Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Handeln Sie proaktiv bis zu 5 Jahre vor Ende der Zinsbindung, um sich heutige Zinsen mit einem Forward-Darlehen zu sichern.
  • Akzeptieren Sie niemals das erste Angebot Ihrer Hausbank; ein Bankwechsel kann trotz Nebenkosten Tausende von Euro sparen.
  • Nutzen Sie Ihr gesetzliches Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB, um nach 10 Jahren aus jedem langfristigen Vertrag auszusteigen.
  • Führen Sie einen finanziellen „Stresstest“ durch, indem Sie die zukünftige, höhere Rate simulieren und Rücklagen bilden.

Der Brief der Bank liegt auf dem Tisch. Schwarz auf weiss bestätigt er, was Sie seit Monaten befürchtet haben: Die Zinsbindung Ihres Immobiliendarlehens läuft aus, und das Prolongationsangebot präsentiert eine Monatsrate, die Ihre aktuelle Belastung zu verdoppeln oder gar zu verdreifachen droht. In diesem Moment fühlen sich viele Immobilienbesitzer in Deutschland machtlos, gefangen zwischen der Loyalität zur Hausbank und der Angst vor einer finanziellen Überforderung. Die erste Reaktion ist oft passives Abwarten, in der Hoffnung, die Zinsen könnten wieder fallen, oder die bequeme, aber teure Annahme des erstbesten Angebots.

Doch die wahre Gefahr liegt nicht allein im Zinsanstieg selbst, sondern in der Reaktion darauf. Die üblichen Ratschläge – Angebote zu vergleichen oder frühzeitig zu beginnen – kratzen nur an der Oberfläche. Was, wenn die entscheidende Lösung nicht im passiven Reagieren, sondern in einer aktiven, vorausschauenden Strategie liegt? Es geht darum, die Zinswende nicht als unüberwindbare Bedrohung, sondern als Anlass zu begreifen, die eigene Finanzarchitektur neu zu bewerten und die Kontrolle zurückzugewinnen. Das Ziel ist nicht nur, die Krise zu überleben, sondern gestärkt und mit mehr finanzieller Souveränität daraus hervorzugehen.

Dieser Artikel ist Ihr strategischer Leitfaden. Wir werden nicht nur aufzeigen, *was* zu tun ist, sondern auch *warum* bestimmte Hebel entscheidend sind. Von der vorausschauenden Zinssicherung über die Entlarvung der „Bequemlichkeitsfalle“ bei der Hausbank bis hin zur Nutzung legaler „Joker“ wie dem Sonderkündigungsrecht: Sie erhalten einen klaren Fahrplan, um Ihre finanzielle Zukunft aktiv zu gestalten und Ihre Immobilie sicher durch die Zinswende zu navigieren.

Um Ihnen einen klaren Überblick über die kommenden strategischen Schritte zu geben, finden Sie nachfolgend die Struktur dieses Leitfadens. Jedes Kapitel ist ein Baustein auf Ihrem Weg zur finanziellen Sicherheit.

Wie sichern Sie sich die heutigen Zinsen schon bis zu 5 Jahre im Voraus?

In einem unsicheren Zinsumfeld ist vorausschauende Planung der mächtigste Hebel. Statt passiv auf das Ende Ihrer Zinsbindung zu warten, können Sie aktiv handeln. Das wichtigste Instrument hierfür ist das Forward-Darlehen. Es ermöglicht Ihnen, heute die Zinskonditionen für eine Anschlussfinanzierung festzuschreiben, die erst in bis zu 66 Monaten (5,5 Jahren) beginnt. Sie schliessen quasi eine Wette auf die zukünftige Zinsentwicklung ab: Wenn Sie steigende Zinsen erwarten, „frieren“ Sie den heutigen, vergleichsweise niedrigen Zins ein. Diese Sicherheit hat jedoch ihren Preis: die Banken verlangen einen sogenannten Forward-Aufschlag auf den aktuellen Zinssatz, der umso höher ausfällt, je länger die Vorlaufzeit ist.

Die aktuelle Unsicherheit wird durch unterschiedliche Prognosen genährt. Während kurzfristig mit stabilen oder leicht sinkenden Zinsen gerechnet wird, deuten einige Analysen darauf hin, dass die EZB den Einlagenzins bis Mitte 2026 auf 1,75% senken könnte, was wiederum Spielraum nach unten bedeuten würde. Doch Prognosen sind keine Garantien. Ein Forward-Darlehen ist daher eine Versicherung gegen das Risiko eines unerwartet starken Zinsanstiegs. Als Faustregel können Sie mit einem Aufschlag von etwa 0,25 Prozentpunkten pro Jahr Vorlaufzeit rechnen. Dieser Aufschlag muss in Ihre Kalkulation einfliessen: Ist die erwartete Zinserhöhung höher als der Aufschlag, lohnt sich das Geschäft.

Zeitstrahl zur Forward-Darlehen Planung mit symbolischen Elementen

Die visuelle Darstellung eines Zeitstrahls verdeutlicht die strategische Dimension dieser Entscheidung. Sie navigieren aktiv durch die Zeit und treffen heute eine Entscheidung, die Ihre finanzielle Situation in mehreren Jahren massgeblich beeinflusst. Neben dem reinen Zinssatz sollten Sie bei einem Forward-Darlehen auch die Vertragsbedingungen wie Sondertilgungsoptionen und die Möglichkeit eines Tilgungssatzwechsels verhandeln, um flexibel zu bleiben. Für sehr lange Vorlaufzeiten kann alternativ auch ein Bausparvertrag eine prüfenswerte Option sein, um sich niedrige Zinsen zu sichern.

Warum das erste Angebot Ihrer Hausbank selten das beste ist?

Wenige Monate vor dem Auslaufen der Zinsbindung erhalten die meisten Kreditnehmer ein Schreiben ihrer Hausbank: das Angebot zur Prolongation, also zur Verlängerung des Kredits. Dieses Angebot ist bequem, erfordert kaum Aufwand und vermittelt ein Gefühl der Sicherheit. Doch genau hier lauert eine teure „Bequemlichkeitsfalle“. Wie Experten bestätigen, ist diese Option oft die kostspieligste.

Das ist allerdings meist teurer als eine Anschlussfinanzierung bei einer anderen Bank.

– Dr. Klein Expertenteam, Dr. Klein Ratgeber Anschlussfinanzierung

Der Grund dafür ist einfach: Die Hausbank weiss, dass viele Kunden den Aufwand eines Wechsels scheuen. Sie befindet sich in einer komfortablen Verhandlungsposition und hat wenig Anreiz, ihre besten Konditionen anzubieten. Ein Wettbewerbsvergleich fehlt. Im Gegensatz dazu müssen neue Banken um Sie als Kunden werben und bieten daher in der Regel deutlich attraktivere Zinssätze. Der Zinsunterschied beträgt oft 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte, was über eine Laufzeit von 10 oder 15 Jahren eine Ersparnis von vielen Tausend Euro bedeuten kann.

Die folgende Tabelle stellt die beiden Optionen gegenüber und verdeutlicht, warum sich der Mehraufwand einer Umschuldung fast immer rechnet. Der Vergleich basiert auf marktüblichen Annahmen und zeigt das enorme Sparpotenzial.

Vergleich Prolongation vs. Umschuldung
Kriterium Prolongation (Hausbank) Umschuldung (neue Bank)
Aufwand Minimal Bonitätsprüfung nötig
Kosten Keine 300-450€ Grundbuchkosten
Zinssatz Oft 0,2-0,5% höher Bestkonditionen möglich
Verhandlungsspielraum Gering Hoch durch Wettbewerb
Ersparnis bei 150.000€ Referenz Bis zu 10.000€ über 10 Jahre

Praxisbeispiel: Umschuldung spart 9.466 Euro

Ein konkretes Beispiel von Dr. Klein illustriert das Potenzial eindrucksvoll: Ein Kreditnehmer mit einer Restschuld von 120.000 € nutzte angespartes Kapital, um eine Sondertilgung von 20.000 € zu leisten. Die neue Bank honorierte die reduzierte Darlehenssumme von 100.000 € mit einem besseren Zinssatz. Über eine Laufzeit von 10 Jahren ergab sich so eine Zinsersparnis von insgesamt 9.466,04 € im Vergleich zum Prolongationsangebot der alten Bank. Dies zeigt, dass eine strategische Umschuldung in Kombination mit Sondertilgungen die Kosten drastisch senken kann.

Lohnt sich der Bankwechsel trotz Grundbuchkosten von einigen Hundert Euro?

Die Angst vor den Kosten und dem bürokratischen Aufwand eines Bankwechsels hält viele Immobilienbesitzer davon ab, ihre Anschlussfinanzierung bei einem neuen Anbieter abzuschliessen. Die zentralen Posten sind hierbei die Kosten für die Änderung im Grundbuch. Anstatt die alte Grundschuld zu löschen und eine neue einzutragen – ein sehr teures Verfahren –, wird in der Regel eine Grundschuldabtretung vorgenommen. Dabei tritt die alte Bank ihre Rechte aus der Grundschuld an die neue Bank ab. Dieses Verfahren ist deutlich günstiger.

Die Kosten für die notarielle Beglaubigung und den Eintrag ins Grundbuch sind überschaubar. Als Faustformel gelten Kosten von 0,2 bis 0,3 Prozent der eingetragenen Grundschuld. Bei einer Restschuld von beispielsweise 150.000 € belaufen sich diese Gebühren auf lediglich 300 bis 450 €. Stellt man diese einmaligen Kosten der möglichen Zinsersparnis gegenüber, die oft mehrere Tausend Euro über die Laufzeit beträgt, wird schnell klar: Der Bankwechsel lohnt sich in den allermeisten Fällen. Der angebliche Nachteil der Kosten ist bei genauer Betrachtung ein exzellentes Investment in einen niedrigeren Zinssatz.

Auch der administrative Aufwand ist geringer als befürchtet. Die Banken sind an einem reibungslosen Ablauf interessiert und wickeln den Prozess weitgehend unter sich ab. Ihr Fahrplan für die Umschuldung sieht dabei wie folgt aus:

  • Prüfen Sie, ob Ihre alte und neue Bank mit einer Grundschuldabtretung einverstanden sind (was der Standard ist).
  • Ermächtigen Sie die neue Bank, die Abwicklung für Sie zu übernehmen.
  • Die alte Bank erklärt die Abtretung, und ein Notar beglaubigt die Unterschriften.
  • Der Gläubigerwechsel wird im Grundbuch eingetragen.
  • Falls die neue Kreditsumme geringer ist, kann der nicht benötigte Teil der Grundschuld gelöscht werden.

Wie kommen Sie nach 10 Jahren aus jedem Kredit raus, auch wenn er 20 Jahre läuft?

Eine der mächtigsten, aber oft übersehenen Optionen für Kreditnehmer in Deutschland ist das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB. Dieses Gesetz ist ein entscheidender Joker, der Ihnen ein hohes Mass an Flexibilität und finanzieller Souveränität verleiht. Es besagt, dass Sie jeden Darlehensvertrag mit einer Sollzinsbindung, unabhängig von der vereinbarten Laufzeit (ob 15, 20 oder 30 Jahre), nach Ablauf von 10 Jahren kündigen können. Diese 10-Jahres-Frist beginnt mit dem vollständigen Empfang des Darlehens. Die Kündigungsfrist beträgt dann sechs Monate.

Geschäftsmann plant strategisch mit Kalender und Dokumenten

Dieses Recht ist nicht verhandelbar und kann von der Bank nicht ausgeschlossen werden. Es schützt Verbraucher davor, übermässig lange an potenziell ungünstige Zinskonditionen gebunden zu sein. Eine juristische Klarstellung verdeutlicht die genauen Fristen:

Sie nutzen Ihr Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB. 10 Jahre, nachdem Ihre Anschlussfinanzierung ausgezahlt wurde, können Sie diese mit einer Frist von 6 Monaten kündigen. Forward-Darlehen, die bei der vorherigen Bank prolongiert wurden, sind sogar bereits 10 Jahre nach dem Vertragsabschluss kündbar.

– Dr. Klein Rechtsabteilung, Landgericht Bochum AZ I-1 O 68/15

Die strategische Nutzung dieses Rechts eröffnet immense Möglichkeiten. Sollten die Zinsen nach Abschluss Ihrer Anschlussfinanzierung deutlich fallen, sind Sie nicht für die gesamte Laufzeit gefangen. Nach 10,5 Jahren können Sie zu den dann geltenden, besseren Konditionen umschulden, ohne eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen zu müssen. Dies gibt Ihnen die Freiheit, den Kredit an Ihre dann aktuelle Lebenssituation anzupassen. Laut einer Analyse von Verivox können Kreditnehmer durch einen solchen Wechsel nicht nur von niedrigeren Zinsen profitieren, sondern auch neue Raten vereinbaren, die Tilgung anpassen oder die Laufzeit verkürzen, um die Gesamtkosten des Kredits signifikant zu senken.

Wie bereiten Sie sich finanziell auf eine Verdopplung der Rate vor?

Strategische Planung ist wichtig, doch die unmittelbare Herausforderung ist die potenziell drastisch höhere Monatsrate. Ein Zinsanstieg hat massive Auswirkungen auf das monatliche Budget. Eine aktuelle Beispielrechnung von Dr. Klein zeigt, dass bereits ein Anstieg um 3,2 Prozentpunkte zu einer um bis zu 950 € höheren Monatsrate führen kann. Über die Laufzeit summieren sich die Mehrkosten auf über 100.000 €. Sich auf ein solches Szenario vorzubereiten, ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit.

Der effektivste Weg ist ein persönlicher „Haushalts-Stresstest“. Warten Sie nicht, bis die neue Rate fällig wird, sondern simulieren Sie die Belastung schon heute. Beginnen Sie ein bis zwei Jahre vor Ende der Zinsbindung damit, die Differenz zwischen Ihrer aktuellen und der erwarteten zukünftigen Rate auf ein separates Tagesgeldkonto zu überweisen. Dieser Schritt hat einen doppelten Vorteil: Sie gewöhnen sich an die höhere finanzielle Belastung und bauen gleichzeitig eine wertvolle Rücklage auf, die Sie für eine Sondertilgung oder unvorhergesehene Ausgaben nutzen können. Es ist ein Lackmustest für die Tragbarkeit Ihrer zukünftigen Finanzierung.

Die Vorbereitung geht jedoch über die reine Simulation hinaus. Eine systematische Herangehensweise hilft, alle Eventualitäten abzudecken und die bestmögliche Ausgangslage zu schaffen.

Ihr 5-Punkte-Plan für den finanziellen Stresstest

  1. Belastung simulieren: Überweisen Sie die erwartete Ratendifferenz monatlich auf ein Tagesgeldkonto, mindestens 12 Monate vor der Umschuldung.
  2. Szenarien durchrechnen: Nutzen Sie einen Online-Kreditrechner, um verschiedene Zinsszenarien (+0,5%, +1,0%, +1,5%) zu modellieren und deren Auswirkung auf Ihre Rate zu verstehen.
  3. Sicherheit priorisieren: Erwägen Sie eine lange Zinsbindung von 15 Jahren oder mehr für Ihre Anschlussfinanzierung, um das Zinsänderungsrisiko für einen langen Zeitraum auszuschalten.
  4. Fördermittel prüfen: Informieren Sie sich über mögliche KfW-Programme (z.B. 261/262 für energetische Sanierung), falls Sie Modernisierungsmassnahmen planen. Diese können die Finanzierungslast reduzieren.
  5. Worst-Case-Alternativen kennen: Beschäftigen Sie sich proaktiv mit Notfallplänen wie einem Immobilien-Teilverkauf, einer Verrentung oder der Untervermietung, auch wenn Sie hoffen, diese nie zu benötigen. Wissen ist hier Macht.

Warum fallen Kurse alter Anleihen, wenn die EZB die Zinsen erhöht?

Um die aktuelle Situation am Immobilienmarkt zu verstehen, ist ein grundlegendes Wissen über die Funktionsweise der Finanzmärkte hilfreich. Eine häufig gestellte Frage betrifft das Zusammenspiel von Leitzinsen und Anleihekursen. Die Regel ist einfach: Wenn die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen erhöht, fallen die Kurse (also die Marktwerte) von bereits existierenden Anleihen mit niedrigerer Verzinsung. Dies ist eine umgekehrte Beziehung, die auf dem Prinzip der relativen Attraktivität beruht.

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen eine ältere Staatsanleihe, die Ihnen 1% Zinsen pro Jahr zahlt. Nun gibt der Staat neue Anleihen aus, die aufgrund des gestiegenen Leitzinses 3% Zinsen bieten. Ihre alte Anleihe ist im Vergleich plötzlich unattraktiv geworden. Niemand würde Ihnen Ihre 1%-Anleihe zum vollen Preis abkaufen, wenn man am Markt eine neue mit 3% erwerben kann. Damit Ihre alte Anleihe wieder konkurrenzfähig wird, muss ihr Preis (der Kurs) so lange fallen, bis die Rendite für einen neuen Käufer wieder den aktuellen 3% entspricht. Dieser Mechanismus erklärt, warum viele Anleihe-Portfolios im Zuge der Zinserhöhungen an Wert verloren haben.

Die Entscheidungen der EZB haben also direkte Auswirkungen auf die Bewertung von festverzinslichen Wertpapieren. Nach der letzten EZB-Entscheidung liegt der wichtige Einlagenzins bei 2,0 Prozent (Stand der zugrundeliegenden Quelle). Jede Änderung dieses Satzes sendet Schockwellen durch die Märkte und beeinflusst indirekt auch die Konditionen, die Banken für Baufinanzierungen anbieten. Ein Verständnis dieses Zusammenhangs hilft, die allgemeine Zinslandschaft besser einzuordnen und die Notwendigkeit einer proaktiven Finanzierungsstrategie zu erkennen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Proaktivität schlägt Passivität: Beginnen Sie bis zu 5 Jahre vor Ende der Zinsbindung mit der Planung Ihrer Anschlussfinanzierung, um sich gegen steigende Zinsen abzusichern.
  • Die Hausbank ist selten die beste Wahl: Ein Vergleich und eine Umschuldung zu einer neuen Bank können trotz geringer Nebenkosten eine Ersparnis von mehreren Tausend Euro bringen.
  • Kennen Sie Ihre Rechte: Das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB ist Ihr Joker, um nach 10 Jahren aus langfristigen Verträgen auszusteigen und von gefallenen Zinsen zu profitieren.

Der Fehler, im Alter zu 100% in Aktien investiert zu bleiben

Eine strategische Anschlussfinanzierung muss im Kontext Ihres gesamten Vermögens betrachtet werden. Ein häufiger Fehler, insbesondere im fortgeschrittenen Alter, ist die mangelnde Anpassung der Anlagestrategie an die Lebensphase. Während ein hoher Aktienanteil in jungen Jahren sinnvoll ist, um von langfristigem Wachstum zu profitieren, birgt er kurz vor oder während des Rentenalters ein erhöhtes Risiko. Ein plötzlicher Börsencrash kann die über Jahrzehnte aufgebauten Rücklagen empfindlich schmälern – genau dann, wenn Sie darauf zugreifen müssen.

Dieses Prinzip der Risikoreduzierung kann strategisch für Ihre Immobilienfinanzierung genutzt werden. Anstatt volatile Aktienbestände zu halten, kann es sinnvoll sein, einen Teil des Portfolios aufzulösen und das freigewordene Kapital für eine kräftige Sondertilgung bei der Anschlussfinanzierung zu verwenden. Diese Umschichtung von einem volatilen (Aktien) in ein extrem sicheres und renditestarkes „Investment“ (die Tilgung Ihrer eigenen Schulden) hat mehrere Vorteile: Sie senken Ihre Restschuld, was zu einem besseren Zinssatz bei der neuen Bank führt, und reduzieren gleichzeitig Ihre monatliche Belastung und das Gesamtrisiko Ihres Vermögens.

Makroaufnahme von Münzen und Anlagesymbolen

Diese Strategie erfordert eine vorausschauende Planung. Wie Finanzexperten raten, sollten Kreditnehmer etwa ein Jahr vor dem Ende der Zinsbindung beginnen, das Zinsniveau zu beobachten und ihr Portfolio auf eine mögliche Umschuldung vorzubereiten. Die Reduzierung des Aktienanteils zugunsten einer Sondertilgung ist ein Akt der finanziellen Souveränität. Sie tauschen spekulatives Risiko gegen garantierte Ersparnis und Stabilität. Es ist eine bewusste Entscheidung, das Vermögen zu sichern und die finanzielle Last für den Ruhestand zu verringern.

Wie Sie Ihre finanziellen Ziele erreichen und eine Rentenlücke von 800 € schliessen?

Die Explosion der Zinsen bei einer Anschlussfinanzierung ist mehr als nur eine monatliche Mehrbelastung. Sie ist ein direkter Angriff auf Ihre langfristigen finanziellen Ziele, insbesondere auf Ihre Altersvorsorge. Jede Erhöhung der Kreditrate reduziert den Betrag, den Sie monatlich für Ihren Ruhestand zurücklegen können. Eine 500 € höhere Monatsrate bedeutet eine jährliche Zusatzbelastung von 6.000 €. Geld, das nicht mehr in Ihre private Rentenversicherung, Ihren ETF-Sparplan oder andere Vorsorgeprodukte fliesst. Über die Jahre kann dies eine bereits bestehende Rentenlücke von beispielsweise 800 € pro Monat dramatisch vergrössern.

Das Erreichen Ihrer finanziellen Ziele hängt daher massgeblich davon ab, wie strategisch und erfolgreich Sie die Herausforderung der Anschlussfinanzierung meistern. Jede der in diesem Artikel vorgestellten Strategien – vom Forward-Darlehen über die konsequente Umschuldung bis hin zur Nutzung des Sonderkündigungsrechts – zielt nicht nur darauf ab, die monatliche Rate zu senken. Das übergeordnete Ziel ist es, finanziellen Spielraum zu schaffen, um Ihre Sparziele weiterhin zu verfolgen und Ihre finanzielle Unabhängigkeit im Alter zu sichern. Die günstigste Anschlussfinanzierung ist somit Ihr bester Beitrag zur Schliessung der Rentenlücke.

Die Auseinandersetzung mit diesem Thema ist ein entscheidender Schritt zur Erlangung vollständiger finanzieller Souveränität. Es geht darum, die Immobilie nicht als finanzielle Fessel, sondern als stabilen Baustein eines gesunden Gesamtvermögens zu begreifen. Durch proaktives Handeln und die Nutzung aller zur Verfügung stehenden legalen und finanziellen Instrumente verwandeln Sie eine Bedrohung in eine Chance zur Optimierung Ihrer gesamten Finanzlage.

Um Ihre finanzielle Situation zu stabilisieren und Ihre langfristigen Ziele zu schützen, besteht der nächste logische Schritt darin, eine professionelle und auf Ihre individuelle Situation zugeschnittene Analyse Ihrer Umschuldungsoptionen einzuholen.

Häufige Fragen zur Anschlussfinanzierung in der Zinskrise

Was tun, wenn die Rate zu hoch wird?

Eigentümer von selbst genutztem Wohneigentum können möglicherweise Anspruch auf einen Lastenzuschuss haben, sofern sie nicht bereits andere staatliche Unterstützungsleistungen erhalten. Informationen hierzu geben die Wohngeldbehörden der Gemeinde-, Stadt- oder Kreisverwaltungen.

Welche radikalen Lösungen gibt es?

Sollte die Belastung untragbar werden, gibt es verschiedene Optionen, um Kapital freizusetzen oder Kosten zu senken. Dazu gehören der Immobilien-Teilverkauf, die Untervermietung eines Teils der Immobilie nach § 553 BGB oder ein strategischer Verkauf mit anschliessendem Mietverhältnis, um im gewohnten Umfeld bleiben zu können.

Wo gibt es professionelle Hilfe?

Wer sich seine Raten nicht mehr leisten kann, sollte umgehend Unterstützung suchen. Professionelle und oft kostenlose Hilfe bieten die anerkannten Schuldnerberatungsstellen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung e.V. listet Beratungsstellen bei Überschuldung in Ihrer Nähe.

Geschrieben von Markus Weber, Erfahrener Immobilieninvestor und zertifizierter Sachverständiger für Immobilienbewertung mit einem eigenen Portfolio von über 30 Einheiten. Spezialist für den Vermögensaufbau mit "Betongold", Finanzierungsstrukturen und Mietrecht.