Wo es auf dem Anleihemarkt noch Geld zu holen gibt

Heute gibt es den versprochenen zweiten Teil zu meiner Analyse der Anleihenmärkte. Heute soll alles darum gehen, wie ihr euer Geld in dem Zinsumfeld steigender Zinsen anlegen könnt. Falls ihr meinen letzten Artikel zu diesem Thema noch nicht gelesen habt, dann empfehle ich euch das nachzuholen, bevor ihr diesen Artikel lest.

 

Auch mir fällt es schwer euch in dem aktuellen Umfeld am Anleihenmarkt eine Empfehlung auszusprechen. Ich selber habe keine Anleihen im Portfolio, da es meines Erachtens zu wenige Chancen auf dem Euro-Anleihenmarkt gibt und ich defensive Aktien als Alternative präferiere. Nachfolgend möchte ich euch trotzdem einigen Anleihensegmente vorstellen, bei denen es noch Chancen gibt. Dazu sei gesagt, dass die genannten Anleihen jedoch mit höherem Risiko behaftet sind und nicht für jeden Anlegertyp geeignet sind.

 

 

 

Fremdwährungsanleihen

 

Meine absolute Empfehlung als Alternative für konservativere Anleger sind Fremdwährungsanleihen. Das liegt einfach daran, dass das Zinsumfeld in anderen Gebieten höher ist. Und bevor viele jetzt an exotische Währungen wie Rubel und türkische Lira denken, bei denen zugegebener Weise die Zinsen extrem hoch sind, aber das Wechselkursrisiko durch politische Risiken und Inflation einfach auch zu hoch sind, kann ich euch besänftigen. Ich rede viel mehr von USD Anleihen, die meiner Meinung nach Potenzial anbieten, um noch eine Rendite zu erwirtschaften. Dabei sollte man jedoch darauf achten (und das gilt für jedes steigendes Zinsumfeld), dass man nur kurzlaufende Anleihen kauft (0-2 Jahre), weil die Zinsen jetzt laufend steigen werden und es attraktiver wird in neu begebene Anleihen zu investieren. Deswegen: Lieber Kurzläufer kaufen und laufend neu reinvestieren, um keinen Zinsverlust zu erleiden. Und auch hier gilt: Immer bis zum Laufzeitende halten, denn wenn die Zinsen laufend steigen, bedeutet das für Anleihenbesitzter fallende Kurse. Und diese Verluste wollen wir nicht realisieren, deswegen halten wir die Anleihen bis zum Ende der Laufzeit. Das Wechselkursrisiko schätze ich als relativ gering ein, denn der Dollar läuft zurzeit sehr fest. Die Zinsen werden steigen und ich geh davon aus, dass die Wirtschaft durch die Investitionsprogramme stimuliert wird. Dadurch könnte auch die Inflationsrate hochlaufen und die Fed würde, wie angekündigt, die Zinsen noch schneller erhöhen. Auf der Euroseite sehe ich eher eine träge Geldpolitik, zwar dürften die Tage der lockeren Geldpolitik gezählt sein, aber ein Zinsschritt wird es wohl erst 2018 geben. Hinzu kommt, dass die Zinsen langsamer steigen werden als in den USA. Hinzu kommt, dass Euroland gerade in den südeuropäischen Ländern immer noch strukturelle Wirtschaftsprobleme aufweist und das Geld fehlt, um diese in naher Zukunft zu beseitigen. Deswegen setzte ich eher auf einen stärkeren Dollar zum Euro, was Dollarinvestoren zu einem Renditeschub durch den Wechselkurs verhelfen sollte. Trotzdem möchte ich drauf hinweisen, dass US-Anleihen eine leichte Überbewertung aufweisen, da der Markt schon mit drei weiteren Zinsschritten dieses Jahr rechnet, obwohl die Fed nur noch zwei angekündigt hat. Ich würde Anleihen mit mittelmäßiger Bonität leicht überbewerten, da die Kurse nicht so anfällig für Zinserhöhungen sind und eine höhere Rendite bei Kurzläufern zu erzielen ist. Meine Empfehlungen:

 

1. Glencore Mining (USC98874AN76) mit einer Laufzeit bis 25.10.2017 und einer Rendite von 2.13% p.a. und einem Rating von BBB

 

2. Vodafon (US92857WBE93) mit einer Laufzeit bis 19.02.2018 und einer Rendite von 1,7% p.a. und einem Rating von BBB+

 

3. Orange (US685218AA79) mit einer Laufzeit bis 06.02.2019 und einer Rendite von 2,14% p.a. und einem Rating von BBB+

 

 

Oder für sicherheitsorientiertere Anleger:

 

  • US Treasury (US912828W309) mit einer Laufzeit bis zum 28.01.2018 und einer Rendite von 1,42% p.a. mit einem Rating von AA+

 

 

 

 

High Yield

 

 

Bei High Yield Anleihen handelt es sich um Anleihen mit einem Rating von BB+ oder schlechter. Die schlechtere Bonität wird Anlegern mit einem höheren Risikoaufschlag ausgeglichen. Ein weiterer positiver Aspekt bei High Yield Anleihen ist, dass sie weniger intensiv auf Zinsänderungen reagieren. Deswegen empfehle ich eine Laufzeit von 2-4 Jahren. Jedoch müssen Anleger ein kühles Köpfchen bewahren, da die Wahrscheinlichkeit eines Zahlungsausfalles höher ist. Und sollte die wirtschaftliche Lage des Unternehmens sich verschlechtern, kann der Anleihenkurs auch mal in den Keller stürzen. High Yield Anleihen zeichnen sich dadurch aus, dass sie im Extremfall aktienähnliche Kursverläufe aufweisen. Bestes Beispiel der nahen Vergangenheit waren die Ölunternehmen, als die Ölpreise zusammengebrochen sind. Anleger sollten sich dessen im Klaren sein. High Yield Anleihen sind jedoch streng von Mittelstandsanleihen ohne Rating abzugrenzen und aufgrund der jüngsten Ereignisse zu meiden (German Pallets und KTG Agrar).

Ich würde USD High Yield Anleihen im Bereich Rohstoffe eher höher gewichten als Euro High Yield, da das Zinsumfeld einfach besser ist. Jedoch sind diese im Vergleich auch nicht mehr ganz billig, da eine Erholung der Rohstoffpreise schon eingepreist ist. Ich möchte hierfür jedoch keine Einzeltitel empfehlen, sondern rate euch mal ein paar Fonds oder ETFs die in High Yield Anleihen investieren anzuschauen. Bei Fonds ist im Gegensatz zu Einzeltiteln eine breite Streuung gewährleistet. Dies ist wichtig, um das Ausfallrisiko und das Währungsrisiko zu minimieren.

 

 

 

Defensive Aktien

 

 

Aktien sind nichts für Jedermann. Dennoch können sich defensive Werte als guter Ersatz von Anleihen erweisen. Zwar gibt es keine Zinsen, doch erweisen sich die hohen Dividendenrenditen als guter Ausgleich. Es ist schwer passende Anleihen zu finden, da der Anleihenmarkt vor großen Herausforderungen steht. Aktien sind zwar mit mehr Risiko behaftet, doch gibt es einige Werte die grundsolide sind und im Falle eines Börsencrashs zu den Gewinnern zählen könnten. Defensive Werte sind geprägt von wenig Volatilität, soliden Umsätzen, hohen Dividendenrenditen, aber auch geringen Gewinnsteigerungen.

Zu diesen defensiven Sektoren zählen: Gesundheit, Lebensmittel und Telekommunikation. Der wohl wichtigste Punkt für konservative Anleger, die noch keine Erfahrungen mit Aktien haben, könnte sein, dass diese Werte weniger schwanken als andere Werte. Ich möchte hier nicht zu viel vorwegnehmen, da in den nächsten Wochen ein separater Artikel von mir zum Thema „Defensive Aktien“ kommen wird. Eines sei gesagt: Investoren, die sich überlegen in Anleihen zu investieren, die ich hier aufgezählt habe, können sich auch Gedanken darüber machen, ob sie nicht lieber in Aktien investieren. Gerade in Euroland muss man heute schon tief ins Risiko gehen, um annehmbare Renditen zu erzielen. Bei Aktien von soliden Unternehmen können Sie ruhig schlafen und bekommen eine Dividendenrendite, die weit über den Anleiherenditen ist.

 

 

Eine kleine Auswahl von defensiven Werten:

 

• Vodafon (A1XA83) ist ein britisches Telekommunikationsunternehmen. Preis pro Aktie 2,37 Euro/ Dividendenrendite 6,3%/ KGV 30

 

• Nestle (A0Q4DC) ist ein schweizer Nahrungsmittelhersteller. Preis pro Aktie 70,98 EUR/Dividendenrendite 3,25%/ KGV 20

 

• Fresenius SE & Co. KGaA Inhaber-Aktie (578560) führender Hersteller von Dialysegeräten. Preis pro Aktie 74,58 EUR/ Dividendenrendite 1%/ KGV 21

 

 

Wie ihr seht, sind auf der sicheren Fixed-Income Seite keine großen Renditen mehr zu holen, deswegen muss man leider ins Risiko gehen, um höhere Renditen zu erzielen. Ich möchte auch noch anmerken, dass ich diese Segmente nicht nur wegen ihrer höheren Verzinsung ausgesucht habe, sondern auch wegen ihrer Bewertung, die zwar in einigen Bereichen schon recht hoch erscheint, aber immer noch nicht überbewertet ist. Generell rate ich Anlegern, die Anleihen kaufen wollen: Kauft kurze Laufzeiten und haltet bis zur Endfälligkeit.

 

Es hilft aber nichts zu Beschönigen, für konservative Anleger gibt es zurzeit keine Assetklasse, in denen sie eine gerechte Rendite erwirtschaften können. Ich hoffe, dass ich euch einen Denkanstoß gegeben konnte und euch ein wenig im Jungle des Rentenmarktes weiter helfen konnte.

 

 

Habt Ihr noch andere Alternativen auf dem Rentenmarkt, dann ab in die Kommentare damit!

 

 

 

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