Der KAMPF UMS SCHWARZE GOLD

Überangebot, Fracking-Buden und ein Ölpreis, der jenseits des Erträglichen liegt. Das versuchte die OPEC mit ihrer Förderungskürzung zu unterbinden. Viele Analysten prognostizierten das Ende der fatal niedrigen Preise für Öl an der Börse. Das war im November, nun scheint das Bild an den Rohstoffbörsen erfreulicher zu sein, doch der Schein trügt. Wir konnten zwar eine Erholung sehen, doch es könnte bald einen neuen Rücksetzer geben.

 

Überangebot

 

Die Situation des Überangebotes auf dem Ölmarkt hat sich immer noch nicht verbessert. Nach Angaben des Ölausrüsters Hughes Lakers haben sich seit Jahresbeginn die Bohrlöcher auf amerikanischen Boden von 529 auf 617 erhöht. Bei höheren Preisen würden dann auch wieder mehr Produzenten anfangen zu fördern. Wirft man ein Blick auf die US-Öllagerbestände fällt einem auf, dass diese ungebremst weiter steigen. Ende des Jahres hatten Unternehmen 520 Mio. Barrel in ihren Lagern. Hinzu kommen die unzähligen Tankschiffe, die vor der Küste der USA als schwimmende Lagerstellen umfunktioniert wurden. Erfreulich ist, dass am Mittwoch das erste Mal seit dem 05.01.17 die Lagerbestände gesunken sind, was auf eine Verbesserung der Lage hindeutet. Die Nachfrage nach Öl sollte sich nach Aussagen der IEA bis 2050 verdoppeln. Diese Nachfrage ist vor allem auf den asiatischen Raum zurückzuführen. Mittelfristig hilft diese Aussicht den Marktteilnehmern leider auch nicht weiter. Jedoch wird die Nachfrage in den nächsten Jahren, durch den sich erholenden chinesischen Markt stimuliert, wodurch die Marktteilnehmer profitieren werden.

 

 

 

Fracker

 

Die OPEC hat sich geschnitten, wenn Sie dachte, sie könnte die Fracker einfach so abschütteln. Denn eigentlich hat sie mit ihren Förderkürzungen das Gegenteil geschafft. Fracken ist wieder rentabel. Die meisten Frackinggesellschaften können jetzt schon bei einem WTI Preis von 40$ rentabel arbeiten. Die Überlebenskünstler der Branche stehen in den Startlöchern ihre Arbeit wieder aufzunehmen und den Markt mit Öl zu überschwemmen. Und sie sind nun noch zäher als vor der Ölkrise. Denn die Fracker haben (als der Ölpreis noch so niedrig war, dass es sich nicht gelohnt hat zu fördern) einen Frühjahrsputz vollzogen: Unrentable Bohrtürme wurden veräußert und damit die Kapitaldecke verbessert, Arbeitnehmer wurden entlassen und die Investitionen in Technologie wurden zurückgefahren. Das Angebot kann von Seiten der Fracker beliebig hoch und runter gefahren werden. Sollte die OPEC also langfristig eine Förderkürzung vornehmen wollen, würden die Fracker einfach ihren Platz einnehmen und das Angebot hoch halten. Die Fracker konnten durch technologischen Fortschritt ihre Produktivität erhöhen und gleichzeitig ihre Kosten senken. Laut einer Studie von J.P. Morgan über das Delaware Basin können Produzenten nun in nicht mal einem Jahr Ölvorkommen ganz ausbeuten. Vor vier Jahren hatte man dafür noch drei Jahre gebraucht. Dies führt dazu, dass Fracker in geringer Zeit viel Öl fördern können und so das Angebot nach oben treiben. Und das übersteigt die Nachfrage ohnehin schon.

 

 

 

OPEC

 

Die Förderkürzung im November 2016 der OPEC hatte eher symbolischen Charakter, sie sollte die Märkte beruhigen und den Ölpreis stabilisieren. Und das hat auch ganz gut geklappt. Beschlossen wurde, die tägliche Förderung von 33,6 Millionen Fass auf 32,5 Millionen zu senken. Dies war die erste Förderkürzung seit 2008. Die Anleger waren recht erstaunt, da die OPEC sich im Vorfeld des Treffens eher zerstritten zeigte und eine Förderkürzung nicht erreichbar schien. Doch nun, fünf Monate nach der Übereinkunft, steht die OPEC vor neuen Herausforderungen. Die gesunkene Förderquote der OPEC sorgte insgesamt nicht für ein niedrigeres Angebot, sondern nur dafür, dass sich die Marktanteile von den OPEC-Staaten in Richtung USA verschieben. Die Amerikaner kündigten im Vorfeld an, die Rekordproduktion von 1970 noch in diesem Jahr zu überschreiten. Frühere Ölförderkürzungen hatten einen höheren Effekt auf die Märkte, doch nun scheint der Zauber der OPEC wie weg geblasen. Die OPEC hat ihre Preismacht verloren! Damals konnte niemand die Angebotsverknappung ausgleichen. Nun sieht das Bild etwas anders aus: Das Angebot, welches die OPEC nicht liefert, stellt einfach die USA. Einiges deutet nun darauf hin, dass die OPEC ihre Förderkürzung am 25. Mai in Wien wieder rückgängig machen wird. Saudi Arabiens Energieminister Al-Falih schlug erst letztens zum verbalen Rundumschlag gegen alle Marktteilnehmer. Irak und Russland sind ihm immer mehr ein Dorn im Auge. Zwar haben diese an der Drosslung teilgenommen haben, jedoch nicht in dem Umfang wie es Saudi Arabien gerne hätte. Saudi Arabien selber hatte seine Förderung von über 11 Millionen auf 9,8 Mio. Barrel pro Tag gedrosselt um anderen OPEC Mitgliedern Luft zu verschaffen. In Richtung der Frackingindustrie betonte der Minister, dass Saudi Arabien nicht zusehen werde, wie ihnen weitere Marktanteile weg genommen werden und kündigte an, zur Not einzugreifen.

 

Die OPEC bleibt also weiterhin ein unberechenbarer Faktor auf dem Ölmarkt.

 

 

 

Empfehlung: Solltet ihr Aktien von ölfördernden Unternehmen im Portfolio haben, solltet ihr genau aufpassen was in den nächsten Monaten auf dem Ölmarkt passiert. In vielen Aktien sind schon Erholungen der Ölpreise über 60$ pro Barrel eingepreist! Jedoch sehe ich in den nächsten Monaten wenig Spielraum, dass diese Marke erreicht werden kann. Aufgrund der variabel produzierenden Frackingindustrie kann jederzeit das Angebot hochgefahren werden. Als Folge werden andere Unternehmen und die OPEC mit niedrigeren Ölpreisen leben müssen, da Fracker mit Ölpreisen arbeiten können, bei denen andere Unternehmen Verluste schreiben. Als Verkaufssignal markiere ich Ölpreise unter der 40$ Marke. Ab dieser Marke ist nach unten wieder alles möglich! Für Zukäufe solltet ihr ohnehin erst mal abwarten, wie sich die Tonart der OPEC in den nächsten Monaten verändert. Sollten die Ölpreise nochmal unter die 40$ Marke fallen, kann man sich überlegen billig Aktien zuzukaufen. Ansonsten lieber erst mal die Füße still halten.

 

 

Wie steht ihr zum Ölmarkt? Schreibt es in die Kommentare!

 

 

 

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Holger (Freitag, 07 April 2017 00:35)

    Hallo Investment-Blogger,
    künftig werden die Kriege wohl weniger um Öl geführt werden sondern wesentlich häufiger um sauberes Trinkwasser. Öl ist in vielen Bereichen substituierbar, aber sauberes Wasser ist lebensnotwendig und für eine jede Wirtschaft von enormer Wichtigkeit (Landwirtschaft, Hygiene/Medizin usw.) und ist nicht ersetzbar. Gerade im Wasser-Infrastrukturbereich gibt es vielfältige interessante Investmentmöglichkeiten. Gerne können wir uns bei Interesse austauschen.

    Holger von wasseraktien.de

  • #2

    Der Investment-Blogger (Montag, 10 April 2017 21:01)

    Hallo Holger,
    ich meinte mit dem "Krieg um das Öl" auch nicht einen physischen Krieg, sondern eher einen Wirtschaftskrieg. Aber du hast natürlich recht, das die Bedeutung von Wasser als Ressource in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat und es keinen Ersatz für Wasser gibt. Im Anlagebereich kenn ich mich leider mit Wasseraktien nicht aus, nur die Standart-Lebensmittelhersteller. Aber man kann nicht verläugnen, dass Unternehmen die mit Wasser arbeiten in den letzten Jahren überdurchschnittlich gut performed haben.

    Schreib mir gerne eine private Nachricht, ich bin immer auf der Suche nach neuen Anreizen zum Investieren.
    Ich freue mich auf den Gedankenaustausch.