Veröffentlicht am Mai 12, 2024

Entgegen dem populären Mythos ist der Versuch, den Markt zu schlagen, für fast alle Anleger der sicherste Weg zu geringeren Renditen.

  • Die überwältigende Mehrheit aktiver Fondsmanager scheitert nachweislich daran, ihre Benchmark nach Kosten zu übertreffen.
  • Die eingesparten Kosten bei passiven ETFs summieren sich über die Zeit zu einem Vermögensvorteil von zehntausenden Euro.

Empfehlung: Konzentrieren Sie sich auf eine disziplinierte Buy-and-Hold-Strategie mit breit gestreuten, kostengünstigen ETFs, anstatt zu versuchen, die Nadel im Heuhaufen zu finden.

Die Finanzwelt ist voll von verlockenden Versprechen: „Die nächste Top-Aktie finden“, „den Markt überlisten“, „besser sein als der Durchschnitt“. Viele Anleger widmen unzählige Stunden und erhebliche mentale Energie dem Versuch, diesen Gral der Geldanlage zu finden. Sie analysieren Charts, lesen Geschäftsberichte und folgen den Ratschlägen selbsternannter Gurus. Die gängige Annahme ist, dass mehr Aufwand und mehr Wissen zwangsläufig zu besseren Ergebnissen führen müssen.

Doch was wäre, wenn diese ganze Jagd auf die Überrendite nicht nur extrem schwierig, sondern statistisch gesehen ein verlorenes Spiel ist? Was, wenn der klügste und profitabelste Weg für die überwältigende Mehrheit der Privatanleger darin besteht, genau das Gegenteil zu tun: den Versuch aufzugeben, den Markt zu schlagen, und stattdessen einfach den gesamten Markt zu kaufen? Dies ist die Kernphilosophie des passiven Investierens, eine Strategie, die oft als zu simpel oder gar langweilig abgetan wird.

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des „Star-Managers“ und der „geheimen Gewinner-Aktie“. Wir werden nicht nur behaupten, dass passives Investieren funktioniert, sondern mit harten Daten und unumstösslicher Logik beweisen, warum es die mathematisch und psychologisch einzig rationale Strategie für 95% der Anleger ist, die langfristig Vermögen aufbauen wollen, ohne ihr Leben dem Börsenticker zu widmen. Es geht nicht darum, aufzugeben, sondern darum, intelligenter zu gewinnen – indem man aufhört, ein Spiel zu spielen, bei dem die Regeln gegen einen stehen.

Wir werden die mathematische Zwangsläufigkeit hinter der Underperformance aktiver Fonds aufdecken, den enormen Einfluss von Kosten auf Ihre Rente quantifizieren und zeigen, warum Passivität in Krisenzeiten eine Stärke und keine Schwäche ist. Machen Sie sich bereit, Ihre Sicht auf die Geldanlage fundamental zu verändern.

Inhaltsverzeichnis: Warum den Markt zu kaufen die überlegene Anlagestrategie ist

Warum es fast unmöglich ist, den Markt langfristig dauerhaft zu schlagen?

Der Wunsch, den Markt zu schlagen, ist zutiefst menschlich. Es ist die Suche nach dem Vorteil, der Anerkennung, dem Beweis, schlauer als der Rest zu sein. Doch an der Börse ist dies ein Kampf gegen die unerbittliche Macht der Mathematik. Der Markt ist in seiner Gesamtheit ein Nullsummenspiel vor Kosten. Für jeden Gewinner, der eine Aktie über ihrem Durchschnittswert kauft oder verkauft, muss es einen Verlierer auf der anderen Seite des Handels geben. Die Summe aller Gewinne und Verluste ist Null.

Sobald man jedoch die realen Kosten – Managementgebühren, Transaktionskosten, Steuern – einbezieht, wird das Nullsummenspiel zu einem Negativsummenspiel. Die einzige garantierte Gewinnerin ist die Finanzindustrie. Für die Anleger als Ganzes ist es mathematisch unmöglich, den Markt zu schlagen. Die Gesamtrendite aller aktiven Anleger muss zwangsläufig die Marktrendite abzüglich der Kosten sein. Die bittere Wahrheit ist: Der Versuch, den Markt zu schlagen, ist der sicherste Weg, ihm hinterherzuhinken.

Die empirischen Daten bestätigen diese Logik schonungslos. Die regelmässig erscheinende SPIVA-Studie von S&P Global ist eine Art Todesliste für aktive Fonds. Die aktuellen Daten für Europa sind eindeutig: Selbst über einen kurzen Zeitraum von nur einem Jahr belegt die Studie, dass in Deutschland über 76% der aktiv gemanagten Deutschland-Fonds es nicht schaffen, ihre eigene Benchmark zu schlagen. Je länger der Zeitraum, desto katastrophaler wird das Bild. Über zehn Jahre liegt die Versagerquote meist bei über 90%. Der Versuch, einen der wenigen Gewinnerfonds im Voraus zu finden, gleicht der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen, die zudem ständig ihre Position wechselt. Die Geschichte des „Neuen Marktes“ in Deutschland, der in nur 31 Monaten über 96% seines Wertes verlor, ist eine eindringliche Warnung vor der kollektiven Hysterie und dem Trugschluss des Market Timings.

Wie Sie durch den Verzicht auf Fondsmanager 100.000 € mehr Rente haben?

Wenn die überwältigende Mehrheit der Fondsmanager es nicht schafft, den Markt zu schlagen, wofür genau werden sie dann bezahlt? Die Antwort liegt in den Gebühren – einem stillen, aber unerbittlichen Renditekiller. Der Unterschied zwischen den Kosten eines aktiven Fonds und eines passiven Exchange Traded Fund (ETF) mag auf den ersten Blick gering erscheinen, entfaltet aber über Jahrzehnte durch den Zinseszinseffekt eine verheerende Wirkung.

Visualisierung der Kostenunterschiede zwischen ETFs und aktiv gemanagten Fonds über 30 Jahre

Die Kosten-Rendite-Schere öffnet sich mit jedem Jahr weiter. Während ein typischer passiver ETF auf einen globalen Aktienindex eine Gesamtkostenquote (TER) von nur 0,2 % pro Jahr aufweist, verlangen aktive Fonds in Europa im Schnitt fast 1,9 %. Dazu kommen oft noch Ausgabeaufschläge von bis zu 5 % bei jedem Kauf und Performance-Gebühren, falls der Fonds (zufällig) doch einmal besser abschneidet. Diese auf den ersten Blick kleinen Prozentpunkte sind der Unterschied zwischen einem komfortablen Ruhestand und einer erheblichen Rentenlücke.

Die folgende Gegenüberstellung zeigt den dramatischen Effekt der Kosten auf ein Anfangsinvestment von 100.000 Euro über 30 Jahre. Die Zahlen verdeutlichen, wie passives Investieren Ihr Vermögen schützt und für Sie arbeiten lässt, anstatt es an die Fondsindustrie abzuführen.

Kostenvergleich ETF vs. Aktiv gemanagte Fonds über 30 Jahre
Kostenart ETF (passiv) Aktiver Fonds Differenz p.a.
TER (Verwaltungsgebühren) 0,03% – 0,7% 1,9% (Durchschnitt Europa) ~1,5%
Ausgabeaufschlag 0% 3-5% Einmalig
Performance Fee 0% Oft 10-20% der Überrendite Variabel
Kosteneffekt über 30 Jahre bei 100.000€ Start ~15.000€ ~115.000€ 100.000€ Differenz

Die Differenz von 100.000 Euro ist keine theoretische Spielerei, sondern der reale Preis für den Glauben, ein Fondsmanager könne den Markt systematisch schlagen. Es ist Geld, das in Ihrer Tasche sein könnte, es aber nicht ist. Die Entscheidung für einen passiven ETF ist somit eine der lukrativsten Finanzentscheidungen, die Sie in Ihrem Leben treffen können.

Investieren in 5 Minuten pro Jahr: Der unschlagbare Vorteil der Passivität

Einer der am meisten unterschätzten Vorteile des passiven Investierens ist nicht nur finanzieller, sondern auch existenzieller Natur: die Rückgewinnung Ihrer wertvollsten Ressource – Ihrer Zeit und mentalen Energie. Während aktive Anleger und Daytrader Stunden damit verbringen, Nachrichten zu verfolgen, Kurse zu analysieren und über den richtigen Kauf- oder Verkaufszeitpunkt zu grübeln, können passive Anleger sich entspannt zurücklehnen. Die Strategie basiert auf der Akzeptanz, dass man die Zukunft nicht vorhersagen kann und es daher auch nicht versucht.

Diese emotionale Disziplin durch Automatisierung ist ein unschätzbarer Vorteil. Ein einmal eingerichteter ETF-Sparplan bei einem Broker wie Scalable Capital oder Trade Republic läuft vollautomatisch im Hintergrund. Er investiert jeden Monat einen festen Betrag, unabhängig von den Schlagzeilen oder der Marktstimmung. Diese stoische Regelmässigkeit schützt Sie vor den grössten Fehlern, die Anleger machen: panikartige Verkäufe im Crash und gierige Käufe auf dem Höchststand.

Der Unterschied im Zeitaufwand ist dramatisch. Während aktive Trader oft von mehr als 100 Stunden pro Jahr berichten, die sie für Recherche und Handel aufwenden, benötigt ein passiver Anleger oft nicht mehr als ein paar Minuten. Ein jährlicher Check-up genügt vollkommen, um sicherzustellen, dass alles nach Plan läuft. Ihre Zeit ist besser investiert in Ihre Familie, Ihre Karriere, Ihre Hobbys oder einfach in die Dinge, die Ihnen Freude bereiten.

Ihr 5-Minuten-Jahrescheck für ETF-Sparpläne

  1. Einloggen beim Broker: Öffnen Sie Ihre Depot-App oder Website (z.B. Scalable Capital, Trade Republic) und verschaffen Sie sich einen Überblick. (ca. 1 Minute)
  2. Portfolio-Allokation prüfen: Vergleichen Sie die aktuelle Verteilung Ihres Portfolios (z.B. 70% Aktien, 30% Anleihen) mit Ihrer ursprünglichen Ziel-Allokation. Bei starken Abweichungen kann ein Rebalancing sinnvoll sein. (ca. 2 Minuten)
  3. Sparrate anpassen: Haben Sie eine Gehaltserhöhung bekommen oder hat sich Ihre finanzielle Situation geändert? Passen Sie Ihre monatliche Sparrate entsprechend an. (ca. 1 Minute)
  4. Freistellungsauftrag prüfen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Freistellungsauftrag optimal ausgenutzt wird, um Steuern auf Kapitalerträge bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € für Verheiratete) zu vermeiden. (ca. 1 Minute)
  5. Zurücklehnen und Leben geniessen: Das war’s. Sie haben alles Notwendige getan. Schliessen Sie die App und widmen Sie sich bis zum nächsten Jahr wieder den wichtigeren Dingen.

Der Mythos, dass passive Anleger im Crash hilflos ausgeliefert sind

Ein hartnäckiges Vorurteil gegenüber passiven Strategien lautet, dass man Marktabstürzen schutzlos ausgeliefert sei, während ein „kluger“ aktiver Manager rechtzeitig verkaufen und das Kapital sichern könne. Diese Vorstellung ist aus zwei Gründen ein gefährlicher Trugschluss. Erstens ist die Fähigkeit, einen Crash vorherzusagen, reines Glück. Ein Manager, der einmal richtig liegt, liegt beim nächsten Mal mit hoher Wahrscheinlichkeit falsch. Noch schwieriger ist es, den richtigen Zeitpunkt für den Wiedereinstieg zu finden, was oft zu noch grösseren Verlusten führt.

Zweitens sind passive Anleger keineswegs hilflos, sondern strukturell im Vorteil. Ein ETF ist nach der europäischen UCITS-Richtlinie als Sondervermögen klassifiziert. Das bedeutet, Ihr investiertes Geld ist rechtlich vom Vermögen des ETF-Anbieters getrennt und selbst im Falle einer Pleite des Anbieters vollständig geschützt. Die Sicherheit Ihres Kapitals ist also extrem hoch.

Der eigentliche Vorteil im Crash liegt jedoch im stoischen, automatisierten Verhalten. Während aktive Anleger in Panik geraten, kauft ein ETF-Sparplan bei fallenden Kursen automatisch mehr Anteile für denselben monatlichen Betrag. Dies ist der sogenannte Cost-Average-Effect in Reinform – perfektes antizyklisches Verhalten ohne Emotionen. Sie kaufen die Rabattangebote an der Börse automatisch mit. Die Geschichte zeigt, dass Märkte sich immer wieder erholen. Nach der Finanzkrise 2008 erreichte der MSCI World nach etwa 5 Jahren wieder sein Vorkrisenniveau; nach dem Corona-Crash 2020 dauerte es sogar nur 6 Monate. Anleger, die während dieser Zeit ihre Sparpläne weiterlaufen liessen, profitierten massiv von den niedrigen Einstiegskursen und beschleunigten ihren Vermögensaufbau erheblich.

Warum aktive Fonds in Vergleichen oft besser aussehen als sie wirklich sind?

Trotz der erdrückenden Beweislast finden sich immer wieder Ranglisten und Artikel, die einzelne aktive Fonds für ihre „herausragende“ Performance feiern. Wie kann das sein? Die Antwort liegt in einer subtilen, aber extrem wirkungsvollen statistischen Verzerrung: dem Survivorship Bias, der „Verzerrungsfalle der Überlebenden“.

Fondsstatistiken betrachten oft nur die Fonds, die heute noch am Markt sind. Die unzähligen Fonds, die aufgrund schlechter Performance geschlossen oder mit anderen Fonds fusioniert wurden, verschwinden einfach aus der Statistik. Es ist, als würde man die Treffsicherheit von Schützen beurteilen, indem man nur die anschaut, die den Wettbewerb überlebt haben, und all jene ignoriert, die sich selbst ins Bein geschossen haben. Das Ergebnis ist ein systematisch geschöntes Bild der Realität.

Visualisierung des Survivorship Bias bei Fondsstatistiken

Die SPIVA-Studien sind deshalb so aussagekräftig, weil sie diesen Bias korrigieren. Sie beziehen alle Fonds ein, die zu Beginn eines Zeitraums existierten, und verfolgen deren Schicksal. Das Ergebnis ist ernüchternd und entlarvt die Marketing-Versprechen der Fondsindustrie. Die wenigen Fonds, die es heute an die Spitze der Ranglisten schaffen, sind oft nur die glücklichen Überlebenden eines Massengrabs gescheiterter Konkurrenten.

Die SPIVA-Daten bereinigen den Survivorship Bias und zeigen: Über 15 Jahre schaffen es weniger als 10% der aktiven Fonds, ihren Benchmark zu schlagen.

– S&P Dow Jones Indices, SPIVA Europe Year-End 2024 Scorecard

Diese Verzerrung führt Anleger in die Irre. Sie investieren in die Gewinner von gestern in der Hoffnung, dass sie auch die Gewinner von morgen sein werden – eine Hoffnung, die sich nur selten erfüllt, wie wir im nächsten Abschnitt sehen werden.

Warum verlieren 80% der privaten Daytrader ihr eingesetztes Kapital innerhalb eines Jahres?

Daytrading ist die extremste Form des aktiven Investierens. Es ist der Versuch, durch kurzfristige Wetten auf Kursbewegungen innerhalb von Minuten oder Stunden Gewinne zu erzielen. Während die Werbung das Bild von schnellem Reichtum und finanzieller Freiheit zeichnet, ist die Realität ein finanzielles Schlachtfeld, auf dem fast alle Privatanleger scheitern. Die Zahlen sind erschreckend: Umfassende Studien und Broker-Auswertungen zeigen, dass rund 90% der Daytrader Geld verlieren und nur ein winziger Bruchteil von etwa 1% nachweislich dauerhaft profitabel ist.

Eine bekannte Faustregel in der Branche, die sogenannte 90-90-90-Regel, fasst das Desaster prägnant zusammen: 90% der Trader verlieren in den ersten 90 Tagen 90% ihres Geldes. Der Grund für dieses systematische Scheitern ist eine toxische Mischung aus extrem hohen Kosten, psychologischem Druck und einem strukturellen Nachteil gegenüber professionellen Marktteilnehmern. Jeder einzelne Trade verursacht Gebühren und Spread-Kosten, die sich schnell zu einem unüberwindbaren Berg auftürmen.

Die folgende Tabelle stellt die Kostenstruktur des Daytradings der eines passiven Buy-and-Hold-Ansatzes mit ETFs gegenüber. Sie macht deutlich, warum Daytrading weniger eine Anlagestrategie als vielmehr eine teure Form des Glücksspiels ist.

Kostenstruktur beim Daytrading vs. Buy-and-Hold ETF
Kostenfaktor Daytrading Buy-and-Hold ETF
Ordergebühren p.a. 500-5.000€ (bei täglichem Handel) 12-120€ (monatlicher Sparplan)
Spread-Kosten 0,1-0,5% pro Trade Einmalig 0,1-0,2%
Finanzierungskosten (Hebel) 3-8% p.a. 0%
Steuerliche Nachteile Sofortige Versteuerung jedes Gewinns Steuerstundung bis Verkauf

Die hektische Aktivität des Daytradings ist das genaue Gegenteil der stoischen Ruhe und Effizienz des passiven Investierens. Es ist der perfekte Beweis dafür, dass mehr Aufwand an der Börse nicht zu mehr, sondern fast immer zu weniger Ertrag führt.

Warum 5 Sterne bei Morningstar keine Garantie für die Zukunft sind?

Fonds-Ratings, insbesondere die bekannten Sterne von Anbietern wie Morningstar, sind für viele Anleger ein entscheidendes Kriterium bei der Fondsauswahl. Ein Fonds mit 5 Sternen scheint ein Gütesiegel für Qualität und zukünftigen Erfolg zu sein. Doch diese Annahme ist ein weiterer gefährlicher Trugschluss. Die Sterne-Bewertung basiert ausschliesslich auf der historischen, risikoadjustierten Performance. Sie ist ein Blick in den Rückspiegel, nicht durch die Windschutzscheibe.

Das zentrale Problem ist ein statistisches Phänomen namens Regression zur Mitte. Ausreisser – sowohl extrem gute als auch extrem schlechte – neigen dazu, sich im Laufe der Zeit wieder dem Durchschnitt anzunähern. Ein Fonds, der in den letzten drei Jahren eine aussergewöhnliche Performance erzielt hat (und deshalb 5 Sterne erhält), hatte möglicherweise einfach nur Glück, hat auf den richtigen Sektor gesetzt oder ist hohe Risiken eingegangen, die sich ausgezahlt haben. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Glückssträhne fortsetzt, ist verschwindend gering. Stattdessen ist es weitaus wahrscheinlicher, dass die Performance in den folgenden Jahren wieder auf ein durchschnittliches oder sogar unterdurchschnittliches Niveau zurückfällt.

Studien zur Persistenz von Fondsperformance bestätigen dies eindrücklich. Eine Analyse von S&P zeigt, dass eine hohe Proportion von Fonds sich vom obersten Quartil der Performance in einer Dreijahresperiode zum untersten Quartil in der nachfolgenden Periode bewegt. Sich auf Sterne-Ratings zu verlassen, bedeutet, den Gewinnern von gestern hinterherzulaufen – eine Strategie, die fast immer enttäuscht. Anstatt auf vergangene Lorbeeren zu setzen, sollten Anleger sich auf die Faktoren konzentrieren, die nachweislich und dauerhaft die Rendite beeinflussen: die Kosten und die breite Streuung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Jagd nach Überrendite ist ein Negativsummenspiel; Kosten sind der grösste Feind Ihrer Rendite.
  • Passives Investieren mittels ETF-Sparplan automatisiert diszipliniertes Verhalten und schützt vor emotionalen Fehlern.
  • Statistische Effekte wie der Survivorship Bias und die Regression zur Mitte verzerren die Wahrnehmung von aktiver Fondsperformance massiv.

Wie wählen Sie den richtigen ETF aus über 2000 Produkten in Deutschland aus?

Die Entscheidung für eine passive Strategie ist der wichtigste Schritt. Der zweite Schritt, die Auswahl des passenden ETFs, mag angesichts von über 2.000 in Deutschland handelbaren Produkten entmutigend wirken. Doch auch hier gilt das Prinzip der Einfachheit. Anstatt sich in Details zu verlieren, sollten Sie sich auf wenige, aber entscheidende Kriterien konzentrieren, die den langfristigen Erfolg Ihrer Anlage sichern.

Systematischer Auswahlprozess für ETFs dargestellt als Entscheidungsweg

Vergessen Sie Marketing-Versprechen und vergangene Performance-Charts. Konzentrieren Sie sich auf die harten, nachprüfbaren Fakten. Das Ziel ist nicht, den „besten“ ETF zu finden, sondern einen, der „gut genug“ ist: breit gestreut, kostengünstig und liquide. Ein ETF auf einen globalen Index wie den MSCI World oder den FTSE All-World ist für die meisten Anleger die perfekte Basis.

Bei der konkreten Auswahl sollten Sie auf folgende Punkte achten:

  • Kostenquote (TER): Dies ist der wichtigste Faktor. Wählen Sie einen ETF mit einer TER von idealerweise unter 0,25%. Jeder Basispunkt zählt.
  • Fondsvolumen: Der ETF sollte mindestens 100 Mio. Euro gross sein. Dies stellt sicher, dass er liquide ist und nicht Gefahr läuft, vom Anbieter geschlossen zu werden.
  • Replikationsmethode: Physisch replizierende ETFs sind transparenter, da sie die Aktien des Index tatsächlich kaufen. Synthetische ETFs nutzen Tauschgeschäfte (Swaps) und sind etwas komplexer. Für Einsteiger ist „physisch“ oft die bessere Wahl.
  • Tracking Difference: Dies ist die wahre Messgrösse für die Qualität eines ETFs. Sie zeigt an, wie stark die Rendite des ETFs tatsächlich von der Rendite des Index abweicht. Eine niedrige, stabile Tracking Difference ist ein Qualitätsmerkmal.

Häufig gestellte Fragen zum passiven Investieren mit ETFs

Was passiert mit meinem ETF, wenn der Anbieter pleite geht?

Ihr Geld ist sicher. ETFs sind als Sondervermögen nach der UCITS-Richtlinie geschützt. Das bedeutet, Ihr Investment ist rechtlich strikt vom Vermögen des ETF-Anbieters (wie iShares oder Xtrackers) getrennt und wird bei einer Depotbank verwahrt. Im Falle einer Insolvenz des Anbieters fällt Ihr Vermögen nicht in die Insolvenzmasse.

Wie schnell erholen sich ETFs nach einem Crash?

Da ein breit gestreuter ETF den Markt abbildet, erholt er sich so schnell wie der Markt selbst. Die Geschichte zeigt eine bemerkenswerte Resilienz: Nach der Finanzkrise 2008 benötigte der MSCI World etwa 5 Jahre zur vollständigen Erholung, nach dem Corona-Einbruch im März 2020 waren es sogar nur 6 Monate. Für Sparplan-Anleger sind diese Phasen sogar Chancen, da sie günstig Anteile erwerben.

Ist der Cost-Average-Effect im Crash ein Vorteil?

Absolut. Der Cost-Average-Effect (Durchschnittskosteneffekt) ist einer der grössten Vorteile eines ETF-Sparplans. Indem Sie monatlich einen festen Betrag investieren, kaufen Sie bei niedrigen Kursen (im Crash) automatisch mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger. Dieses antizyklische Verhalten ist rational und emotionslos und senkt Ihren durchschnittlichen Einstandspreis über die Zeit.

Ausschüttend oder thesaurierend – was ist besser?

Das hängt von Ihrer Strategie ab. Thesaurierende ETFs legen die Dividenden automatisch wieder an, was den Zinseszinseffekt maximiert – ideal für den langfristigen Vermögensaufbau. Ausschüttende ETFs zahlen die Dividenden auf Ihr Verrechnungskonto aus. Dies kann sinnvoll sein, um den jährlichen Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € für Paare) auszunutzen und so Steuern zu sparen.

Welches Fondsdomizil ist steuerlich optimal?

Für deutsche Anleger sind ETFs mit Fondsdomizil in Irland oder Luxemburg steuerlich am vorteilhaftesten. Aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen ist die Quellensteuer auf Dividenden, insbesondere von US-Aktien, auf 15% reduziert, die voll auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechenbar sind. Bei einem Fondsdomizil in Deutschland würden 30% US-Quellensteuer anfallen, von denen nur 15% anrechenbar sind.

Wie wichtig ist die Fondsgrösse?

Die Fondsgrösse (Fondsvolumen) ist ein sehr wichtiges Qualitätsmerkmal. Ein Volumen von mindestens 100 Mio. Euro ist empfehlenswert. Es stellt eine ausreichende Liquidität sicher (d.h. der ETF kann jederzeit problemlos ge- und verkauft werden) und senkt das Risiko, dass der Fonds vom Anbieter wegen Unwirtschaftlichkeit wieder geschlossen wird, was zu einem steuerpflichtigen Verkauf Ihrer Anteile führen würde.

Die Entscheidung, den Markt zu kaufen, anstatt zu versuchen, ihn zu schlagen, ist keine Kapitulation, sondern ein Akt strategischer Intelligenz. Sie tauschen die vergebliche Jagd nach der Nadel im Heuhaufen gegen die fast garantierte Teilnahme am globalen Wirtschaftswachstum – effizient, kostengünstig und stressfrei. Beginnen Sie noch heute damit, einen einfachen, breit gestreuten ETF-Sparplan einzurichten und lassen Sie die Kraft des Marktes und des Zinseszinses für sich arbeiten.

Geschrieben von Thomas Wagner, Unabhängiger Honorar-Finanzanlagenberater und Certified Financial Planner (CFP) mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Vermögensplanung. Er ist spezialisiert auf evidenzbasierte Anlagestrategien mittels ETFs und die Schließung der Rentenlücke für Privatanleger.