
Tokenisierung macht Immobilieninvestments zugänglich, doch der wahre Wert – und das Risiko – liegt nicht in der Blockchain, sondern in der rechtlichen Struktur des Tokens.
- Die Technologie ermöglicht transparente und schnelle Transaktionen, wie automatisierte Zinszahlungen ohne Banken beweisen.
- Die Renditen von 3-7 % sind realitätsnah, aber Anleger sind oft nur ungesicherte Gläubiger, nicht Miteigentümer der Immobilie.
Empfehlung: Prüfen Sie vor jedem Investment den BaFin-gebilligten Prospekt und verstehen Sie genau, ob Sie Anteile an der Immobilie oder nur an einem nachrangigen Darlehen erwerben.
Der Traum vom „Betongold“ schien für Kleinanleger lange unerreichbar. Wer konnte schon eine Wohnung in Berlin oder ein Bürogebäude in Hamburg als Kapitalanlage erwerben? Die Digitalisierung verspricht nun eine Revolution: die Tokenisierung von Immobilien. Mit wenigen Klicks und einem Einsatz von nur 500 Euro Miteigentümer einer erstklassigen Immobilie werden – was wie eine Utopie klingt, wird durch die Blockchain-Technologie zur greifbaren Realität. Plattformen werben mit Demokratisierung, Liquidität und Transparenz und malen das Bild eines reibungslosen, für jedermann zugänglichen Immobilienmarktes.
Doch hinter der visionären Fassade der Technologie verbirgt sich ein juristischer Dschungel. Die entscheidende Frage ist nicht, *ob* die Blockchain funktioniert, sondern *was* der Token rechtlich verbrieft. Handelt es sich um echtes Miteigentum, das im Grundbuch verankert ist, oder lediglich um ein Darlehen an den Projektentwickler, bei dem der Anleger im Ernstfall das volle Risiko trägt? Die Verlockung hoher Renditen und niedriger Einstiegshürden darf nicht den Blick auf die fundamentalen Risiken verstellen, die in der rechtlichen Hülle des digitalen Anteils schlummern. Der Unterschied zwischen einem echten Investor und einem ungesicherten Gläubiger ist oft nur eine Klausel im Kleingedruckten.
Dieser Artikel durchleuchtet die Mechanismen, Chancen und vor allem die verborgenen Risiken der Immobilien-Tokenisierung in Deutschland. Wir analysieren, wie die Technologie funktioniert, entlarven die gefährlichsten Fallstricke und geben Ihnen eine konkrete Anleitung an die Hand, um seriöse von zweifelhaften Angeboten zu unterscheiden. So können Sie fundiert entscheiden, ob diese neue Anlageklasse ein Baustein für Ihr Portfolio sein kann.
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Um Ihnen einen klaren Überblick über diese komplexe Materie zu verschaffen, haben wir den Artikel in acht zentrale Bereiche gegliedert. Die folgende Übersicht führt Sie durch die entscheidenden Aspekte der Immobilien-Tokenisierung, von der technologischen Funktionsweise bis zur strategischen Portfolio-Beimischung.
Inhaltsverzeichnis: Immobilien-Token als Investment – Chancen und Fallstricke analysiert
- Wie garantieren automatisierte Verträge Ihre Zinszahlungen ohne Bank?
- Yield Farming: Warum sind 20 % Zinsen im Krypto-Bereich hochriskant?
- Wie macht die neue EU-Verordnung Krypto-Investments für Banken salonfähig?
- Warum ist die rechtliche Einordnung entscheidend für Ihren Anlegerschutz?
- Wie erkennen Sie „Rug Pulls“ bei neuen Krypto-Projekten?
- Cold Wallet vs. Börse: Wo sind Ihre Coins sicher vor Insolvenz?
- Welche Branchen haben aufgrund neuer Technologien gar keine Gewinnerwartung mehr?
- Bitcoin im Depot: Sollten Sie 1 %, 5 % oder 10 % Ihres Vermögens beimischen?
Wie garantieren automatisierte Verträge Ihre Zinszahlungen ohne Bank?
Die revolutionäre Kraft der Tokenisierung liegt in der Automatisierung durch sogenannte Smart Contracts. Stellen Sie sich diese wie einen digitalen Notar vor, der auf der Blockchain lebt und vertragliche Vereinbarungen automatisch und unveränderlich ausführt. Für Immobilien-Token bedeutet das: Wenn Mieteinnahmen generiert werden, kann der Smart Contract die Ausschüttung der Zinsen an die Token-Inhaber ohne menschliches Zutun und ohne die Verzögerung durch eine Bank abwickeln. Diese Effizienz senkt die Verwaltungskosten und erhöht die Transparenz, da jede Transaktion auf der Blockchain nachvollziehbar ist. Der deutsche Marktführer Exporo hat diesen Wandel maßgeblich vorangetrieben und bereits ein Volumen von 45 Millionen Euro über 15.000 Blockchain-Deals abgewickelt, was die Marktreife der Technologie unterstreicht.
Ein wegweisendes Beispiel ist das erste vollregulierte Security Token Offering in Europa: das Ärztehaus in Hamburg-Poppenbüttel. Hier wurde erstmals ein von der luxemburgischen CSSF gebilligter und von der deutschen BaFin notifizierter Wertpapierprospekt für eine tokenbasierte Anleihe erstellt. Der digitale Anteilsschein wird auf der sicheren Ethereum-Blockchain verwahrt. Simon Brunke, CEO von Exporo, fasste die Vision dahinter zusammen:
Die tokenisierte Anleihe erlaubt uns, unseren Prozess transparenter, schneller und schlanker zu gestalten, um Bestandsimmobilien noch näher an die Anleger zu bringen.
– Simon Brunke, CEO Exporo, im Interview mit Börsen-Zeitung
Diese Automatisierung ist jedoch kein Garant für Rendite. Der Smart Contract führt nur aus, was ihm an Mitteln zufließt. Bleiben die Mieteinnahmen aus, kann auch der cleverste Vertrag kein Geld auszahlen. Die Technologie sichert den Prozess, nicht den wirtschaftlichen Erfolg des zugrundeliegenden Objekts.
Yield Farming: Warum sind 20 % Zinsen im Krypto-Bereich hochriskant?
Die Blockchain-Welt lockt oft mit schwindelerregenden Renditeversprechen. Im Bereich der Dezentralen Finanzen (DeFi) sind Praktiken wie das „Yield Farming“, bei dem durch die Bereitstellung von Liquidität Zinsen von 20 % und mehr erzielt werden können, keine Seltenheit. Für technologieaffine Investoren ist es jedoch entscheidend, den fundamentalen Unterschied zu den Erträgen aus tokenisierten Immobilien zu verstehen. Während Immobilien-Token ihre Rendite aus realen, kalkulierbaren Quellen wie Mieteinnahmen oder dem Wertzuwachs eines physischen Gebäudes schöpfen, basieren die hohen Zinsen beim Yield Farming oft auf spekulativen Mechanismen, Emissionsprämien neuer Token und einem hochvolatilen Marktumfeld.

Die Metapher ist klar: Auf der einen Seite steht ein solides, ertragsstabiles Gebäude, auf der anderen ein dynamischer, aber unberechenbarer digitaler Raum. Die Risiken sind ebenso unterschiedlich. Bei Immobilien-Token bestehen sie primär im Projekt- oder Marktrisiko – etwa Leerstand oder fallende Immobilienpreise. Beim Yield Farming lauern technische Gefahren wie Hacks von Smart Contracts oder der sogenannte „Impermanent Loss“, ein spezifisches Verlustrisiko bei der Bereitstellung von Liquidität. Zudem agieren viele DeFi-Projekte in einer regulatorischen Grauzone, während seriöse Immobilien-Token in Deutschland der Aufsicht durch die BaFin unterliegen.
Die folgende Tabelle verdeutlicht die zentralen Unterschiede zwischen den beiden Anlageformen und zeigt, warum eine Rendite von 5 % aus einer Immobilie eine völlig andere Qualität hat als 20 % aus einem DeFi-Protokoll.
| Kriterium | Immobilien-Token | Yield Farming |
|---|---|---|
| Rendite p.a. | 3-7% | 20%+ |
| Ertragsquelle | Reale Mieteinnahmen | Spekulative Liquiditätsprämien |
| Hauptrisiko | Projekt-/Marktrisiko | Smart Contract Hacks/Impermanent Loss |
| Regulierung | BaFin-reguliert | Weitgehend unreguliert |
Wie macht die neue EU-Verordnung Krypto-Investments für Banken salonfähig?
Lange Zeit betrachtete die traditionelle Finanzwelt den Krypto-Sektor mit einer Mischung aus Neugier und Misstrauen. Das Fehlen eines klaren rechtlichen Rahmens war die größte Hürde für institutionelle Investoren wie Banken, Versicherungen und Fonds. Dieser Zustand ändert sich gerade fundamental durch die EU-Verordnung über Märkte für Kryptowerte, besser bekannt als MiCA (Markets in Crypto-Assets). MiCA schafft erstmals einen harmonisierten Regulierungsrahmen für Krypto-Assets in der gesamten Europäischen Union. Für Emittenten von Token und Krypto-Dienstleister gelten nun klare Regeln bezüglich Transparenz, Zulassung und Aufsicht. Dies schafft Rechtssicherheit und professionalisiert den gesamten Markt.
Diese Entwicklung ist der entscheidende Katalysator, um tokenisierte Vermögenswerte, einschließlich Immobilien, für den Massenmarkt und vor allem für institutionelle Akteure attraktiv zu machen. Banken und Vermögensverwalter, die bisher aus Compliance- und Reputationsgründen zögerten, erhalten nun einen verlässlichen Rahmen, um ihren Kunden Krypto-Anlageprodukte anzubieten. Experten sehen darin einen Wendepunkt. So prognostizieren Studien von Deloitte und PwC ein Marktvolumen für tokenisierte Vermögenswerte von mehreren Billionen US-Dollar weltweit bis 2030. Michael Benz von der Qcoon-Gruppe betont die Nachhaltigkeit dieses Wandels:
Tokenisierung wird nicht als kurzfristiger Hype gesehen, vielmehr als Teil einer langfristigen Transformation des Kapitalmarkts.
– Michael Benz, Qcoon-Gruppe
Für Anleger bedeutet dies eine zunehmende Auswahl an regulierten und geprüften Produkten. Die Zeiten des „Wilden Westens“ im Krypto-Bereich neigen sich dem Ende zu, was die Sicherheit und Seriosität von Anlagen wie Immobilien-Token langfristig stärken wird. Die Technologie wird erwachsen und in das etablierte Finanzsystem integriert.
Warum ist die rechtliche Einordnung entscheidend für Ihren Anlegerschutz?
Dies ist der kritischste Punkt für jeden Anleger in tokenisierte Immobilien. Die Technologie ist nur die Verpackung – der Inhalt wird durch die rechtliche Hülle des Tokens bestimmt. Ein verbreiteter Irrglaube ist, dass man mit dem Kauf eines Tokens Miteigentümer der Immobilie wird, mit allen Sicherheiten, die das deutsche Grundbuch bietet. In der Realität ist dies fast nie der Fall. Stattdessen erwerben Anleger in den meisten Fällen Anteile an einem „qualifiziert nachrangigen Darlehen“ oder einer tokenisierten Schuldverschreibung. Das bedeutet: Sie sind nicht Eigentümer, sondern lediglich Gläubiger des Projektentwicklers oder der Plattform.

Der Begriff „qualifizierter Rangrücktritt“ ist hierbei der entscheidende Fallstrick. Er bedeutet, dass Ihre Forderung im Falle einer Insolvenz des Emittenten erst nach den Forderungen aller anderen Gläubiger (z. B. der finanzierenden Banken) bedient wird. In der Praxis ist die Wahrscheinlichkeit eines Totalverlusts in einem solchen Szenario extrem hoch. Ihr Investment ist also nicht durch das „Betongold“ selbst besichert, sondern hängt vollständig von der wirtschaftlichen Gesundheit des Unternehmens ab, das den Token herausgibt. Sie wetten auf den Emittenten, nicht direkt auf die Immobilie. Dieser feine, aber entscheidende Unterschied ist der Kern des Anlegerrisikos und muss vor jeder Investitionsentscheidung verstanden werden.
Die steuerliche Behandlung ist ebenfalls komplex und hängt von der genauen Ausgestaltung des Tokens ab. Gewinne können entweder der pauschalen Abgeltungsteuer von 25 % unterliegen oder – unter bestimmten Umständen – den Regeln der zehnjährigen Spekulationsfrist für physische Immobilien folgen. Eine fehlende oder unklare Regelung im Prospekt ist ein deutliches Warnsignal.
Wie erkennen Sie „Rug Pulls“ bei neuen Krypto-Projekten?
Während die Regulierung zunimmt, tummeln sich im weniger überwachten Teil des Krypto-Marktes weiterhin unseriöse Anbieter. Ein „Rug Pull“ (wörtlich: „den Teppich wegziehen“) bezeichnet einen Betrug, bei dem Entwickler Gelder von Investoren einsammeln und dann mit dem gesamten Kapital verschwinden. Auch wenn dies bei BaFin-regulierten Immobilien-Token in Deutschland unwahrscheinlich ist, sollten Anleger stets wachsam sein, insbesondere bei neuen, unregulierten Projekten oder solchen mit unrealistischen Versprechen. Ein gesundes Maß an Misstrauen ist Ihr bester Schutz.
Ein zentrales Warnsignal sind überzogene Renditeversprechen. Wie ein erfahrener Privatanleger anmerkt, sind stabile Erträge ein Qualitätsmerkmal, während utopische Zahlen auf ein unseriöses Geschäftsmodell hindeuten:
Als privater Kapitalanleger begrüße ich den Ansatz der Tokenisierung. Die Renditen von 3-7% stellen eine gute Möglichkeit dar. Aber Vorsicht: Unrealistische Mietrenditen von 10% für München sind ein deutliches Warnsignal für unseriöse Anbieter.
– Anlegerkommentar, Blockchainwelt.de
Um sich vor Betrug und schlecht strukturierten Projekten zu schützen, ist eine sorgfältige eigene Prüfung (Due Diligence) unerlässlich. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die wichtigsten Punkte bei deutschen Immobilien-Token-Angeboten zu verifizieren und die Spreu vom Weizen zu trennen.
Ihre Checkliste zur Prüfung deutscher Immobilien-Token
- Impressum und Handelsregister: Prüfen Sie den Emittenten. Existiert das Unternehmen wirklich, hat es einen Sitz in Deutschland und einen Eintrag im Handelsregister?
- BaFin-Prospekt: Suchen Sie in der Datenbank der BaFin, ob für das Angebot ein gebilligter Wertpapierprospekt (WpPG) oder ein Wertpapier-Informationsblatt (WIB) vorliegt. Ohne diese ist das Angebot meist illegal.
- Validierung des Objekts: Existiert das beworbene Bauprojekt wirklich? Überprüfen Sie die Adresse via Google Maps oder fahren Sie, wenn möglich, vor Ort vorbei.
- Unabhängige Bewertungen: Recherchieren Sie in unabhängigen Finanzforen und auf Bewertungsportalen nach Erfahrungen anderer Anleger mit dem Anbieter.
- Sekundärmarkt und Ausstieg: Prüfen Sie die Bedingungen für den Verkauf Ihrer Token. Gibt es einen funktionierenden Sekundärmarkt? Wie transparent und fair sind die Rückkaufbedingungen?
Cold Wallet vs. Börse: Wo sind Ihre Coins sicher vor Insolvenz?
Nach dem Kauf eines Immobilien-Tokens stellt sich die nächste entscheidende Frage: Wo bewahren Sie Ihren digitalen Vermögenswert sicher auf? Grundsätzlich gibt es zwei Optionen: die Verwahrung direkt bei der Handelsplattform (vergleichbar mit einer Börse) oder die Übertragung auf eine persönliche, externe Wallet (eine „Cold Wallet“). Jede Option birgt unterschiedliche Risiken, insbesondere im Hinblick auf eine mögliche Insolvenz des Anbieters. Wenn Sie Ihre Token auf der Plattform belassen, gehen Sie ein sogenanntes Kontrahentenrisiko ein. Geht die Plattform pleite, könnten Ihre Token Teil der Insolvenzmasse werden, und eine Rückforderung kann kompliziert oder unmöglich sein. Dies ist das gleiche Risiko, das Krypto-Anleger bei Börseninsolvenzen wie FTX schmerzlich erfahren mussten.
Die sicherere, aber technisch anspruchsvollere Methode ist die Verwahrung in einer eigenen Cold Wallet (z.B. ein Hardware-Wallet von Ledger oder Trezor). Hierbei halten Sie die privaten Schlüssel – das Passwort zu Ihren Coins – selbst. Sie sind damit Ihre eigene Bank. Dies schützt Sie vollständig vor einer Insolvenz der Plattform, überträgt Ihnen aber auch die volle Verantwortung für die Sicherheit. Verlieren Sie die Wallet oder Ihren Zugangscode, sind die Token unwiederbringlich verloren. Die Fallstudie von Finexity, einer deutschen Plattform für tokenisierte Vermögenswerte, verdeutlicht das Plattformrisiko: Anleger können ab 500 Euro Anteile erwerben, und Ausschüttungen werden automatisiert gezahlt. Jedoch hängt die Rückzahlung des Kapitals am Ende der Laufzeit direkt vom wirtschaftlichen Erfolg und der Solvenz des Plattformbetreibers ab.
Ein weiterer Aspekt ist die Handelbarkeit. Einige Plattformen wie Exporo betreiben einen eigenen Zweitmarkt, auf dem Token gehandelt werden können. Ein gewisses Handelsvolumen, wie die über 600.000 Euro auf Exporos Zweitmarkt, beweist zwar, dass Liquidität prinzipiell vorhanden ist, diese ist aber nicht mit der von großen Aktienbörsen vergleichbar. Ein Verkauf kann also dauern und ist nicht immer zum Wunschpreis möglich.
Welche Branchen haben aufgrund neuer Technologien gar keine Gewinnerwartung mehr?
Diese Frage mag provokant klingen, doch sie zielt auf den Kern der disruptiven Kraft von Technologien wie der Blockchain. Es geht weniger darum, dass ganze Branchen verschwinden, sondern darum, dass traditionelle Intermediäre und „Gatekeeper“ ihre profitable Vormachtstellung verlieren. Die Immobilien- und Finanzbranche ist ein Paradebeispiel. Über Jahrzehnte wurden hohe Eintrittsbarrieren aufgebaut: hohe Mindestinvestmentsummen, komplexe Transaktionsprozesse mit Notaren und Banken sowie eine geringe Transparenz, die es etablierten Akteuren erlaubte, hohe Gebühren zu verlangen. Die Blockchain-Technologie reißt diese Mauern ein. Wie die Exporo AG es formuliert, ist ein fundamentaler Wandel im Gange:
Die Blockchain-Technologie reißt in atemberaubendem Tempo Eintrittsschranken nieder, die innerhalb der alten Finanzwelt über Jahrzehnte aufgebaut wurden.
– Exporo AG, Paradigmenwechsel im Segment Immobilien
Die Tokenisierung demokratisiert den Zugang zu Anlageklassen, die bisher einer kleinen, vermögenden Elite vorbehalten waren. Anstatt mehrere Hunderttausend Euro für eine Immobilie aufbringen zu müssen, ermöglicht Exporo bei einigen Projekten bereits Investitionen ab einem Euro. Dieser Paradigmenwechsel betrifft nicht nur Immobilien. Auch Kunst, Oldtimer, Unternehmensanteile oder Infrastrukturprojekte können tokenisiert und in kleine, handelbare Anteile zerlegt werden. Die Branchen, die am stärksten von dieser Disruption betroffen sind, sind jene, deren Geschäftsmodell auf der Kontrolle des Zugangs und der Abwicklung von Transaktionen beruht. Dazu gehören Teile des Bankwesens, der Fondsindustrie und der Notariate. Ihre Gewinnerwartungen basierten auf Ineffizienz und Exklusivität – beides wird durch die Blockchain radikal in Frage gestellt.
Für Anleger bedeutet dies mehr Auswahl, niedrigere Kosten und eine direktere Beteiligung an realen Werten. Die Technologie schafft einen direkteren Kanal zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern und macht viele kostspielige Zwischenhändler überflüssig. Dies ist die langfristige, visionäre Chance, die hinter dem Hype um die Tokenisierung steckt.
Das Wichtigste in Kürze
- Immobilien-Token bieten eine innovative Möglichkeit, mit kleinen Beträgen in Immobilien zu investieren, die Renditen sind aber mit 3-7 % realistisch und nicht mit DeFi-Zinsen vergleichbar.
- Der entscheidende Faktor für Ihre Sicherheit ist die rechtliche Struktur: Meist sind Sie nur Gläubiger mit einem nachrangigen Darlehen, nicht grundbuchlich gesicherter Miteigentümer.
- Eine sorgfältige Prüfung (Due Diligence) des Anbieters und des BaFin-Prospekts ist unerlässlich, um Totalverluste durch Insolvenz oder Betrug zu vermeiden.
Bitcoin im Depot: Sollten Sie 1 %, 5 % oder 10 % Ihres Vermögens beimischen?
Nachdem wir die Chancen und Risiken von Immobilien-Token beleuchtet haben, stellt sich die übergeordnete Frage: Welchen Platz kann eine solche Anlage in einem diversifizierten Portfolio einnehmen? Die Diskussion um die richtige Allokation von Krypto-Assets wie Bitcoin wird oft hitzig geführt. Einige Experten empfehlen eine vorsichtige Beimischung von 1-2 %, um vom Potenzial zu profitieren, während Hardliner Anteile von 10 % oder mehr für gerechtfertigt halten. Für Immobilien-Token, die als eine Art Brücke zwischen der Krypto-Welt und der realen Wirtschaft fungieren, ist eine differenziertere Betrachtung nötig. Sie sind weniger volatil als Bitcoin, aber riskanter als eine direkt gehaltene und im Grundbuch eingetragene Immobilie. Ihre Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien oder Anleihen ist noch nicht abschließend erforscht.

Eine Beimischung von 1-5 % des Gesamtvermögens kann für risikobewusste und technologieaffine Anleger eine sinnvolle Diversifikationsstrategie sein. Dieser Anteil ist klein genug, um im Falle eines Totalverlusts einzelner Projekte keine existenziellen Schäden im Portfolio zu verursachen, aber groß genug, um von der positiven Entwicklung des Gesamtmarktes zu profitieren. Wichtig ist dabei, nicht alles auf eine Karte zu setzen, sondern das Investment über mehrere Plattformen, Projekte und Standorte zu streuen. Man investiert hier nicht nur in eine Immobilie, sondern auch in die Zukunft einer neuen Technologie. Es ist eine Wette auf die fortschreitende Digitalisierung des Kapitalmarktes, der allein in Deutschland ein immenses Volumen hat. So prognostiziert JLL für den deutschen Immobilienmarkt 2024 ein Transaktionsvolumen von rund 35 Milliarden Euro.
Letztendlich hängt die optimale Allokation von Ihrer persönlichen Risikotragfähigkeit, Ihrem Anlagehorizont und Ihrer Überzeugung in die Technologie ab. Beginnen Sie mit kleinen Beträgen, sammeln Sie Erfahrungen und erhöhen Sie Ihren Anteil nur, wenn Sie die Mechanismen und Risiken vollständig verstanden haben.
Um diese Strategien erfolgreich umzusetzen, beginnen Sie noch heute damit, die hier vorgestellte Due-Diligence-Checkliste auf potenzielle Investment-Angebote anzuwenden und so fundierte Entscheidungen für Ihr Portfolio zu treffen.
Häufige Fragen zur Tokenisierung von Immobilien
Werde ich durch Token-Kauf Eigentümer der Immobilie?
Nein, in 99% der Fälle werden Sie nicht grundbuchlich gesicherter Eigentümer, sondern lediglich Gläubiger des Emittenten mit wirtschaftlichen Rechten an den Erträgen. Sie leihen dem Unternehmen Geld und erhalten dafür eine Verzinsung.
Was bedeutet ‚qualifiziert nachrangiges Darlehen‘?
Dies ist ein entscheidender rechtlicher Punkt. Im Insolvenzfall des Emittenten werden Sie erst nach allen anderen Gläubigern (z.B. finanzierenden Banken) bedient. Das bedeutet, dass ein Totalverlust Ihres investierten Kapitals wahrscheinlich ist.
Wie werden Gewinne aus Token-Verkäufen besteuert?
Die steuerliche Behandlung ist komplex und nicht immer einheitlich. Je nach Ausgestaltung des Tokens kann die Abgeltungsteuer (25 % plus Soli und ggf. Kirchensteuer) anfallen. Unter Umständen kann aber auch die zehnjährige Spekulationsfrist wie bei physischen Immobilien gelten. Eine Klärung mit einem Steuerberater ist ratsam.