. Der wahre Schlüssel zum erfolgreichen und sicheren Vermögensaufbau liegt nicht darin, einer willkürlichen Zahl hinterherzujagen. Er liegt im Verständnis der unsichtbaren Gegner, die Ihre Gewinne schmälern: die „Renditefresser“. Das sind vor allem die Inflation, die die Kaufkraft Ihres Geldes aushöhlt, und die oft versteckten Kosten von Finanzprodukten.

Doch was bleibt von der Bruttorendite am Ende wirklich übrig? Und warum ist eine scheinbar langweiligere, aber realistische Rendite von 5-7 % vor Steuern langfristig der klügere Weg? Dieser Artikel ist ein Realitätscheck. Wir werden die glänzenden Versprechen entzaubern und uns ansehen, was der Aktienmarkt historisch wirklich gebracht hat, wie Kosten und Inflation Ihre Endsumme dezimieren und warum die Konzentration auf eine kaufkraftbereinigte Nettorendite die einzige Strategie ist, die Sie für Ihren Ruhestand in Deutschland wappnet.

Um diese komplexen Zusammenhänge zu verstehen, werden wir die entscheidenden Faktoren Schritt für Schritt analysieren. Dieser Leitfaden bietet eine klare Struktur, um die Mythen von der Realität zu trennen und Ihnen eine fundierte Entscheidungsgrundlage für Ihre Geldanlage zu geben.

Was hat der MSCI World in den letzten 40 Jahren wirklich pro Jahr gebracht?

Bevor wir über 10 % Rendite sprechen, müssen wir eine realistische Basis schaffen. Der MSCI World Index, der über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet, ist der gängigste Maßstab für eine globale Aktienanlage. Schaut man sich die historische Performance an, stößt man auf beeindruckende Zahlen. So zeigen Berechnungen von Finanztip für den MSCI World Netto-Index eine durchschnittliche jährliche Rendite von 9,7 % zwischen 1975 und Ende 2024. Auf den ersten Blick scheint das 10%-Ziel also in greifbarer Nähe.

Doch hier beginnt bereits die erste wichtige Lektion: Die genaue Zahl hängt stark vom betrachteten Zeitraum und der Berechnungsmethode ab. Andere Analysen kommen zu leicht abweichenden Ergebnissen. Eine Auswertung auf msci-world.de zeigt beispielsweise für die letzten 40 Jahre eine durchschnittliche jährliche Rendite von 7,74 %. Dieser Wert ist immer noch beachtlich, aber schon ein gutes Stück von den 10 % entfernt. Solche Unterschiede entstehen durch Währungsumrechnungen (Dollar vs. Euro) und die Frage, ob Dividenden reinvestiert wurden (Performance-Index) oder nicht (Kurs-Index).

Die wichtigste Erkenntnis ist jedoch eine andere: Diese historischen Zahlen sind Durchschnittswerte. In der Realität schwankte die Rendite von Jahr zu Jahr erheblich. Es gab Jahre mit über 30 % Gewinn und Jahre mit tiefroten Verlusten. Die nominale Durchschnittsrendite von etwa 8-9 % ist somit ein guter Ausgangspunkt, aber sie ist nur die halbe Wahrheit. Es ist eine Brutto-Zahl, von der die wahren „Renditefresser“ noch nicht abgezogen sind.

Warum ist die Realrendite die einzige Zahl, die für Ihren Ruhestand zählt?

Stellen Sie sich vor, Ihr Depot hat in einem Jahr 8 % an Wert gewonnen. Ein Grund zur Freude? Nicht unbedingt. Wenn die Preise für Miete, Lebensmittel und Energie im selben Jahr um 3 % gestiegen sind, ist Ihre tatsächliche Kaufkraft nur um 5 % gewachsen. Dieses Konzept der Realrendite (Nominalrendite minus Inflationsrate) ist der entscheidende Faktor für Ihren langfristigen Vermögensaufbau. Die nominale Zahl auf dem Papier ist irrelevant, wenn Sie sich davon in Zukunft weniger leisten können.

Die Inflation ist der erste und vielleicht heimtückischste „Renditefresser“. Sie nagt beständig am Wert Ihres Geldes. Eine Studie aus dem Jahr 2023 zeigt eindrücklich, dass bei einer jährlichen Inflation von zwei Prozent eine heutige Rente von 2.000 Euro in 20 Jahren nur noch eine Kaufkraft von rund 1.350 Euro hätte. Das ist ein massiver Verlust, den viele Anleger bei ihrer Planung übersehen. Noch drastischer wird es bei höheren Raten: Wie Berechnungen des Inflationsrechners zeigen, verliert Ihr Vermögen bei einer durchschnittlichen Inflation von 2,5 % über 20 Jahre fast 39 % seiner Kaufkraft.

Symbolische Darstellung der schwindenden Kaufkraft im Ruhestand durch zwei Kaffeetassen, eine voll und eine halb leer.

Dieses Bild verdeutlicht die Gefahr der nominalen Verblendung. Wer nur auf die Bruttorendite schaut und die Inflation ignoriert, plant seinen Ruhestand auf einer trügerischen Basis. Das Ziel kann daher nicht sein, eine möglichst hohe Nominalrendite zu erzielen. Das wahre Ziel muss lauten, eine positive Kaufkraftrendite zu erwirtschaften – also eine Rendite, die nach Abzug von Inflation (und Kosten, wie wir gleich sehen werden) immer noch im Plus liegt. Nur so stellen Sie sicher, dass Ihr Vermögen real wächst und Ihnen im Alter den gewünschten Lebensstandard sichert.

Wie reduzieren Fondskosten von 2 % Ihre Endsumme um über 50.000 €?

Der zweite große „Renditefresser“ sind die Kosten. Sie wirken wie ein permanentes Leck im Rumpf Ihres Vermögensschiffs. Besonders bei aktiv gemanagten Fonds können die Gebühren erheblich sein. Eine jährliche Gebühr von 1,5 % oder 2 % klingt zunächst harmlos. Doch dank des (negativen) Zinseszinseffekts entwickelt sich dieser kleine Betrag über die Jahrzehnte zu einem gewaltigen „Kosten-Schneeball“, der Ihre Endsumme drastisch reduziert.

Ein einfaches Beispiel: Sie legen 25.000 € an und sparen 30 Jahre lang monatlich 250 €. Bei einer angenommenen Rendite von 7 % pro Jahr hätten Sie ohne Kosten am Ende rund 431.000 €. Bei jährlichen Kosten von 1,63 %, wie sie für aktive Aktienfonds in Deutschland üblich sind, schmilzt Ihr Endvermögen auf ca. 377.000 €. Das sind über 54.000 € weniger, die allein durch die Fondskosten aufgefressen wurden. Diese Gebühren werden direkt von Ihrer Rendite abgezogen – Jahr für Jahr, unbemerkt und unaufhaltsam.

Die Alternative sind kostengünstige, passive Indexfonds (ETFs). Diese versuchen nicht, den Markt zu schlagen, sondern bilden ihn einfach ab. Dadurch entfallen teures Fondsmanagement und Analyse-Teams, was die Kosten drastisch senkt. Der folgende Vergleich zeigt den Unterschied deutlich:

Kostenvergleich: ETF vs. Aktive Fonds
Fondstyp Durchschnittliche TER Performance vs. Index
ETFs auf DAX/Euro Stoxx ab 0,15% Folgt dem Index
Aktiv gemanagte Aktienfonds 1,63% Meist Underperformance

Besonders perfide ist, was eine Analyse von Lipper/Fitzrovia anmerkt. Wie sie in ihrer Studie auf e-fundresearch.com betonen:

Transaktionskosten sind darin allerdings nicht enthalten.

– Lipper/Fitzrovia Analyse, e-fundresearch.com Studie

Das bedeutet, die ausgewiesene Gesamtkostenquote (TER) ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Die Fokussierung auf niedrige Kosten ist daher kein Nebenschauplatz, sondern eine der wirkungsvollsten Stellschrauben für Ihren langfristigen Anlageerfolg.

Warum versprechen manche Produkte 15 % Rendite und wo ist der Haken?

Trotz der realistischen Marktrenditen von 8-9 % nominal tauchen immer wieder Angebote auf, die 12 %, 15 % oder sogar noch mehr Rendite pro Jahr versprechen. Woher kommen diese Zahlen und sind sie seriös? Die ehrliche Antwort ist: Solche Renditen sind im regulierten und diversifizierten Kapitalmarkt nicht ohne extremes Risiko zu erzielen. Oft stammen diese Versprechen aus Graumarkt-Segmenten oder von hochspekulativen Anlagen.

Der Haken ist fast immer das enorme Risiko, das mit der Renditechance einhergeht. Eine Analyse von Börse Online zeigt beispielsweise, dass man für höhere einstellige Renditen in den Bereich spekulativer Anleihen gehen muss. So bieten laut deren Analyse spekulative Papiere (Junk Bonds) 8 % und mehr, während Schwellenländer-Anleihen sogar bis zu 11 % erreichen können. Diese Anlagen sind jedoch weit von „sicher“ entfernt und bergen ein hohes Ausfallrisiko.

Noch höher wird das Risiko bei unregulierten alternativen Investments wie Crowdinvesting in Start-ups oder Nachrangdarlehen. Hier wird die hohe Rendite mit der Gefahr eines Totalverlusts erkauft. Die „Risiko-Illusion“ besteht darin zu glauben, man könne die hohe Rendite mitnehmen, ohne das entsprechende Risiko voll zu tragen. Das ist ein fataler Trugschluss. Anleger sollten bei solchen Angeboten extrem vorsichtig sein und die Warnsignale kennen.

Ihr Plan zur Prüfung von Hochzins-Versprechen: Die wichtigsten Warnsignale

  1. Prüfen Sie die Risikobasis: Verstehen Sie, dass hohe Rendite immer mit hohem Risiko verbunden ist. Es gibt keine Ausnahme von dieser Regel.
  2. Hinterfragen Sie die Garantie: Seien Sie skeptisch, wenn hohes Risiko automatisch zu hoher Rendite führen soll. Ein hohes Risiko bedeutet nur eine hohe *mögliche* Rendite, oft bei hoher Verlustwahrscheinlichkeit.
  3. Checken Sie die Regulierung: Informieren Sie sich, ob das Investment der Finanzaufsicht (BaFin) unterliegt. Viele alternative Investments sind kaum reguliert.
  4. Kalkulieren Sie den Ernstfall: Machen Sie sich bewusst, dass bei den meisten Hochrendite-Produkten ein Totalverlustrisiko besteht. Investieren Sie nur Geld, dessen Verlust Sie verkraften können.
  5. Analysieren Sie die Kostenstruktur: Achten Sie auf versteckte Gebühren, Provisionen oder Agio, die die versprochene Rendite von vornherein schmälern.

Mietrendite vs. Eigenkapitalrendite: Was wirft eine Eigentumswohnung wirklich ab?

Für viele Deutsche gilt die Immobilie als der Inbegriff der sicheren Kapitalanlage. Doch auch hier führt eine oberflächliche Betrachtung oft zu einer „Risiko-Illusion“. Häufig wird mit der Bruttomietrendite geworben, die das Verhältnis von Jahreskaltmiete zum Kaufpreis beschreibt. Liegt diese bei 4 % oder 5 %, scheint das eine solide und sichere Rendite zu sein. Doch diese Zahl ist weit von der Realität entfernt.

Wie bei Aktien gibt es auch bei Immobilien erhebliche „Renditefresser“, die die Nettorendite empfindlich schmälern. Dazu gehören in Deutschland vor allem die hohen Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler), die je nach Bundesland 10-15 % des Kaufpreises ausmachen können. Diese müssen erst einmal wieder „verdient“ werden. Hinzu kommen nicht umlagefähige Nebenkosten für die Verwaltung und Instandhaltungsrücklagen, die die laufende Rendite weiter drücken. Ein Mietausfall oder teure Reparaturen können die Rendite für Jahre zunichtemachen.

Nahaufnahme eines Architekturmodells einer modernen Eigentumswohnung in einer deutschen Stadt.

Eine realistische Analyse, wie sie etwa das Portal Lukinski für Immobilien in deutschen B-Städten beschreibt, zeigt, dass die Nettorendite nach allen Kosten oft nur bei 2-3 % liegt. Der wahre Hebel bei Immobilien ist die Eigenkapitalrendite durch den Einsatz von Fremdkapital (Kredit). Doch das erhöht gleichzeitig das Risiko erheblich: Fällt die Miete aus, müssen die Kreditraten weiter bedient werden. Im Vergleich zu einem breit gestreuten, liquiden und kostengünstigen ETF-Portfolio ist eine einzelne Immobilie ein Klumpenrisiko, das weit weniger „sicher“ ist, als es den Anschein hat.

Wie lange hat es gedauert, bis sich der MSCI World nach 2008 wieder erholt hat?

Eine Rendite von 8-9 % im Durchschnitt klingt gut, aber dieser Durchschnitt wird durch erhebliche Schwankungen (Volatilität) erkauft. Die Angst vor einem Börsencrash hält viele sicherheitsorientierte Anleger davon ab, in Aktien zu investieren. Und diese Angst ist nicht unbegründet. Die Geschichte ist voll von dramatischen Einbrüchen. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase erlebte der MSCI World laut Finanztip einen Wertverlust von 54 % von 2000 bis März 2003. Auch während der Finanzkrise 2008 gab es ähnliche Verluste.

In solchen Phasen sein Depot um die Hälfte schrumpfen zu sehen, erfordert starke Nerven. Der Gedanke an eine Erholung scheint in weiter Ferne. Nach dem Tiefpunkt im März 2009 dauerte es beispielsweise rund vier Jahre, bis der MSCI World die Vorkrisen-Höchststände wieder erreichte. Das klingt nach einer langen Durststrecke. Doch hier kommt die entscheidende Perspektive für Langfrist-Anleger ins Spiel: Geduld und Zeit sind die mächtigsten Verbündeten.

Eine faszinierende Auswertung von Finanztip zur 15-Jahres-Performance des MSCI World liefert den Beweis. Die Analyse zeigt: Wer zu einem beliebigen Zeitpunkt in den MSCI World investierte und sein Geld für mindestens 15 Jahre angelegt ließ, hat historisch nie einen Verlust gemacht. Im Gegenteil: Selbst im schlechtesten denkbaren 15-Jahres-Zeitraum wurde noch eine positive Rendite von 1,3 % pro Jahr erzielt. Im Durchschnitt lag die Rendite bei 8 % pro Jahr. Diese Erkenntnis ist zentral: Schwere Krisen sind schmerzhaft, aber für disziplinierte Langfrist-Anleger waren sie historisch immer nur temporäre Ereignisse auf dem Weg nach oben.

Junk-Bonds: Wann verhalten sich Anleihen plötzlich genauso riskant wie Aktien?

Auf der Suche nach „sicheren“ Renditen landen viele Anleger bei Anleihen. Traditionell gelten Staatsanleihen bester Bonität, wie die deutschen Bundesanleihen, als der Goldstandard für Sicherheit. Doch hier ist die Rendite entsprechend niedrig. Lange Zeit gab es hier sogar negative Zinsen. Aktuell bieten sie wieder eine kleine positive Rendite, aber weit entfernt von 10 %.

Um höhere Renditen im Anleihen-Segment zu erzielen, muss man ins Risiko gehen. Hier betritt man die Welt der Unternehmensanleihen und der sogenannten „Junk-Bonds“ (Hochzinsanleihen). Das sind Anleihen von Unternehmen mit einer schwachen Bonität, bei denen das Risiko eines Zahlungsausfalls deutlich höher ist. Als Ausgleich für dieses Risiko bieten sie höhere Zinsen. Die Redaktion von Börse Online weist in einer Analyse darauf hin, dass sich die Zeiten geändert haben:

Drei, vier, fünf oder sogar mehr Prozent sind locker drin, ohne dass man in puncto Sicherheit allzu große Konzessionen eingehen müsste. Was in den Jahren davor eklatant anders war.

– Börse Online Redaktion, Börse Online Anleihenanalyse

Das ist eine wichtige Beobachtung, doch die Grenze zur reinen Spekulation ist fließend. Sobald die Renditen in den Bereich von 8 % und mehr vordringen, kauft man sich ein Risiko, das dem von Aktien sehr ähnlich ist. In einer Wirtschaftskrise, wenn die Gefahr von Unternehmenspleiten steigt, können die Kurse dieser Anleihen genauso stark einbrechen wie Aktienkurse. Die folgende Tabelle aus einer Analyse von Börse Online verdeutlicht die Risikoklassen:

Risikoklassen von Anleihen
Anleihentyp Rendite Risiko
Deutsche Bundesanleihen 2,3% Sehr niedrig
Mittleres Risiko 4-6% Moderat
Junk Bonds 8% und mehr Sehr hoch

Die Lektion ist klar: Der Begriff „Anleihe“ ist kein Garant für Sicherheit. Hochzinsanleihen sind keine sichere Beimischung, um die Rendite zu steigern, sondern ein eigenständiges Risikoinvestment. Wer Sicherheit sucht, muss sich mit den Renditen von erstklassigen Staats- oder Unternehmensanleihen zufriedengeben.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fokus auf Realrendite: Die Nominalrendite ist eine Illusion; nur was nach Abzug von Inflation und Kosten übrig bleibt (die Kaufkraftrendite), zählt für Ihren Vermögensaufbau.
  • Kosten als Renditekiller: Hohe Gebühren, insbesondere bei aktiven Fonds, fressen über die Jahre einen erheblichen Teil Ihres Endvermögens auf. Kostengünstige ETFs sind die bessere Wahl.
  • Keine hohe Rendite ohne hohes Risiko: Zweistellige Renditeversprechen sind immer mit extremen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. „Sicher“ und „10 %“ schließen sich gegenseitig aus.

Warum schlagen 90 % der aktiven Fondsmanager den Markt langfristig nicht?

Ein häufiges Argument für teure, aktiv gemanagte Fonds ist die Aussicht, dass ein brillanter Fondsmanager den Markt schlagen und eine Überrendite erzielen kann. Anleger zahlen also bewusst höhere Gebühren in der Hoffnung auf eine bessere Performance. Die Daten zeigen jedoch seit Jahrzehnten ein ernüchterndes Bild: Die überwältigende Mehrheit der Fondsmanager scheitert an diesem Ziel.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen sind die Märkte sehr effizient, was es extrem schwierig macht, dauerhaft einen Informationsvorsprung zu haben. Zum anderen müssen aktive Fonds erst einmal ihre eigenen, höheren Kosten wieder hereinholen, bevor sie überhaupt anfangen können, den Markt zu schlagen. Die Scope Aktiv-Passiv-Studie liefert hierzu regelmäßig erdrückende Belege für den deutschen Markt. Gemäß der Scope Aktiv-Passiv-Studie 2023 schafften es gerade einmal 7,8 % der Deutschland-Fonds, im Jahr 2023 den MSCI Germany zu übertreffen. Im Vorjahr waren es zwar mehr, doch die Langfrist-Statistik ist eindeutig.

Noch deutlicher wird das Bild, wenn man die Beständigkeit der Outperformance untersucht. Viele Manager, die in einem Jahr an der Spitze stehen, finden sich im nächsten am Ende der Rangliste wieder. Eine Studie von „das investment“ zeigt diese Erosion des Erfolgs eindrücklich: Von ursprünglich 460 Fonds, die ihren Index über 12 Monate schlugen, waren es über einen Zeitraum von 3 Jahren nur noch 299. Nach 5 Jahren waren lediglich 226 Fonds übrig, denen dies gelang. Die Wahrscheinlichkeit, zufällig den einen Fonds zu finden, der langfristig konstant besser ist als der Markt, ist verschwindend gering. Das Fazit für Anleger: Auf einen passiven, günstigen ETF zu setzen, ist statistisch die weitaus erfolgversprechendere Strategie, als die Nadel im Heuhaufen zu suchen.

Die Entscheidung zwischen aktiven und passiven Strategien hat weitreichende Konsequenzen. Die Gründe für die systematische Underperformance aktiver Fonds zu verstehen, ist ein entscheidender Schritt zu einer besseren Anlagestrategie.

Hören Sie auf, einer unerreichbaren Zahl nachzujagen. Der klügste und sicherste Weg zum Vermögen ist es, mit einer realistischen Erwartung zu starten, die „Renditefresser“ zu minimieren und dem Markt durch eine disziplinierte, kostengünstige ETF-Strategie die Zeit zu geben, die er braucht. Beginnen Sie noch heute damit, eine fundierte und realistische Strategie für Ihre finanzielle Zukunft zu entwickeln.

Geschrieben von Dr. Thomas Richter, Senior Equity Analyst (CFA) und Experte für fundamentale Unternehmensbewertung mit über 18 Jahren Erfahrung am Finanzplatz Frankfurt. Spezialisiert auf Value-Investing, Bilanzanalyse deutscher Mittelständler (DAX/SDAX) und die Identifikation von Qualitätsaktien.