
Die entscheidende Frage ist nicht ob, sondern wo und wie aktive Fonds einen Mehrwert schaffen können, der ihre hohen Kosten rechtfertigt.
- In effizienten Märkten (z.B. grosse US-Aktien) ist ein passiver ETF aufgrund der Kosten fast immer die bessere Wahl.
- In Nischen wie Small Caps oder Schwellenländern kann ein spezialisierter Manager durch die Ausnutzung von Marktineffizienzen echten Alpha generieren.
Empfehlung: Bauen Sie Ihr Portfolio nach dem Core-Satellite-Prinzip auf: ein günstiger Welt-ETF als Kern, ergänzt durch gezielt ausgewählte, aktive Nischenfonds als Satelliten.
Die Debatte zwischen aktiven Fonds und passiven ETFs scheint längst entschieden. Zahlreiche Studien belegen, dass die Mehrheit der Fondsmanager es nicht schafft, nach Abzug ihrer Gebühren den eigenen Vergleichsindex zu schlagen. Für viele Anleger lautet die Schlussfolgerung daher: ETFs sind die intelligentere, weil kostengünstigere Wahl. Dieser pauschale Sieg des passiven Investierens ist zwar in vielen Fällen korrekt, greift aber zu kurz. Er ignoriert eine entscheidende Frage, die sich erfahrene Anleger stellen: Gibt es nicht doch spezifische Marktnischen, in denen menschliche Expertise und aktives Management einen echten, messbaren Mehrwert liefern können?
Die Antwort ist kein simples Ja oder Nein, sondern ein differenziertes „Es kommt darauf an“. Der Erfolg hängt nicht davon ab, einen vermeintlichen „Star-Manager“ mit einer glücklichen Hand zu finden. Vielmehr geht es darum, die Märkte zu identifizieren, die von Natur aus ineffizient sind, und die Fonds zu selektieren, deren Investmentprozess robust und deren Gebührenstruktur fair ist. Die Suche nach Alpha ist kein Glücksspiel, sondern eine strategische Entscheidung, die auf einer fundierten Analyse beruhen muss. Es geht darum, die Spreu vom Weizen zu trennen und zu verstehen, wann man für Management bezahlt und wann man nur für eine teure Wette auf den Zufall aufkommt.
Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Kriterien. Wir analysieren, warum die Kosten der grösste Feind Ihrer Rendite sind und wie Sie diese drastisch senken können. Wir beleuchten die Nischenmärkte, in denen aktive Manager ihre Stärken ausspielen können und entlarven die strukturellen Fallen bei Gebühren und Ratings. Schliesslich zeigen wir Ihnen, wie Sie mit einer klugen Strategie das Beste aus beiden Welten – aktiv und passiv – in einem einzigen, robusten Portfolio vereinen.
Um diese komplexe Thematik strukturiert zu beleuchten, werfen wir einen detaillierten Blick auf die Schlüsselfragen, die jeder Anleger beantworten können sollte, bevor er in einen aktiven Fonds investiert. Das folgende Inhaltsverzeichnis dient Ihnen als Wegweiser durch die Analyse.
Inhaltsverzeichnis: Aktive Fonds vs. ETF – Die Nischen für echte Rendite
- Wie Sie den Ausgabeaufschlag von 5% bei aktiven Fonds komplett umgehen?
- Was tun, wenn der Star-Fondsmanager das Unternehmen verlässt?
- Warum aktive Fonds bei Small Caps oder Schwellenländern Sinn machen können?
- Die Falle der „High Water Mark“: Wann lohnt sich eine Erfolgsgebühr für Sie?
- Warum 5 Sterne bei Morningstar keine Garantie für die Zukunft sind?
- Warum es fast unmöglich ist, den Markt langfristig dauerhaft zu schlagen?
- Wie Kosten von 2% Ihre Endrendite über 20 Jahre halbieren können?
- Wie bauen Sie ein „unsinkbares“ Portfolio durch echte Diversifikation?
Wie Sie den Ausgabeaufschlag von 5% bei aktiven Fonds komplett umgehen?
Bevor wir überhaupt über die potenzielle Überrendite eines Fondsmanagers sprechen, müssen wir das grösste und offensichtlichste Hindernis aus dem Weg räumen: den Ausgabeaufschlag. Diese einmalige Gebühr von typischerweise 5% des Anlagebetrags, die bei vielen Filialbanken erhoben wird, fliesst direkt in den Vertrieb und schmälert Ihr investiertes Kapital vom ersten Tag an. Bei einer Anlage von 10.000 Euro sind das 500 Euro, die gar nicht erst für Sie zu arbeiten beginnen. Über lange Zeiträume ist der Effekt verheerend. Eine Beispielrechnung zeigt, dass der Verzicht auf den Ausgabeaufschlag bei einer Einmalanlage über 35 Jahre einen Mehrertrag von über 14.000 Euro bedeuten kann.
Die gute Nachricht ist, dass diese Gebühr heute für informierte Anleger komplett vermeidbar ist. Der Markt in Deutschland bietet zahlreiche Möglichkeiten, Fonds mit 100% Rabatt auf den Ausgabeaufschlag zu erwerben. Sogenannte Fondsvermittler und moderne Neobroker haben das traditionelle Modell der Banken aufgebrochen. Anstatt bei der Hausbank zu kaufen, können Anleger Depots bei Online-Brokern wie finanzen.net zero oder Scalable Capital eröffnen, die Tausende von aktiven Fonds ohne Agio anbieten. Alternativ bieten spezialisierte Plattformen wie Fondsdiscount.de oder AVL Finanzvermittlung ebenfalls den Kauf ohne Aufschläge an. Der einzige Kostenpunkt sind dann die marktüblichen Spreads, also die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
Die folgende Tabelle verdeutlicht die direkte Ersparnis, die Sie durch die Wahl des richtigen Anbieters erzielen können.
| Anbieter | Ausgabeaufschlag | Rabatt | Ihre Ersparnis bei 10.000€ |
|---|---|---|---|
| Filialbank (Sparkasse/Volksbank) | 5% | 0% | 0€ |
| Direktbank mit Teilrabatt | 5% | 50% | 250€ |
| Fondsdiscounter | 5% | 100% | 500€ |
| Scalable Capital | 5% | 100% | 500€ |
Für Anleger, die eine umfassende Beratung wünschen, kann auch eine Honorarberatung eine Option sein. Hier zahlen Sie ein festes Honorar für die Beratung und erhalten im Gegenzug Zugang zu sogenannten Netto-Fondstranchen, die von vornherein frei von Provisionen und Ausgabeaufschlägen sind. Das Umgehen des Ausgabeaufschlags ist keine Kür, sondern eine Pflichtübung für jeden, der ernsthaft über ein Investment in aktive Fonds nachdenkt.
Was tun, wenn der Star-Fondsmanager das Unternehmen verlässt?
Viele Anleger investieren in einen aktiven Fonds wegen des Rufs seines Managers. Namen wie Peter Lynch oder Ken Heebner sind Legenden. Doch was passiert, wenn dieser „Star“, der das Gesicht und Gehirn des Fonds war, das Unternehmen verlässt? Ein solcher Wechsel ist ein kritisches Ereignis, das die gesamte Investmentthese in Frage stellen kann. Es zwingt Anleger zu einer Neubewertung und offenbart oft, ob der Erfolg des Fonds auf der Genialität einer einzelnen Person oder auf einem robusten, institutionalisierten Investmentprozess beruhte.
Ein Fonds, dessen Erfolg untrennbar mit einem einzigen Manager verbunden ist, birgt ein erhebliches „Schlüsselpersonenrisiko“. Verlässt diese Person den Fonds, kann die Performance einbrechen, wenn der Nachfolger nicht die gleiche Strategie, das gleiche Geschick oder die gleiche Philosophie verfolgt. Für Anleger ist dies ein Alarmsignal. Es ist der Moment, in dem die Qualität des gesamten Fondshauses auf den Prüfstand gestellt wird. Ein erstklassiges Haus hat einen klaren Nachfolgeplan und einen tief verankerten Prozess, der sicherstellt, dass die Strategie auch ohne den Star weitergeführt werden kann.

Bei einem Managerwechsel sollten Sie daher nicht in Panik verfallen, sondern systematisch vorgehen. Prüfen Sie zunächst die Kommunikation des Fondshauses: Wird der Wechsel transparent begründet? Wer ist der Nachfolger und welche Erfahrung bringt er mit? Am wichtigsten ist jedoch die Frage: Basiert die Anlagephilosophie auf einem Teamansatz und einem wiederholbaren Prozess, oder war sie die „One-Man-Show“ des scheidenden Managers? Wenn der Erfolg an eine Person gekoppelt war und der Prozess unklar ist, ist ein Verkauf des Fonds oft die sicherste Entscheidung. Beruhte die Performance hingegen auf einem Team und einem System, kann es sich lohnen, dem neuen Management eine Chance zu geben.
Warum aktive Fonds bei Small Caps oder Schwellenländern Sinn machen können?
Während aktive Manager in hocheffizienten Märkten wie dem für US-Standardwerte (Large Caps) kaum einen Vorteil haben, gibt es Segmente, in denen die Spielregeln anders sind. Dies sind die sogenannten ineffizienten Märkte, zu denen vor allem Nebenwerte (Small Caps) und Aktien aus Schwellenländern (Emerging Markets) gehören. In diesen Nischen können aktive Fondsmanager einen echten Mehrwert schaffen, der ihre Kosten rechtfertigt. Doch warum ist das so?
Ineffizienz bedeutet in diesem Kontext, dass Informationen nicht allen Marktteilnehmern sofort und gleichermassen zur Verfügung stehen. Grosse, bekannte Unternehmen wie Apple oder Microsoft werden von Hunderten von Analysten beobachtet; jede Nachricht wird in Sekundenschnelle im Aktienkurs eingepreist. Bei einem kleinen Maschinenbauer in Polen oder einem Technologie-Startup in Brasilien ist das anders. Hier gibt es oft nur wenig bis gar keine Analystenabdeckung. Ein Fondsmanager, der vor Ort recherchiert, mit dem Management spricht und die lokale Wirtschaft versteht, kann sich einen Wissensvorsprung erarbeiten und „unentdeckte Perlen“ finden, bevor es der breite Markt tut.
Diese Informationsasymmetrie ist die Quelle für potenziellen Alpha. Ein ETF, der stur einen Index abbildet, kann diesen Vorteil nicht nutzen. Er kauft einfach alle im Index enthaltenen Unternehmen, die guten wie die schlechten. Ein aktiver Manager kann hingegen gezielt in die vielversprechendsten Unternehmen investieren und unterbewertete Titel identifizieren. Daten untermauern dieses Potenzial: So zeigen Daten des SPDR MSCI Emerging Markets Small Cap ETF, dass Schwellenländer-Nebenwerte über fünf Jahre eine deutlich höhere Rendite erzielen konnten als globale Small Caps. Ein aktiver Manager hat hier die Chance, durch gezielte Auswahl die Performance sogar noch zu übertreffen und Risiken besser zu steuern.
Die Falle der „High Water Mark“: Wann lohnt sich eine Erfolgsgebühr für Sie?
Einige aktive Fonds werben mit einer scheinbar fairen Gebührenstruktur: eine niedrige Basisgebühr plus eine „Performance Fee“ oder Erfolgsgebühr. Die Idee klingt gut: Der Manager wird nur dann zusätzlich belohnt, wenn er eine gute Leistung erbringt. In der Praxis kann sich diese Struktur jedoch als kostspielige Falle für den Anleger entpuppen, wenn die Bedingungen nicht fair gestaltet sind. Eine reine Erfolgsbeteiligung motiviert den Manager potenziell, übermässige Risiken einzugehen, um die Gebühr auszulösen. Gewinnt er, teilt er den Gewinn mit Ihnen. Verliert er, tragen Sie den Verlust allein.
Zwei entscheidende Klauseln trennen eine faire von einer unfairen Erfolgsgebühr. Die erste ist die „High Water Mark“ (Höchststandsregelung). Sie stellt sicher, dass eine Performance Fee nur auf neue Gewinne erhoben wird, die über dem bisherigen Höchststand des Fonds liegen. Ohne diese Regelung könnte ein Manager nach einem Verlustjahr im Folgejahr bereits für das blosse Aufholen der Verluste eine Gebühr kassieren. Die zweite wichtige Klausel ist die „Hurdle Rate“ (Mindestrendite). Sie legt fest, dass die Erfolgsgebühr erst dann fällig wird, wenn der Fonds nicht nur eine positive Rendite erzielt, sondern auch eine bestimmte Mindestschwelle – idealerweise die Rendite seines Vergleichsindex plus einen Aufschlag – überschritten hat.
Nur wenn beide Bedingungen – eine unbegrenzte High Water Mark und eine anspruchsvolle Hurdle Rate – erfüllt sind, kann eine Performance Fee für den Anleger sinnvoll sein. Andernfalls besteht die Gefahr, dass Sie für mittelmässige Leistung oder das Eingehen unverhältnismässiger Risiken extra zur Kasse gebeten werden. Eine sorgfältige Prüfung des Verkaufsprospekts ist hier unerlässlich.
Ihr Aktionsplan: Faire Performance-Gebühren erkennen
- Hurdle Rate prüfen: Die Gebühr sollte erst fällig werden, wenn eine Mindestrendite (z.B. Benchmark + 2%) überschritten wird.
- High-Water-Mark verifizieren: Stellen Sie sicher, dass die Klausel eine unbegrenzte Verlustverrechnung vorsieht und nicht nach einer gewissen Zeit zurückgesetzt wird.
- Maximale Gebühr checken: Die gesamte Performance Fee sollte nach oben gedeckelt sein, üblicherweise bei maximal 20-25% des erzielten Mehrertrags.
- Transparenz sicherstellen: Die genaue Berechnungsmethode muss klar und verständlich im Verkaufsprospekt des Fonds dokumentiert sein.
- Gesamtkosten vergleichen: Kalkulieren Sie, wie hoch die Gesamtkostenquote (TER + potenzielle Performance Fee) im Erfolgsfall ausfallen könnte, und vergleichen Sie diese mit Alternativen.
Warum 5 Sterne bei Morningstar keine Garantie für die Zukunft sind?
Auf der Suche nach Orientierung im Fondsdschungel verlassen sich viele Anleger auf das bekannte Sterne-Rating von Agenturen wie Morningstar. Ein Fonds mit 4 oder 5 Sternen scheint eine sichere Wahl zu sein. Doch dieser Glaube ist trügerisch und kann zu teuren Fehlentscheidungen führen. Das Problem: Das Sterne-Rating ist rein rückwärtsgewandt. Es bewertet die historische Performance eines Fonds im Vergleich zu seiner Konkurrenz. Ein Fonds erhält 5 Sterne, weil er in der Vergangenheit gut gelaufen ist – es ist jedoch keine Garantie dafür, dass er dies auch in Zukunft tun wird.
Tatsächlich ist oft das Gegenteil der Fall. Das Phänomen der „Mean Reversion“ (Rückkehr zum Mittelwert) besagt, dass auf Phasen der Überperformance oft Phasen der Unterperformance folgen. Ein Fonds, der 5 Sterne erhalten hat, hatte möglicherweise einfach einen Anlagestil (z.B. „Growth“), der in den letzten Jahren vom Markt favorisiert wurde. Ändert sich das Marktumfeld, kann derselbe Fonds schnell ans Ende der Rangliste zurückfallen. Eine Untersuchung von S&P Dow Jones hat gezeigt, dass viele der ehemaligen Top-Fonds über einen längeren Zeitraum wieder unterdurchschnittlich abschneiden.
Morningstar selbst weist auf die Grenzen dieses quantitativen Ratings hin. Für eine fundierte Entscheidung ist das qualitative Rating der Analysten weitaus wertvoller.
Das qualitative Morningstar Analyst Rating (Gold, Silver, Bronze) ist für eine fundierte Entscheidung wertvoller als das rückwärtsgewandte Sterne-Rating.
– Morningstar Research, Morningstar Methodology Guide
Dieses qualitative Rating, erkennbar an den Medaillen-Bezeichnungen „Gold“, „Silver“ oder „Bronze“, blickt in die Zukunft. Analysten bewerten hier die Qualität des Teams, die Robustheit des Investmentprozesses und die Fairness der Gebühren. Es ist eine zukunftsorientierte Einschätzung der Wahrscheinlichkeit, dass ein Fonds seinen Index langfristig schlagen kann. Anleger sollten daher weniger auf die Sterne der Vergangenheit als auf das Gold der zukünftigen Einschätzung achten.
Warum es fast unmöglich ist, den Markt langfristig dauerhaft zu schlagen?
Die harte, statistisch untermauerte Realität für aktive Fonds ist ernüchternd. Die Jagd nach Alpha, also der Überrendite gegenüber dem Markt, ist ein Spiel, das die allermeisten Manager langfristig verlieren. Der Grund dafür ist eine Kombination aus Markteffizienz und der unerbittlichen Mathematik der Kosten. In vielen grossen, liquiden Märkten sind Informationen so schnell und weitreichend verfügbar, dass es extrem schwierig ist, einen dauerhaften Wissensvorsprung zu halten. Jeder Vorteil wird schnell von der Konkurrenz entdeckt und eingepreist.
Die entscheidende Hürde sind jedoch die Kosten. Ein aktiver Fondsmanager muss nicht nur den Markt schlagen, er muss ihn um so viel schlagen, dass nach Abzug seiner Verwaltungsgebühren, Transaktionskosten und eventueller Performance Fees immer noch ein Plus für den Anleger übrigbleibt. Diese Netto-Rendite, das sogenannte „Kosten-Alpha“, ist das Einzige, was zählt. Die SPIVA-Reports von S&P Dow Jones, die regelmässig die Performance aktiver Fonds mit ihren Benchmarks vergleichen, zeichnen ein klares Bild: Laut S&P Dow Jones Indices SPIVA-Report bleiben über einen Zeitraum von 10 Jahren fast 98% der globalen Aktienfonds hinter der Rendite ihres Vergleichsindex zurück.

Diese Statistik bedeutet nicht, dass es keine erfolgreichen Manager gibt. Es gibt sie, aber sie sind extrem selten und – was noch wichtiger ist – im Voraus nur sehr schwer zu identifizieren. Für jeden Warren Buffett gibt es Hunderte von Managern, die es versucht haben und gescheitert sind. Auf einen Gewinnerfonds zu setzen, gleicht oft der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Für den durchschnittlichen Anleger ist es daher statistisch die klügere Strategie, nicht zu versuchen, dieses Spiel zu gewinnen, sondern stattdessen die Kosten zu minimieren und die Marktrendite über einen günstigen ETF mitzunehmen. Der Verzicht auf die Jagd nach Alpha in effizienten Märkten ist oft die renditestärkste Entscheidung.
Wie Kosten von 2% Ihre Endrendite über 20 Jahre halbieren können?
Der vielleicht am meisten unterschätzte Faktor bei der Geldanlage ist die schleichende Erosion des Vermögens durch Kosten. Eine jährliche Gebühr von 1,5% oder 2% klingt zunächst harmlos. Über viele Jahre hinweg entfaltet diese Gebühr jedoch durch den Zinseszinseffekt eine zerstörerische Wirkung. Sie schmälert nicht nur Ihr Kapital, sondern auch die Erträge, die dieses Kapital in Zukunft hätte erwirtschaften können. Der Unterschied zwischen einem günstigen ETF mit 0,2% und einem teuren aktiven Fonds mit 1,8% Gesamtkostenquote (TER) kann über einen Anlagehorizont von 20 oder 30 Jahren den Unterschied zwischen einem komfortablen Polster und einer herben Enttäuschung ausmachen.
Betrachten wir ein konkretes Beispiel: Ein Anleger investiert 10.000 Euro und erzielt eine durchschnittliche Bruttorendite von 5% pro Jahr. In einem ETF mit Kosten von 0,2% wächst das Vermögen nach 20 Jahren auf rund 25.547 Euro an. In einem aktiven Fonds mit einer TER von 1,8% (ohne Ausgabeaufschlag) sind es nur noch 21.068 Euro. Das sind über 4.400 Euro weniger, die allein den Gebühren zum Opfer gefallen sind. Über längere Zeiträume und bei höheren Anlagesummen wird der Effekt noch dramatischer. So zeigt eine Beispielrechnung des VZ VermögensZentrum, dass bei einer monatlichen Sparrate über 40 Jahre ein Kostenunterschied von nur einem Prozentpunkt zu einem Endvermögen führen kann, das um über 111.000 Euro geringer ausfällt.
Die folgende Tabelle visualisiert den Kostenunterschied bei einer Einmalanlage über 20 Jahre und macht den „Cost-Drag“ greifbar.
| Anlageform | Startkapital | Jährliche Kosten | Endvermögen nach 20 Jahren (5% Bruttorendite) |
|---|---|---|---|
| ETF (TER 0,2%) | 10.000€ | 0,2% | 25.547€ |
| Aktiver Fonds (TER 1,8%) | 10.000€ | 1,8% | 21.068€ |
| Differenz | – | – | -4.479€ (-17,5%) |
Diese Zahlen verdeutlichen eine fundamentale Wahrheit: Kosten sind eine der wenigen Variablen, die Sie als Anleger direkt kontrollieren können. Ein aktiver Fonds muss also nicht nur eine höhere Rendite als ein ETF erzielen, sondern eine erheblich höhere Rendite, um diesen permanenten Gegenwind durch die Gebühren auszugleichen. Jede Entscheidung für einen aktiven Fonds ist somit eine Wette darauf, dass der Manager diesen Kostennachteil mehr als wettmachen kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Hohe Kosten sind der Hauptgrund für die Underperformance aktiver Fonds; umgehen Sie den Ausgabeaufschlag konsequent.
- Echter Mehrwert durch aktives Management entsteht vor allem in ineffizienten Märkten (z.B. Small Caps, Emerging Markets), wo Expertise und Recherche zählen.
- Ein solider, nachvollziehbarer und transparenter Investmentprozess ist für den langfristigen Erfolg wichtiger als ein einzelner Star-Manager.
Wie bauen Sie ein „unsinkbares“ Portfolio durch echte Diversifikation?
Die Erkenntnisse aus dem Duell „Aktiv vs. Passiv“ führen nicht zu einem Sieg für eine Seite, sondern zu einer intelligenten Synthese: der Core-Satellite-Strategie. Dieser Ansatz kombiniert die Stärken beider Welten und ermöglicht den Aufbau eines robusten, kosteneffizienten und gleichzeitig chancenorientierten Portfolios. Es ist der pragmatische Weg, um die Marktrendite sicher mitzunehmen und gleichzeitig gezielte Wetten auf eine mögliche Überrendite einzugehen.
Der „Core“ (Kern) des Portfolios bildet das Fundament. Er besteht aus einem oder mehreren breit diversifizierten, kostengünstigen ETFs, die den globalen Aktienmarkt abbilden (z.B. ein ETF auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World). Dieser Kern, der typischerweise 70-80% des Gesamtportfolios ausmacht, sorgt für eine stabile Basisrendite zu minimalen Kosten. Er ist das passive, „unsinkbare“ Fundament Ihrer Geldanlage.
Musterportfolio mit Core-Satellite-Ansatz
Ein Portfolio mit 70% MSCI World ETF, 15% MSCI Europe Small Cap ETF und 15% aktivem Emerging Markets Fonds bietet breite Diversifikation. Die Small-Cap-Komponente erhöhte historisch die Sharpe Ratio, während der aktive EM-Fonds von lokaler Expertise in ineffizienten Märkten profitiert. Dieses Setup kombiniert einen günstigen Kern mit zwei chancenorientierten Satelliten, um das Rendite-Risiko-Profil zu optimieren.
Um diesen Kern herum werden die „Satellites“ (Satelliten) platziert. Dies sind die gezielten, aktiven Investments, die den restlichen Anteil von 20-30% ausmachen. Hier kommen die Erkenntnisse über Marktineffizienzen zum Tragen: Als Satelliten eignen sich spezialisierte, aktive Fonds für Nischen wie Schwellenländer-Aktien, globale Nebenwerte (Small Caps) oder auch bestimmte Sektoren wie Technologie oder Healthcare, in denen Expertenwissen einen Unterschied machen kann. Die Auswahl dieser Satelliten erfolgt nach den strengen Kriterien, die wir zuvor besprochen haben: ein nachvollziehbarer Prozess, ein fähiges Team, eine faire Gebührenstruktur und ein Fokus auf ineffiziente Marktsegmente. So wird das Portfolio um eine Alpha-Komponente ergänzt, ohne die Stabilität und Kosteneffizienz des Kerns zu gefährden.
Beginnen Sie noch heute mit der Überprüfung Ihres Portfolios und strukturieren Sie es nach diesem bewährten Prinzip. Die Kombination aus einem soliden passiven Kern und sorgfältig ausgewählten aktiven Satelliten ist der Schlüssel zu einem langfristig erfolgreichen Vermögensaufbau.