Vernichtendes Urteil über den europäischen Anleihemarkt

In den aktuellen Märkten sind Renditechancen schwer auszumachen. Dies ist nun komplizierter denn je. Auf dem Anleihenmarkt musste man ja schon länger mit niedrigen Renditen kämpfen, doch nun kommt auch noch die Inflation hinzu. In Deutschland betrug die Inflation 2,2% für den Januar. Die Inflation des Jahres 2016 (0,6%) wird wohl dieses Jahr um ein Vielfaches überschritten werden. Da werden auch Rufe der Sparer nach Zinserhöhungen lauter. Die Fed hat es am Mittwoch wieder getan, die dritte Zinserhöhung. Heute gibt es anlässlich dessen, von mir einen kleinen Overview und meiner Meinung zu den europäischen Anleihenmärkten.

 

 

 

Fallende Anleihenkurse

 

 

Nicht nur in den USA steigen die Zinsen wieder, auch in Euroland ist es gar nicht mehr so unwahrscheinlich, dass bald die Zinsen wieder steigen könnten.

Nunmehr rechnen Anleger in Euroland mit Zinserhöhungen im Jahre 2018. Dies wird sich negativ auf die Anleihenkurse auswirken und nicht mehr durch die niedrige Verzinsung aufgefangen werden können. Die fetten Jahre von steigenden Anleihenkursen sind vorbei!

Natürlich klagten Anleihengläubigern schon lange über ausbleibende Zinsergebnisse, doch sollte man nicht vernachlässigen, dass sie durch das immer weiter sinkende Zinsniveau, dennoch Erträge durch die steigenden Anleihenkurse erzielen konnten. Das ist nun vorbei. Die USA steckt schon mitten im Prozess der anziehenden Zinsen, Europa wird nachziehen und das sollte Anleihengläubigern ein Warnsignal sein. Denn der Weg der Anleihenkurse kennt nicht nur eine Richtung!

Sollte die EZB ihre Zinssätze erhöhen, wird das auch unmittelbar Auswirkung auf die Anleihen haben. Falls ihr nicht vor hattet eure Anleihen bis zum Laufzeitende zu halten, sollten ihr euch jetzt Gedanken machen, ob ihr euch nicht lieber von ihren Anleihen trennen wollt, bevor die Kurse weiter fallen. Natürlich wird, wenn überhaupt, die EZB das Zinsniveau nur sehr langsam erhöhen, da die EZB leider nicht nur auf die Inflation in der Eurozone Ausschau halten muss, sondern auch die Krisenstaaten im Auge behalten muss. Diese können höhere Zinsen ohnehin nicht tragen und so ist der (Zins-)Spielraum der EZB begrenzt. Trotzdem sind selbst die Aussichten auf höhere Zinsen Gift für Anleihen. Deswegen meine Empfehlung: Bis zum Ende halten oder verkaufen!

 

 

 

 

Rentenfonds

 

 

Anleger von Rentenfonds haben es indes noch schwerer. Das Problem der fallenden Anleihenkurse geht auch an Ihnen nicht spurlos vorbei. Viel wichtiger ist jedoch, dass die meisten Rentenfonds zur Auffrischung ihrer Renditen Langläufer ins Portfolio aufgenommen hat. Vielleicht könnet ihr euch noch an die Emission der 50-Jährigen Frankreichanleihe oder der 100-Jährigen Irlandanleihe erinnern. Natürlich waren diese Anleihen angemessen attraktiv, als die Anleihenzinsen letzten Herbst ihren Tiefpunkt erlebten. Jetzt können sich Langläufer jedoch als schädlich erweisen! Denn die Durationen dieser Anleihen sind extrem hoch (Die Duration einer Anleihe einspricht dem Kursgewinn/-verlust bei einem Zinsansteig von 1%) Dadurch, dass die Portfolien von Rentenfonds, in den letzten Jahren mit diesen Anleihen aufgeblasen wurden, besteht jetzt die Gefahr, dass Sie sich nun gegen den Anleger bewegen. Es ist für Rentenfonds ohnehin schwer eine Rendite zu erzielen. Der Fondsmanager will ja auch bezahlt werden. Deswegen sind Rentenfondsmanger fast genötigt Langläufer, Exoten oder High Yield Anleihen zu kaufen, um den Anlegern eine halbwegs anzunehmende Rendite zu erwirtschaften. Empfehlung: Schaut erst in das Exposure eines Rentenfonds, bevor ihr diesen kauft und überlegt vielleicht in einen Fonds umzuschichten der eine hohe USD Allokation hat, da dort einfach ein höheres Zinsumfeld erreicht werden kann. (Aber mehr dazu in meinem zweiten Artikel)

 

 

 

Staatsanleihen

 

 

Die wenigsten werden noch Anleihen dieser Art haben. Im aktuellen Marktumfeld sind Staaten einfach zu gute Schuldner, die eine geringe Risikoprämie zahlen müssen. Jedoch gibt es ja Ansätze, Anleihen von Staaten mit zweifelhafter Bonität zu kaufen, um die höheren Zinsen einzustreichen. Wenn man sich jedoch die Zins-Spreads von Euroland-Anleihen anschaut, kann man unweigerlich die zusammenlaufenden Zinsen seit Euroeinführung erkenne. Die Risikoprämien für Staaten mit schlechter Bonität sinken, obwohl die makroökonomischen Daten sich nicht geändert haben. 10-Jährige italienische Anleihen hatten im November letzten Jahres gerade mal noch ein Risikoaufschlag von 0,9%! Diese schossen in den letzten Monaten dann über die 2-Prozentmarke. Trotzdem ist das immer noch keine Grundlage für ein Investment. Steigende Zinsen sollten den Staatshaushalt von Krisenstaaten weiter belasten, da sie mehr Zinsen für ihre Schulden zahlen müssen.

 

Empfehlung von mir: Finger Weg!

 

 

 

Zurzeit sprechen wenige Argumente für den Euro-Anleihenmarkt. Es gibt nur wenig Fixed-Income Segmente, die ich zurzeit als unterbewertet einschätzen würde und in denen das Chancen-Risikoprofil ausgeglichen ist. Ansonsten muss man leider sagen, dass es auf dem Euro-Anleihenmarkt wenig Rendite zu holen gibt. Und wieder einmal mehr müssen konservative Anleger schauen, wo sie mit ihrem Geld hin gehen.

 

Im zweiten Teil werde ich euch Alternativen zum Euro-Anleihenmarkt nennen und die Segmente in denen ich noch Chancen sehe.

 

 

Bis dahin eine euch noch eine schöne Woche.

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