
Entgegen der gängigen Annahme ist der teure Fonds, den Ihr Bankberater empfiehlt, fast nie die beste Wahl für Ihr Geld, da strukturelle Nachteile und hohe Kosten die Rendite systematisch schmälern.
- Hohe, oft versteckte Gebühren wie Transaktionskosten fressen einen erheblichen Teil Ihrer potenziellen Gewinne auf.
- Die überwältigende Mehrheit der Fondsmanager (über 90%) schafft es aufgrund von Marktmechanismen und der Größe ihrer Fonds nicht, den Markt langfristig zu schlagen.
Empfehlung: Prüfen Sie die Kostenstruktur Ihrer Fonds kritisch und vergleichen Sie diese mit günstigen, marktbreiten ETFs. Der Verzicht auf aktives Management kann Ihnen über die Jahre zehntausende Euro an Gebühren ersparen.
Wenn Sie Kunde bei einer Sparkasse oder Volksbank sind, kennen Sie das Szenario wahrscheinlich: Im jährlichen Beratungsgespräch wird Ihnen ein Aktienfonds von Deka oder Union Investment als ideale Lösung für Ihren Vermögensaufbau empfohlen. Die Argumente klingen plausibel: Ein erfahrener Fondsmanager kümmert sich aktiv um Ihr Geld, wählt die besten Aktien aus und navigiert durch unruhige Marktphasen. Man vertraut seinem Berater, schließlich pflegt man oft eine jahrelange Beziehung. Doch ist dieses Vertrauen im Bereich der Geldanlage wirklich gerechtfertigt?
Die übliche Diskussion dreht sich oft nur um die offensichtlichen Verwaltungskosten. Doch die Wahrheit ist komplexer und liegt in den strukturellen Mechanismen des Fondsgeschäfts verborgen. Die entscheidenden Fragen werden im Beratungsgespräch selten gestellt: Warum schaffen es trotz aller Expertise fast keine Manager, den Markt zu schlagen? Welche Kosten lauern unter der Oberfläche der ausgewiesenen Gesamtkostenquote (TER)? Und warum scheinen die neuesten Trend-Fonds immer genau dann auf den Markt zu kommen, wenn der größte Hype bereits vorbei ist?
Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Debatte. Statt pauschal zu urteilen, nehmen wir die Perspektive eines unabhängigen Honorarberaters ein und blicken hinter die Kulissen. Wir werden nicht nur aufzeigen, *dass* aktive Fonds oft die schlechtere Wahl sind, sondern präzise analysieren, *warum* das so ist. Der Schlüssel liegt nicht darin, Ihrem Berater zu misstrauen, sondern darin, die richtigen, kritischen Fragen stellen zu können. Dieser Artikel gibt Ihnen das Wissen an die Hand, um die Empfehlungen Ihrer Bank fundiert zu hinterfragen und eine Entscheidung zu treffen, die wirklich in Ihrem besten Interesse ist.
Für alle, die einen schnellen Überblick im Videoformat bevorzugen, bietet das folgende Video eine gute Zusammenfassung der ETF-Grundlagen und zeigt auf, worauf es bei der Auswahl ankommt, wenn man sich für den passiven Weg entscheidet.
Um die komplexen Zusammenhänge zwischen Kosten, Rendite und den strukturellen Nachteilen aktiver Fonds zu verstehen, haben wir diesen Artikel in klare Themenbereiche gegliedert. Die folgende Übersicht führt Sie durch die zentralen Fragen, die Sie sich als Anleger stellen sollten.
Inhaltsverzeichnis: Die kritische Analyse teurer Aktienfonds
- Wie verhandeln Sie den Ausgabeaufschlag von 5 % bei Ihrer Bank auf 0 %?
- Gibt es Star-Fondsmanager, die ihren Benchmark über 10 Jahre konstant schlagen?
- Welche versteckten Kosten tauchen in der TER Ihres Fonds gar nicht auf?
- Warum kommen Trend-Fonds (z.B. Wasserstoff) meistens erst auf den Markt, wenn der Hype vorbei ist?
- Wie funktioniert die Vorabpauschale bei Investmentfonds seit der Reform 2018?
- Wie sparen Sie durch den Verzicht auf Fondsmanager bis zu 30.000 € Gebühren über 20 Jahre?
- Gibt es Nischen im Anleihenmarkt, wo der Fondsmanager den Index schlägt?
- Warum schlagen 90 % der aktiven Fondsmanager den Markt langfristig nicht?
Wie verhandeln Sie den Ausgabeaufschlag von 5 % bei Ihrer Bank auf 0 %?
Der Ausgabeaufschlag ist eine der ersten und offensichtlichsten Hürden beim Kauf von aktiven Fonds über eine Filialbank. Diese einmalige Gebühr von bis zu 5 % fließt direkt als Provision an die Bank und schmälert Ihr investiertes Kapital vom ersten Tag an. Bei einer Anlagesumme von 20.000 € bedeutet das, dass 1.000 € gar nicht erst für Sie zu arbeiten beginnen. Viele Kunden akzeptieren dies als unabänderlich. Doch die Realität sieht anders aus: Der Ausgabeaufschlag ist reine Verhandlungssache.
Der Schlüssel zur erfolgreichen Verhandlung liegt in der Vorbereitung und dem Wissen um Alternativen. Außerhalb der traditionellen Bankenwelt ist ein 100%iger Rabatt auf den Ausgabeaufschlag längst zum Standard geworden. Spezialisierte Fondsvermittler und Online-Broker bieten tausende Fonds ohne diese Einstiegsgebühr an. Die Stiftung Warentest bestätigt, dass ein Depotwechsel zu Anbietern wie AVL oder Fonds-Super-Markt standardmäßig 100% Rabatt gewährt. Mit diesem Wissen bewaffnet, ändert sich Ihre Verhandlungsposition fundamental: Sie sind kein Bittsteller mehr, sondern ein informierter Kunde, der den marktüblichen Standard einfordert.
Ihr Aktionsplan zur Verhandlung des Ausgabeaufschlags
- Informieren Sie sich über Online-Broker und Fondsvermittler, die standardmäßig 100 % Rabatt auf Ausgabeaufschläge bieten (z. B. Scalable Capital, Trade Republic, AVL).
- Sammeln Sie konkrete Beweise: Machen Sie Screenshots von Angeboten, die denselben Fonds ohne Ausgabeaufschlag zeigen.
- Vereinbaren Sie einen Termin mit Ihrem Berater und signalisieren Sie bereits am Telefon, dass es um die Konditionen Ihres Depots und eine mögliche Alternative geht.
- Nutzen Sie psychologische Hebel im Gespräch: Betonen Sie Ihre langjährige Kundentreue und stellen Sie diese den hohen Provisionsmargen gegenüber, die die Bank einstreicht.
- Seien Sie zum Äußersten bereit: Drohen Sie konkret mit einem vollständigen Depotwechsel und untermauern Sie dies, indem Sie vorbereitete Depoteröffnungsunterlagen eines Konkurrenten vorzeigen.
Ihr Bankberater steht unter erheblichem Druck, Sie als Kunden zu halten. Konfrontiert mit einem konkreten, besseren Angebot und der realen Gefahr, Ihr gesamtes Depot zu verlieren, wird die Bereitschaft, auf die Provision zu verzichten, dramatisch steigen. Ein Verzicht auf den Ausgabeaufschlag ist keine seltene Gunst, sondern eine logische Konsequenz, wenn der Kunde seine Marktmacht ausspielt.
Gibt es Star-Fondsmanager, die ihren Benchmark über 10 Jahre konstant schlagen?
Die vielleicht verlockendste Geschichte der Finanzbranche ist die des genialen „Star-Fondsmanagers“ – einem Börsen-Guru, der mit einzigartiger Weitsicht und genialen Schachzügen den Markt konstant übertrifft. Bankberater nutzen diese Erzählung gerne, um die hohen Gebühren ihrer Fonds zu rechtfertigen. Doch ein objektiver Blick auf die Daten zeichnet ein ernüchterndes Bild: Der Star-Manager ist meist nur ein Mythos, ein Produkt des Zufalls und cleveren Marketings.
Langfristige Studien belegen dies eindrücklich. So zeigen Auswertungen immer wieder, dass weniger als 10% der aktiven Fonds es schaffen, ihren jeweiligen Vergleichsindex über einen Zeitraum von 10 Jahren oder mehr zu schlagen. Die große Mehrheit scheitert. Das liegt nicht daran, dass die Manager inkompetent wären, sondern an zwei statistischen Phänomenen: der Regression zur Mitte und dem Survivorship Bias. Ein Manager, der ein oder zwei Jahre durch Glück oder eine passende Marktphase eine Überrendite erzielt, wird statistisch gesehen in den Folgejahren eher wieder durchschnittliche oder unterdurchschnittliche Ergebnisse liefern.

Wie die Visualisierung andeutet, neigen extreme Ergebnisse dazu, sich im Zeitverlauf dem Durchschnitt anzunähern. Zudem werden Fonds, die schlecht laufen, oft geschlossen oder mit anderen fusioniert. Übrig bleiben die zufälligen Gewinner der Vergangenheit, die dann als „Beweis“ für erfolgreiches Management präsentiert werden. Die Suche nach dem einen Manager, der die Ausnahme von der Regel ist, gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen – eine Wette, die Anleger mit hohen Gebühren und einer hohen Wahrscheinlichkeit auf Minderrendite bezahlen.
Welche versteckten Kosten tauchen in der TER Ihres Fonds gar nicht auf?
Die Gesamtkostenquote, bekannt als Total Expense Ratio (TER), wird oft als der ultimative Maßstab für die Kosten eines Fonds präsentiert. Ihr Bankberater wird vielleicht einen Fonds mit einer TER von 1,8 % p.a. als „marktüblich“ bezeichnen. Die schockierende Wahrheit ist jedoch: Die TER ist bei weitem nicht die ganze Geschichte. Sie ist nur die Spitze des Eisbergs – eine Kosten-Illusion, die die wahren Belastungen für Ihr Vermögen verschleiert.
In der TER sind zwar die Verwaltungs- und Depotbankgebühren enthalten, doch die teuersten Posten fehlen oft gänzlich: die fondsinternen Transaktionskosten. Jedes Mal, wenn der Fondsmanager eine Aktie kauft oder verkauft, fallen Kosten an – Maklergebühren, Börsenentgelte und Spreads. Bei einem sehr aktiven Managementstil können diese Kosten erheblich sein. Zusätzlich gibt es „Slippage“-Kosten, die entstehen, wenn der tatsächliche Ausführungspreis vom gewünschten Preis abweicht, weil große Orders den Markt bewegen. Diese realen Kosten werden direkt vom Fondsvermögen abgezogen und schmälern Ihre Rendite, ohne jemals in der TER aufzutauchen.
Die folgende Tabelle, basierend auf einer Analyse marktüblicher Gebühren, verdeutlicht den dramatischen Unterschied zwischen den ausgewiesenen und den tatsächlichen Kosten.
| Kostenart | In TER enthalten | Typische Höhe p.a. | Beispiel aktiver Fonds | Beispiel ETF |
|---|---|---|---|---|
| Verwaltungsgebühr | Ja | 0,5-2% | 1,8% | 0,2% |
| Transaktionskosten intern | Nein | 0,5-1% | 0,8% | 0,1% |
| Performance Fee | Teilweise | 0-20% vom Gewinn | 10% über Hurdle | 0% |
| Slippage-Kosten | Nein | 0,1-0,5% | 0,3% | 0,05% |
| Gesamtkosten real | – | 1,1-3,5% | 2,9%+ | 0,35% |
Die Analyse der Stiftung Warentest unterstreicht diese Problematik. In ihrer Untersuchung zu versteckten Fondskosten kommen die Experten zu einem klaren Ergebnis, wie das folgende Zitat zeigt:
Bei sehr aktiven Fonds können die nicht in der TER enthaltenen Transaktionskosten 0,5% bis 1% zusätzlich ausmachen – das ist oft mehr als die gesamte TER eines ETF
– Stiftung Warentest Finanztest, Analyse versteckter Fondskosten 2024
Für Anleger bedeutet das: Ein Fonds, der auf dem Papier 1,8 % kostet, kann in der Realität leicht eine Kostenbelastung von 2,5 % oder mehr haben. Diese unbemerkten Kosten sind ein ständiger Gegenwind für Ihre Rendite und einer der Hauptgründe, warum aktive Fonds so selten ihren Vergleichsindex schlagen.
Warum kommen Trend-Fonds (z.B. Wasserstoff) meistens erst auf den Markt, wenn der Hype vorbei ist?
Fondsgesellschaften sind Meister darin, auf aktuelle Trends aufzuspringen. Ob künstliche Intelligenz, saubere Energie oder Wasserstoff – zu jedem Hype gibt es bald den passenden Themenfonds. Für Anleger klingt das verlockend: Man investiert in die Zukunft und partizipiert an Megatrends. Doch hier lauert die Hype-Zyklus-Falle: Bis ein solcher Fonds für Privatanleger verfügbar ist, hat der „Smart Money“-Zug den Bahnhof meist schon verlassen und die höchsten Renditen sind bereits erzielt.
Der Grund liegt im langen Produktentwicklungszyklus von Finanzprodukten in Deutschland. Eine Analyse dieses Prozesses zeigt, dass von der ersten Identifikation eines Trends durch die Fondsgesellschaft bis zum finalen Vertriebsstart durchschnittlich 12 bis 18 Monate vergehen. Allein die Genehmigung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kann drei bis sechs Monate dauern. Diese Zeitverzögerung ist fatal. Das Beispiel der Wasserstoff-Fonds illustriert dies perfekt: Der erste deutsche Wasserstoff-ETF kam erst 2021 auf den Markt. Zu diesem Zeitpunkt hatten viele Wasserstoff-Aktien ihren Höhepunkt bereits überschritten. Anleger, die zum Launch euphorisch einstiegen, mussten bis 2024 Verluste von über 50% hinnehmen.
Dies ist kein Einzelfall, sondern ein systematisches Problem. Eine breite Analyse zeigt die ernüchternde Bilanz von Trend-Investments, die belegt, dass die große Mehrheit dieser Produkte nach ihrer Auflage den breiten Markt nicht schlagen kann. Genauer gesagt performen 73% der Themenfonds in den ersten 3 Jahren nach Auflage schlechter als ein simpler MSCI World ETF. Die Fondsgesellschaften bringen die Produkte dann auf den Markt, wenn die Nachfrage der Privatanleger am größten ist – und das ist typischerweise nahe dem Höhepunkt des Hypes. Die frühen, hohen Gewinne haben institutionelle Investoren bereits eingestrichen. Der Privatanleger dient oft nur noch dazu, diesen den teuren Ausstieg zu ermöglichen.
Wie funktioniert die Vorabpauschale bei Investmentfonds seit der Reform 2018?
Seit der Investmentsteuerreform 2018 ist ein Begriff für Anleger in thesaurierende (also Gewinne wiederanlegende) Fonds besonders wichtig geworden: die Vorabpauschale. Für viele klingt das kompliziert und abschreckend, doch das Grundprinzip ist einfach zu verstehen. Es handelt sich um eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Gewinne, um zu verhindern, dass Steuern über Jahrzehnte aufgeschoben werden.
Die Berechnung erfolgt auf Basis eines fiktiven Ertrags, der sich am Basiszins der Bundesbank orientiert. Konkret wird der Fondswert zu Jahresbeginn mit 70 % des Basiszinses multipliziert. Dieser fiktive Ertrag wird dann besteuert, wobei für Aktienfonds eine Teilfreistellung von 30 % gilt. Der Vorteil: Die gezahlte Vorabpauschale wird beim späteren Verkauf des Fonds angerechnet, sodass es zu keiner Doppelbesteuerung kommt. Für Anleger ist es entscheidend, ihren jährlichen Sparerpauschbetrag (1.000 € für Singles, 2.000 € für Paare) optimal zu nutzen, um diese Steuerlast zu minimieren.

Die abstrakte Welt der Steuern lässt sich oft nur schwer greifen. Wichtig ist es, die gezahlten Beträge im Auge zu behalten und sie bei der Steuererklärung korrekt zu berücksichtigen. Die depotführende Bank führt die Steuer automatisch ab, sofern kein ausreichender Freistellungsauftrag vorliegt. Für eine detaillierte Planung Ihrer Steuerlast ist es hilfreich, die Berechnung nachzuvollziehen und die Weichen richtig zu stellen.
Checkliste: Vorabpauschale richtig handhaben
- Berechnen Sie die zu erwartende Vorabpauschale: Basiszins × 0,7 × Fondswert zu Jahresbeginn.
- Prüfen Sie die für Ihren Fonds geltende Teilfreistellung (z.B. 30 % bei Aktienfonds mit >50 % Aktienquote).
- Stellen Sie sicher, dass Ihr Freistellungsauftrag bei der Depotbank hoch genug ist, um die Steuerlast abzudecken (aktuell 1.000 € für Singles / 2.000 € für Paare).
- Vergleichen Sie die steuerliche Behandlung von thesaurierenden und ausschüttenden Fonds in Bezug auf Ihre persönliche Situation und Ihren Freibetrag.
- Behalten Sie den Überblick über gezahlte Vorabpauschalen, da diese beim späteren Verkauf der Fondsanteile steuermindernd angerechnet werden.
Wie sparen Sie durch den Verzicht auf Fondsmanager bis zu 30.000 € Gebühren über 20 Jahre?
Die Diskussion über Kostenunterschiede von 1% oder 1,5% pro Jahr mag abstrakt klingen. Doch über einen langen Anlagehorizont entfaltet der Zinseszinseffekt seine gewaltige Wirkung – leider auch bei den Kosten. Der Verzicht auf einen teuren Fondsmanager zugunsten eines günstigen, passiven ETFs ist die finanziell wirkungsvollste Entscheidung, die ein langfristiger Anleger treffen kann. Die eingesparten Gebühren arbeiten Jahr für Jahr für Sie und potenzieren sich.
Um dies zu verdeutlichen, vergleichen wir eine typische Anlage in einen aktiven Fonds von Deka mit einem Investment in einen marktbreiten MSCI World ETF. Die Zahlen basieren auf realen Kostenstrukturen und einer angenommenen Marktrendite von 7 % pro Jahr. Das Ergebnis ist ein Weckruf für jeden Bankkunden.
Der folgende Kostenvergleich, inspiriert von Berechnungen von Finanztip, zeigt schwarz auf weiß, wie sich die Gebühren über 20 Jahre auf Ihr Endvermögen auswirken.
| Parameter | DekaStruktur 4 ChancePlus | MSCI World ETF | Differenz |
|---|---|---|---|
| Startkapital | 25.000€ | 25.000€ | 0€ |
| Ausgabeaufschlag | 1.250€ (5%) | 0€ | 1.250€ |
| Jährliche TER | 1,8% | 0,2% | 1,6% |
| Kosten über 20 Jahre | 31.450€ | 2.840€ | 28.610€ |
| Endvermögen (7% p.a.) | 65.320€ | 93.930€ | 28.610€ |
Die Differenz von über 28.600 € ist kein Gewinn des Fondsmanagers, sondern reiner Vermögensverlust für Sie als Anleger. Dieses Geld fehlt in Ihrer Altersvorsorge. Und dieses Beispiel betrachtet nur eine Einmalanlage. Bei einem monatlichen Sparplan ist der Effekt noch dramatischer. So zeigen Berechnungen das dramatische Ausmaß der Gebührenunterschiede, bei denen sich bei einer monatlichen Sparrate von 500 € über 20 Jahre die Mehrkosten aktiver Fonds inklusive Zinseszins auf über 45.000 € summieren können. Kosten sind der größte Feind der Rendite, und die Entscheidung für einen günstigen ETF ist der einfachste Weg, diesen Feind zu besiegen.
Gibt es Nischen im Anleihenmarkt, wo der Fondsmanager den Index schlägt?
Nach der umfassenden Kritik an aktiven Fondsmanagern ist es für eine objektive Betrachtung unerlässlich, auch die Ausnahmen zu beleuchten. Ein guter, unabhängiger Berater würde niemals pauschalisieren. Es gibt tatsächlich Marktsegmente, in denen aktives Management einen echten Mehrwert stiften kann. Diese finden sich vor allem in ineffizienten und komplexen Nischen, insbesondere im Anleihenmarkt.
Ein Paradebeispiel sind europäische Hochzinsanleihen (High-Yield Bonds). Hierbei handelt es sich um Anleihen von Unternehmen mit geringerer Bonität. Im Gegensatz zu hochliquiden Staats- oder Unternehmensanleihen von Top-Schuldnern ist hier eine tiefgehende Kreditanalyse entscheidend. Ein aktiver Manager kann durch intensive Prüfung der Bilanzen und Geschäftsmodelle drohende Ausfälle frühzeitig erkennen und vermeiden – eine Fähigkeit, die ein passiver Index-ETF nicht besitzt. Eine Fallstudie von Spezialisten für Geldanlage bestätigt diesen Vorteil: Im europäischen High-Yield-Segment konnten spezialisierte Fonds über fünf Jahre ihre Benchmarks um durchschnittlich 1,2% pro Jahr nach Kosten schlagen. Entscheidend war dabei, dass die Ausfallquote bei den aktiv gemanagten Portfolios signifikant niedriger lag als bei passiven ETFs.
Neben Hochzinsanleihen gibt es weitere Nischen, in denen Expertise einen Unterschied machen kann. Diese zeichnen sich durch hohe Komplexität, geringere Markttransparenz oder spezielle Bewertungsmodelle aus:
- High-Yield-Unternehmensanleihen: Wie beschrieben, rechtfertigt die komplexe Kreditanalyse zur Vermeidung von Zahlungsausfällen hier die Kosten eines aktiven Managements.
- Wandelanleihen: Diese hybriden Wertpapiere zwischen Aktie und Anleihe erfordern Spezialwissen, um Bewertungsunterschiede und Arbitrage-Möglichkeiten auszunutzen.
- Schwellenländer-Anleihen in Lokalwährung: Lokale Präsenz und die Expertise zur Einschätzung politischer Risiken können hier einen Informationsvorsprung gegenüber passiven Indizes schaffen, die stumpf nach Marktkapitalisierung gewichten.
Die Existenz dieser Nischen widerlegt nicht die generelle Regel, dass passive ETFs für die meisten Anleger im Kernportfolio (z.B. globale Aktien) die bessere Wahl sind. Sie zeigt jedoch, dass eine differenzierte Sichtweise notwendig ist. Für sehr spezifische Anlageziele und als Beimischung kann ein sorgfältig ausgewählter, hochspezialisierter aktiver Fonds durchaus sinnvoll sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Die wahren Kosten eines aktiven Fonds liegen durch versteckte Gebühren oft 1% höher als die ausgewiesene TER, was Ihre Rendite massiv schmälert.
- Mehr als 90% der Fondsmanager scheitern langfristig am Marktvergleich, nicht aus Unfähigkeit, sondern aufgrund struktureller Nachteile wie Fondsvolumen und Kosten.
- Ein einfacher Wechsel von einem teuren aktiven Fonds zu einem günstigen ETF kann über 20 Jahre eine Ersparnis von mehreren zehntausend Euro bedeuten.
Warum schlagen 90 % der aktiven Fondsmanager den Markt langfristig nicht?
Wir haben gesehen, dass die meisten aktiven Fonds an den hohen Kosten scheitern. Doch das ist nur ein Teil der Erklärung. Die tieferliegende Ursache ist ein strukturelles Problem, das sich aus zwei Hauptfaktoren zusammensetzt: dem Phänomen des „Closet Indexing“ und der unumgänglichen strukturellen Trägheit großer Fonds.
„Closet Indexing“ bedeutet, dass ein Fonds sich als aktiv gemanagt verkauft und hohe Gebühren verlangt, sein Portfolio aber kaum von einem günstigen Index-ETF abweicht. Der Manager traut sich nicht, stark vom Vergleichsindex abzuweichen, aus Angst, bei einer Fehlentscheidung schlechter abzuschneiden als die Konkurrenz. Das Ergebnis ist eine teure Index-Kopie. Eine Untersuchung enthüllt das Ausmaß des Closet Indexing in Deutschland: Demnach haben 68% der aktiven Fonds von Deka und Union Investment einen „Active Share“ unter 60%, was sie faktisch zu verkappten Indexfonds mit überhöhten Gebühren macht.
Selbst wenn ein Manager wirklich aktiv handeln will, wird er durch das „Gesetz der großen Zahlen“ ausgebremst. Ein Fonds mit einem Volumen von mehreren Milliarden Euro kann nicht mehr agil agieren. Der bekannte Finanzexperte Gerd Kommer fasst dieses Dilemma prägnant zusammen:
Ein Fonds mit mehreren Milliarden Euro Volumen kann gar nicht mehr agil in Small Caps investieren, ohne den Markt selbst zu bewegen – er ist zur Trägheit verdammt
– Gerd Kommer, Interview Finanzfluss Podcast 2024
Eine Fallstudie am Beispiel des DWS Top Dividende mit über 20 Mrd. Euro Volumen macht dies greifbar: Wollte der Fonds nur 1% seines Vermögens (200 Mio. Euro) in eine vielversprechende kleine Aktie investieren, würde er bei vielen Nebenwerten über 10% der gesamten Firma aufkaufen und den Kurs damit massiv nach oben treiben. Das Resultat: Der Fonds ist gezwungen, nur in die gleichen liquiden Großkonzerne wie der DAX zu investieren, kostet aber mit 1,45% p.a. ein Vielfaches eines DAX-ETFs (ca. 0,16%). Er kann den Markt nicht schlagen, weil er selbst der Markt geworden ist.
Bewerten Sie Ihre aktuellen Fondsanlagen nun objektiv anhand dieser Kriterien. Hinterfragen Sie die Gebühren, die Strategie und die tatsächliche Abweichung vom Index. Treffen Sie eine fundierte Entscheidung für Ihre finanzielle Zukunft – denn niemand hat ein größeres Interesse an Ihrem Vermögen als Sie selbst.