Veröffentlicht am März 12, 2024

Der Kauf einer Immobilie zur Vermietung ist heute weniger eine emotionale Entscheidung für „Betongold“ und mehr eine nüchterne, mathematische Übung.

  • Die Anfangsrendite wird durch Kaufnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar) fast vollständig aufgezehrt, was durch steuerliche Abzüge über die Jahre kompensiert werden muss.
  • Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt ein kalkulierbares finanzielles Risiko dar, das durch sorgfältige Analyse der WEG-Protokolle und Preisverhandlungen gemindert werden muss.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf eine positive Cashflow-Rendite von Anfang an, indem Sie alle Kosten – insbesondere nicht umlagefähige Posten und Sanierungsrücklagen – ehrlich berechnen, anstatt auf spekulative Wertsteigerungen zu hoffen.

Die Zinswende und das neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) haben den deutschen Immobilienmarkt fundamental verändert. Für Kapitalanleger, die mit dem Gedanken spielen, eine Eigentumswohnung zur Vermietung zu erwerben, ist die alte Gewissheit des „Betongolds“ einer tiefen Unsicherheit gewichen. Viele fragen sich: Ist der Traum vom passiven Einkommen durch Mieteinnahmen ausgeträumt? Die pauschale Antwort, dass sich Immobilien immer lohnen oder dass die Lage alles entscheidet, greift heute zu kurz. Die gestiegenen Finanzierungskosten und die drohenden, teuren Sanierungspflichten durch das GEG haben die Spielregeln neu geschrieben.

Die Wahrheit ist: Ein erfolgreiches Immobilieninvestment ist heute weniger eine Frage des Bauchgefühls als vielmehr des spitzen Bleistifts. Es geht nicht mehr nur darum, eine Wohnung in einer guten Gegend zu finden. Es geht darum, die „unsichtbaren“ Kosten und Risiken präzise zu kalkulieren, die über Gewinn oder Verlust entscheiden. Die Kaufnebenkosten, die Beschlüsse der Eigentümergemeinschaft und die exakte Berechnung der Nettomietrendite sind zu den entscheidenden Variablen geworden. Wer diese Faktoren ignoriert, riskiert, dass sein Investment zum finanziellen Desaster wird. Wer sie jedoch meistert, kann auch im aktuellen Marktumfeld noch profitabel investieren.

Dieser Leitfaden liefert Ihnen das notwendige kalkulatorische Rüstzeug. Wir analysieren Schritt für Schritt die kritischen Faktoren, die Sie vor dem Kauf einer Eigentumswohnung zur Vermietung bewerten müssen. Von der Standortanalyse unter Cashflow-Gesichtspunkten über die korrekte Einpreisung von GEG-Maßnahmen bis hin zur ehrlichen Renditeberechnung – hier erfahren Sie, wie Sie eine fundierte, datengestützte Entscheidung treffen.

Dieser Artikel führt Sie durch die entscheidenden Kalkulationsschritte und strategischen Überlegungen, um im heutigen Marktumfeld eine profitable Investitionsentscheidung zu treffen. Das folgende Inhaltsverzeichnis gibt Ihnen einen Überblick über die Kernthemen, die wir detailliert beleuchten werden.

A-Lage vs. C-Lage: Wo finden Sie heute noch positive Cashflow-Objekte?

Das Mantra „Lage, Lage, Lage“ dominiert seit jeher die Immobilienwelt. Doch in der Ära hoher Zinsen muss dieses Prinzip neu interpretiert werden. Für einen Kapitalanleger zählt nicht die Prestigeträchtigkeit einer A-Lage, sondern einzig und allein der positive Cashflow von Tag eins an. Eine teure Wohnung in München oder Hamburg mag langfristig an Wert gewinnen, doch wenn die monatlichen Kosten die Mieteinnahmen übersteigen, subventionieren Sie Ihren Mieter – ein für einen Investor unhaltbarer Zustand. Die Fokussierung muss sich daher von reinen Wertsteigerungshoffnungen auf die sofortige Rentabilität verlagern.

Der Blick sollte sich gezielt auf B- und C-Lagen richten, in denen das Verhältnis von Kaufpreis zu erzielbarer Miete noch stimmt. Dies sind oft aufstrebende Städte oder Speckgürtel von Metropolen mit guter Infrastruktur und positiver demografischer Entwicklung. Ein perfektes Beispiel ist Leipzig: Laut einer aktuellen Prognose des Postbank Wohnatlas 2025 gehört die Stadt zu den Spitzenreitern bei der erwarteten Wertentwicklung von Wohnimmobilien, bietet aber im Vergleich zu A-Städten noch moderate Kaufpreise. Der Schlüssel liegt in der detaillierten Standortanalyse: Wie ist die Verkehrsanbindung? Gibt es Arbeitsplätze, Schulen und Einkaufsmöglichkeiten? Wie hoch ist der Mietspiegel und wie hoch ist die Leerstandsquote?

Ein Objekt in einer C-Lage mit einem Kaufpreisfaktor von 20 (20 Jahresnettokaltmieten) ist einem Objekt in einer A-Lage mit einem Faktor von 35 fast immer vorzuziehen. Die mathematische Realität des Cashflows hat die emotionale Anziehungskraft der Top-Adresse abgelöst. Der kluge Investor sucht nicht die beste Adresse, sondern die beste Excel-Tabelle.

Letztendlich ist die Frage nicht „A- oder C-Lage?“, sondern „Wo generiert mein investiertes Kapital vom ersten Monat an einen Überschuss?“. Diese Verschiebung der Perspektive ist der erste und wichtigste Schritt zu einem erfolgreichen Investment in der neuen Marktlage.

Wie kalkulieren Sie die Kosten für die Wärmepumpe vor dem Kauf ein?

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) hat eine neue, wesentliche Variable in die Kaufentscheidung für Eigentumswohnungen eingeführt: das GEG-Risiko. Insbesondere die Pflicht zur Umrüstung auf erneuerbare Heizsysteme wie die Wärmepumpe kann zu erheblichen, unvorhergesehenen Kosten führen, die eine anfangs gute Rendite schnell zunichtemachen. Als kalkulierender Investor dürfen Sie diese Kosten nicht als vage zukünftige Möglichkeit betrachten, sondern müssen sie als konkreten, absehbaren Kostenblock in Ihre Kaufpreiskalkulation und Verhandlungsstrategie einbeziehen.

Der erste Schritt ist die Analyse des Status quo: Welches Heizsystem ist aktuell verbaut? Wie alt ist es? Wann wäre ein Austausch gesetzlich vorgeschrieben? Diese Informationen finden Sie im Energieausweis und in den Protokollen der Eigentümerversammlung. Der entscheidende zweite Schritt ist die Quantifizierung der potenziellen Kosten. Die Installation einer Wärmepumpe in einem Mehrfamilienhaus ist komplex und teuer.

Wärmepumpe Installation an einem Mehrfamilienhaus mit Fördermitteln Visualisierung

Als Praxisbeispiel: Bei einer Eigentumswohnung für 300.000 € müssen Sie möglicherweise anteilige Sanierungskosten von 30.000 € für eine GEG-konforme Zentralheizung einkalkulieren. Auch wenn staatliche Förderungen wie die der BAFA einen Teil abfedern – im Beispiel vielleicht 15.000 € – bleibt eine erhebliche Summe, die Ihre Gesamtinvestition auf 315.000 € erhöht. Diese Summe muss von Anfang an in Ihrer Finanzierung und Renditeberechnung berücksichtigt werden. Diese potenziellen Kosten sind ein starkes Argument in der Kaufpreisverhandlung. Legen Sie dem Verkäufer eine realistische Kostenschätzung vor und argumentieren Sie, dass dieser absehbare Aufwand den Wert der Immobilie heute mindert.

Ignorieren Sie das GEG-Risiko nicht in der Hoffnung, es werde schon gut gehen. Machen Sie es zu einem zentralen Punkt Ihrer Due Diligence und nutzen Sie es als Hebel, um einen Kaufpreis zu erzielen, der Ihre zukünftige Rendite sichert.

Warum vernichten Grunderwerbsteuer und Notar die Rendite der ersten 5 Jahre?

Beim Kauf einer Immobilie zur Kapitalanlage liegt der Fokus oft auf der langfristigen Wertentwicklung und den Mieteinnahmen. Doch bevor auch nur der erste Euro Miete auf Ihrem Konto eingeht, schlagen die sogenannten Kaufnebenkosten mit voller Wucht zu. Diese Kosten – hauptsächlich die Grunderwerbsteuer (je nach Bundesland zwischen 3,5 % und 6,5 %), Notar- und Grundbuchgebühren (ca. 2 %) sowie eventuelle Maklercourtagen (ca. 3,57 %) – summieren sich schnell auf 10-15 % des Kaufpreises. Bei einer Wohnung für 300.000 € bedeutet das einen sofortigen, nicht finanzierbaren Aufwand von 30.000 bis 45.000 €.

Diese Summe ist totes Kapital. Sie erwirtschaftet keine Miete und erfährt keine Wertsteigerung. Effektiv starten Sie Ihr Investment mit einem negativen Ergebnis in Höhe der Nebenkosten. Es dauert in der Regel mehrere Jahre, bis die erwirtschafteten Netto-Mietüberschüsse und die Tilgung des Darlehens diesen anfänglichen Verlust ausgleichen. Aus diesem Grund agieren die Kaufnebenkosten als massive Rendite-Vernichter der ersten Jahre. Wer seine Immobilie innerhalb der ersten 5-7 Jahre wieder verkaufen muss, realisiert fast immer einen Verlust, selbst wenn der reine Immobilienwert leicht gestiegen ist.

Die positive Nachricht für Kapitalanleger ist jedoch die steuerliche Behandlung. Während der Selbstnutzer diese Kosten als reinen Verlust verbuchen muss, können Sie als Vermieter viele Posten steuerlich geltend machen. Die Grunderwerbsteuer wird zusammen mit dem Kaufpreis über die Nutzungsdauer abgeschrieben (AfA). Besonders wirkungsvoll ist jedoch, dass laut aktueller Steuergesetzgebung für Vermietung und Verpachtung die gesamten Finanzierungszinsen als Werbungskosten von Ihren Mieteinnahmen abgezogen werden können. Dies reduziert Ihre Steuerlast erheblich und verbessert die Nach-Steuer-Rendite signifikant, was den negativen Effekt der Anfangskosten über die Laufzeit kompensiert.

Ein Immobilieninvestment ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Die Kaufnebenkosten sind die erste, hohe Hürde, die nur mit einem langen Atem und der intelligenten Nutzung steuerlicher Vorteile überwunden werden kann.

Worauf müssen Sie bei den Protokollen der Eigentümerversammlung achten?

Für einen Kapitalanleger ist die Lektüre der Protokolle der Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) der letzten drei bis fünf Jahre keine lästige Pflicht, sondern die wichtigste Phase der Due Diligence. Diese Dokumente sind der ungeschminkte Blick in die Seele der Immobilie und ihrer Gemeinschaft. Sie offenbaren verborgene Risiken, schlummernde Kosten und das soziale Klima – Faktoren, die Ihre Rendite massiv beeinflussen können. Besonders im Hinblick auf das GEG ist eine forensische Analyse dieser Papiere unerlässlich, um das wahre GEG-Risiko einzuschätzen.

Ihre Analyse sollte sich auf mehrere Schlüsselfragen konzentrieren. Erstens: das Finanzielle. Wie hoch ist die Instandhaltungsrücklage? Reicht sie aus, um zukünftige, auch GEG-bedingte Sanierungen zu decken, oder drohen hohe Sonderumlagen? Gibt es einen aktuellen Wirtschaftsplan und wurden in der Vergangenheit Budgets eingehalten? Zweitens: der technische Zustand. Gibt es wiederkehrende Probleme mit dem Dach, den Fenstern oder der Heizung? Wurden notwendige Modernisierungen aufgeschoben? Ein Sanierungsstau ist eine tickende Zeitbombe. Drittens: das soziale Gefüge. Gibt es Dauerstreitigkeiten zwischen Eigentümern? Wie ist das Abstimmungsverhalten bei größeren Ausgaben? Eine zerstrittene oder investitionsscheue Gemeinschaft kann dringend notwendige Modernisierungen blockieren.

Ein entscheidender Punkt, den viele übersehen, ist die geänderte Gesetzeslage. Wie das Hausverwalterscout Magazin in seinem „Gebäudeenergiegesetz 2026: Der ultimative Leitfaden“ betont:

Seit der WEG-Reform 2020 können energetische Sanierungsmaßnahmen mit einfacher Mehrheit beschlossen werden.

– Hausverwalterscout Magazin, Gebäudeenergiegesetz 2026: Der ultimative Leitfaden

Das bedeutet, Sie können von der Mehrheit zu einer teuren Sanierung gezwungen werden, selbst wenn Sie dagegen stimmen. Umso wichtiger ist es, die Investitionsbereitschaft der Miteigentümer vor dem Kauf genau zu analysieren. Die folgende Checkliste hilft Ihnen dabei, die WEG-Protokolle systematisch auf diese Risiken zu durchleuchten.

Ihr Plan zur GEG-Risikoanalyse von WEG-Protokollen

  1. Heizungsdebatte prüfen: Suchen Sie nach Diskussionen über die Heizungsart, deren Alter und die GEG-Konformität. Gab es bereits Angebote oder Beschlussvorlagen?
  2. Streitpunkte analysieren: Identifizieren Sie wiederkehrende Konflikte, insbesondere über Modernisierungen, Kostenverteilung oder Handwerkerleistungen.
  3. Abstimmungsverhalten bewerten: Wie reagiert die Gemeinschaft auf Anträge, die über die reine Instandhaltung hinausgehen? Werden Ausgaben für die Wertsteigerung befürwortet oder blockiert?
  4. Wirtschaftspläne kontrollieren: Vergleichen Sie die veranschlagten Kosten in den Wirtschaftsplänen mit den tatsächlichen Ausgaben in den Jahresabrechnungen. Gibt es massive Abweichungen?
  5. Eigentümerstruktur einschätzen: Versuchen Sie, die Alters- und Finanzstruktur der Eigentümer zu verstehen. Eine Gemeinschaft aus jungen, finanzstarken Eigentümern ist oft investitionsfreudiger als eine mit vielen Senioren mit geringer Rente.

Nehmen Sie sich die Zeit für diese Analyse. Ein paar Stunden Lektüre können Sie vor einem finanziellen Fehler in sechsstelliger Höhe bewahren.

Wie ermitteln Sie die legal maximal mögliche Miete in Ballungsgebieten?

Die Einnahmenseite ist die zweite entscheidende Säule Ihrer Renditekalkulation. Als Investor ist es Ihr Ziel, die Miete zu maximieren, dabei aber streng im gesetzlichen Rahmen zu bleiben. In vielen deutschen Ballungsgebieten schränken Instrumente wie die Mietpreisbremse und die Kappungsgrenze Ihr Potenzial ein. Eine falsche Einschätzung der zulässigen Miete kann nicht nur Ihre Kalkulation zunichtemachen, sondern auch zu rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Mieter führen. Die Ermittlung der legalen Maximalmiete ist daher ein kritischer Schritt vor dem Kauf.

Das zentrale Instrument hierfür ist der qualifizierte Mietspiegel der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. Bei einer Neuvermietung in einem Gebiet mit Mietpreisbremse darf die Miete die ortsübliche Vergleichsmiete laut Mietspiegel um maximal 10 % übersteigen. Ausnahmen gelten für Neubauten (erste Vermietung nach dem 1. Oktober 2014) und nach umfassenden Modernisierungen. Bei bestehenden Mietverträgen begrenzt die Kappungsgrenze Mieterhöhungen auf 15-20 % innerhalb von drei Jahren, ohne die ortsübliche Vergleichsmiete zu überschreiten.

Digitale Darstellung eines Mietspiegels mit Stadtplan im Hintergrund

Ihre Aufgabe als Investor ist es, die Wohnung anhand der Kriterien des Mietspiegels (z. B. Baujahr, Größe, Ausstattung, Lage innerhalb der Stadt) exakt einzuordnen und so die Basismiete zu ermitteln. Prüfen Sie zudem, ob es Spielraum für eine höhere Miete durch Modernisierungen oder besondere Ausstattungsmerkmale gibt. Trotz dieser Regulierungen zeigt der Markt eine klare Tendenz nach oben: Der IW-Wohnindex für Q4 2024 zeigt einen durchschnittlichen Mietanstieg von 4,7 % bundesweit, in Metropolen wie Berlin oder Frankfurt sogar über 8 %. Dies unterstreicht das Potenzial, das sich durch Mieterwechsel und zulässige Anpassungen ergibt.

Verlassen Sie sich niemals auf die vom Verkäufer angegebene „Soll-Miete“. Führen Sie Ihre eigene, sorgfältige Analyse durch. Nur so können Sie sicherstellen, dass Ihre Kalkulation auf einem soliden und rechtssicheren Fundament steht.

Gold oder Immobilien: Welcher Sachwert schlug die Inflation seit 2000 besser?

In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und hoher Inflation suchen Anleger nach stabilen Sachwerten, um ihr Vermögen zu schützen. Die beiden Klassiker, die immer wieder genannt werden, sind Gold und Immobilien – das „gelbe Metall“ gegen das „Betongold“. Beide haben den Ruf, inflationssicher zu sein, doch für einen strategisch denkenden Kapitalanleger unterscheiden sie sich fundamental in ihren Eigenschaften und ihrem Renditepotenzial. Die Entscheidung zwischen den beiden ist keine Glaubensfrage, sondern eine des Anlageziels.

Gold ist primär ein Wertaufbewahrungsmittel. Es generiert keinen laufenden Ertrag; im Gegenteil, es verursacht Lagerkosten. Sein Gewinnpotenzial liegt ausschließlich in der Preissteigerung. Immobilien hingegen sind ein produktiv genutzter Sachwert. Sie generieren durch Mieteinnahmen einen monatlichen Cashflow, der einen stetigen Ertragsstrom darstellt und direkt zur Deckung der Finanzierungskosten und zur Rendite beiträgt. Dieser fundamentale Unterschied macht Immobilien für ertragsorientierte Anleger weitaus attraktiver.

Der entscheidende Vorteil von Immobilien ist jedoch der Leverage- oder Hebeleffekt. Mit einem vergleichsweise geringen Eigenkapitaleinsatz (z. B. 50.000 €) können Sie dank eines Bankdarlehens ein Vielfaches an Kapital (z. B. eine Wohnung für 400.000 €) kontrollieren und von dessen Wertentwicklung und Mieteinnahmen profitieren. Dieser Hebel ist bei Gold nicht möglich. Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Kriterien gegenüber und verdeutlicht, warum Immobilien für den aktiven Vermögensaufbau oft die überlegene Wahl sind.

Vergleich Gold vs. Immobilien als Inflationsschutz
Kriterium Gold Immobilien
Cashflow Keine Erträge, nur Lagerkosten Mieteinnahmen monatlich
Leverage-Effekt Nicht möglich Mit 50.000€ EK → 400.000€ Objekt
Steuerfreiheit Verkauf Nach 1 Jahr Nach 10 Jahren (§23 EStG)
Inflationsschutz Historisch gut Indexmietverträge möglich

Während Gold eine passive Absicherung darstellt, ist die Immobilie ein aktives unternehmerisches Investment. Für Anleger, die nicht nur ihr Kapital erhalten, sondern es durch laufende Erträge und Fremdkapitalhebel aktiv vermehren wollen, führt am „Betongold“ kaum ein Weg vorbei.

Warum sollten Sie in Niedrigzinsphasen höher tilgen als in Hochzinsphasen?

Die strategische Gestaltung der Darlehenstilgung ist ein mächtiger, aber oft missverstandener Hebel zur Optimierung eines Immobilieninvestments. Eine weit verbreitete Annahme ist, dass man in Hochzinsphasen möglichst schnell tilgen sollte, um die teuren Zinsen loszuwerden. Aus der Perspektive eines Kapitalanlegers, dessen oberstes Ziel der positive Cashflow ist, ist jedoch genau das Gegenteil richtig. Die optimale Tilgungsstrategie ist antizyklisch und passt sich an das Zinsumfeld an.

In einer Niedrigzinsphase (z.B. 1-2 % Zinsen) ist der Zinsanteil der monatlichen Rate gering. Hier sollten Sie die Gelegenheit nutzen und eine hohe anfängliche Tilgung (z.B. 3-4 %) wählen. Jeder Euro, den Sie tilgen, reduziert die Restschuld und damit die Zinslast für die Zukunft. Sie „kaufen“ sich quasi eine schnellere Entschuldung zu günstigen Konditionen. Das Risiko einer Anschlussfinanzierung ist gering, da die Zinsen kaum noch fallen können.

In der aktuellen Hochzinsphase, mit einem durchschnittlichen Bauzins von rund 3,6% bei 10-jähriger Bindung nach Angaben von Baufi24 für 2024, kehrt sich die Logik um. Der Zinsanteil der Rate ist hoch und belastet Ihren monatlichen Cashflow. Hier ist es strategisch klug, eine niedrige anfängliche Tilgung von nur 1 % zu wählen. Dies maximiert Ihren monatlichen Überschuss und gibt Ihnen finanzielle Flexibilität. Gleichzeitig sollten Sie auf hohe Sondertilgungsrechte (5-10 % pro Jahr) bestehen. Steigen Ihre Mieteinnahmen oder Ihr Einkommen, können Sie freiwillig zusätzliche Tilgungen leisten. Diese Flexibilität ist Gold wert. Sie sichern sich einen positiven Cashflow und behalten die Option auf eine schnellere Entschuldung, ohne sich dazu zu verpflichten.

Die richtige Tilgungsstrategie ist ein Balanceakt zwischen Sicherheit und Liquidität. In Hochzinsphasen hat die Sicherung des monatlichen Cashflows durch eine niedrige Tilgung oberste Priorität. Die Geschwindigkeit der Entschuldung wird flexibel über Sondertilgungen gesteuert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fokus auf Cashflow: In der aktuellen Marktlage ist ein sofortiger, positiver Cashflow wichtiger als die spekulative Wertsteigerung in einer A-Lage.
  • GEG-Kosten sind verhandelbar: Kalkulieren Sie die Kosten für energetische Sanierungen als konkreten Betrag und nutzen Sie diesen als Argument in der Kaufpreisverhandlung.
  • Langfristige Perspektive: Die hohen Kaufnebenkosten vernichten die Rendite der ersten Jahre. Ein Immobilieninvestment rechnet sich nur bei einer Haltedauer von über 10 Jahren, auch dank steuerlicher Vorteile.

Wie berechnen Sie die Nettomietrendite so ehrlich, dass keine Kosten fehlen?

Die Bruttomietrendite, berechnet als Jahreskaltmiete geteilt durch den Kaufpreis, ist eine populäre, aber gefährlich unvollständige Kennzahl. Sie ist das Lockmittel in vielen Exposés, hat aber mit der Realität eines Investors wenig zu tun. Die einzige Zahl, die für Sie zählt, ist die ehrliche Nettomietrendite nach Abzug aller Kosten, Rücklagen und vor Steuern. Nur sie zeigt, ob am Ende des Monats wirklich Geld auf Ihrem Konto verbleibt. Die Kunst besteht darin, bei der Kalkulation keinen einzigen Kostenpunkt zu übersehen.

Zu den offensichtlichen Kosten gehören die Zins- und Tilgungszahlungen an die Bank. Doch die wahren Cashflow-Fresser lauern im Verborgenen. Dazu zählen vor allem die nicht umlagefähigen Teile des Hausgeldes (z.B. Verwaltungskosten, Bankgebühren der WEG), die Sie als Eigentümer tragen müssen. Des Weiteren müssen Sie zwingend eigene Rücklagen bilden: zum einen für die WEG (anteilige Instandhaltungsrücklage) und zum anderen eine private Rücklage für Ihre Sondereigentum (z.B. neue Böden, Malerarbeiten in Ihrer Wohnung). Viele Investoren vergessen auch die Kosten für die Mietverwaltung, falls sie diese nicht selbst übernehmen, sowie die Steuerberaterkosten für die Anlage V.

Ein neuer, entscheidender Posten ist die GEG-Rücklage. Kluge Investoren legen monatlich zusätzlich 1-2 € pro Quadratmeter für zukünftige energetische Sanierungen zurück, um nicht von einer Sonderumlage überrascht zu werden. Erst wenn all diese Posten von der Kaltmiete abgezogen sind, erhalten Sie den wahren Netto-Cashflow. Ein reales Beispiel aus Leipzig illustriert dies: Ein Investor erreichte nach Abzug aller Kosten, inklusive Renovierungen und Leerstand, einen positiven Netto-Cashflow. Entscheidend ist hierbei die Nach-Steuer-Betrachtung: Die steuerliche Abschreibung (AfA) mindert den Cashflow nicht, senkt aber die Steuerlast und erhöht so die Endrendite erheblich.

Die Anwendung dieser vollständigen Kostenrechnung ist der letzte und wichtigste Schritt Ihrer Investitionsanalyse. Diese ehrliche Berechnung schützt Sie vor Fehlinvestitionen und schafft eine verlässliche Entscheidungsgrundlage.

Führen Sie diese detaillierte Kalkulation für jedes potenzielle Objekt durch. Nur eine positive Zahl am Ende dieser Rechnung rechtfertigt eine Investition. Alles andere ist eine Wette, die Sie als kalkulierender Investor nicht eingehen sollten. Analysieren Sie jetzt Ihr nächstes potenzielles Investment mit dieser unbestechlichen Methode.

Geschrieben von Markus Weber, Immobilieninvestor und Projektentwickler mit einem eigenen Bestand von über 40 Einheiten in Norddeutschland. Experte für Buy-and-Hold, Sanierung nach GEG und die Optimierung von Mietrenditen.