Veröffentlicht am März 11, 2024

Die Outperformance der besten Wachstumsaktien ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Systems aus messbaren Kennzahlen und qualitativen Vorteilen.

  • Erfolgreiche Unternehmen kombinieren hohes Umsatzwachstum mit steigender Profitabilität (Rule of 40).
  • Gründergeführte Firmen und solche mit hoher Kapitaleffizienz (ROIC) zeigen oft eine nachhaltigere Wertentwicklung.

Empfehlung: Analysieren Sie Kandidaten systematisch anhand der 8 in diesem Artikel vorgestellten Merkmale, um emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden.

Jeder Anleger kennt das Gefühl, eine transformative Chance verpasst zu haben. Wer früh in Unternehmen wie Amazon, Nemetschek oder Sartorius investierte, konnte sein Kapital vervielfachen. Doch im Rückblick erscheint der Erfolg offensichtlich, während die vorausschauende Auswahl wie ein Glücksspiel wirkt. Viele Ratgeber empfehlen, auf naheliegende Indikatoren wie „hohes Umsatzwachstum“ oder „innovative Technologien“ zu achten. Diese Ratschläge sind zwar nicht falsch, aber sie greifen zu kurz. Sie bilden nur die Oberfläche eines vielschichtigen Systems ab und führen oft zu kostspieligen Fehlentscheidungen, da sie die entscheidenden qualitativen und quantitativen Faktoren übersehen.

Die wahre Frage ist nicht, *ob* ein Unternehmen wächst, sondern *wie* es wächst und wie nachhaltig dieses Wachstum ist. Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Jagd nach dem nächsten heissen Tipp, sondern im Aufbau eines analytischen Frameworks. Die erfolgreichsten Wachstumsaktien der letzten zehn Jahre teilen eine Reihe spezifischer, messbarer Merkmale, die weit über generische Ratschläge hinausgehen. Es geht um die Effizienz der Kapitalallokation, die Qualität des Geschäftsmodells und die Vision der Unternehmensführung. Diese Faktoren lassen sich systematisch analysieren und bewerten.

Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Betrachtung und liefert Ihnen ein strukturiertes System. Wir werden acht entscheidende Merkmale analysieren, die Top-Performer auszeichnen. Anstatt vager Ideen erhalten Sie ein quantifizierbares Framework, das Ihnen hilft, die Spreu vom Weizen zu trennen, die Nachhaltigkeit des Wachstums zu beurteilen und die Gewinner von morgen mit höherer Wahrscheinlichkeit zu identifizieren.

Warum digitale Geschäftsmodelle schneller wachsen als die Industrie?

Digitale Geschäftsmodelle, insbesondere im Software-as-a-Service (SaaS)-Bereich, besitzen einen fundamentalen strukturellen Vorteil gegenüber traditionellen Industrieunternehmen: extreme Skalierbarkeit bei geringen Grenzkosten. Während ein Maschinenbauer für jede verkaufte Einheit erneut Material und Arbeitskraft aufwenden muss, kann ein Softwareunternehmen sein Produkt an Tausende von neuen Kunden ausliefern, ohne dass die Kosten proportional ansteigen. Dieser Effekt wird durch Netzwerkeffekte weiter verstärkt, bei denen der Wert des Dienstes mit jedem neuen Nutzer zunimmt.

Diese Überlegenheit lässt sich quantifizieren. In Deutschland zeigt sich eine deutliche Kluft im Digitalisierungsgrad verschiedener Sektoren. Aktuelle Daten des BMWK belegen, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie-Branche (IKT) mit 293,1 Indexpunkten führend ist, während der traditionelle Maschinenbau lediglich 154,8 Punkte erreicht. Diese Diskrepanz spiegelt das höhere Wachstumspotenzial wider, das in der digitalen Transformation liegt.

Selbst etablierte Industrieunternehmen erkennen dieses Potenzial und transformieren ihre Modelle. Die sogenannte „Servitization“ ist hierbei ein Schlüsselkonzept. Ein gutes Beispiel ist ABB: Das Unternehmen hat Konnektivität tief in seine Produkte integriert und bietet nun datenbasierte Services über den gesamten Lebenszyklus an. Statt nur Komponenten zu verkaufen, liefert ABB komplette Systemlösungen und erzielt dadurch nachhaltige, zweistellige Wachstumsraten. Für Investoren bedeutet das: Suchen Sie nach Unternehmen mit digitalen, wiederkehrenden Umsatzströmen oder nach traditionellen Firmen, die diesen Wandel erfolgreich vollziehen.

Wie erkennen Sie Technologien, die alte Branchen komplett verdrängen?

Disruptive Technologien sind der Motor für exponentielles Wachstum. Sie schaffen nicht nur neue Märkte, sondern zerstören auch bestehende. Beispiele wie die Verdrängung von analogen Kameras durch digitale Fotografie oder von Videotheken durch Streaming-Dienste sind allgegenwärtig. Für Anleger ist die frühzeitige Identifikation solcher technologischen Umbrüche entscheidend, um die Gewinner der nächsten Generation zu finden. Das Disruptionspotenzial ist jedoch oft schwer zu fassen, bevor es den Massenmarkt erreicht.

Abstrakte Darstellung von technologischen Disruptionswellen in verschiedenen Industriesektoren

Anstatt auf Medienrummel zu warten, können systematische Anleger Frühindikatoren nutzen, um technologische Verschiebungen zu erkennen. Es geht darum, die Signale vom Rauschen zu trennen. Ein strukturierter Ansatz ist hierbei unerlässlich, um nicht jedem Hype zu folgen, sondern fundierte Entscheidungen zu treffen. Folgende Punkte dienen als pragmatische Checkliste zur Identifikation:

  • Patentanmeldungen analysieren: Eine steigende Anzahl von Patentanmeldungen in Schlüsselbereichen wie Künstliche Intelligenz, Batterietechnologie oder Gentechnik beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) signalisiert intensive Forschungsaktivitäten.
  • Venture-Capital-Flüsse beobachten: Führende VC-Fonds wie der High-Tech Gründerfonds investieren in die Technologien von morgen. Die Analyse ihrer Portfolios gibt Aufschluss über vielversprechende Sektoren.
  • F&E-Budgets von Konzernen verfolgen: Wenn etablierte Player ihre Forschungs- und Entwicklungsbudgets in neue Bereiche umschichten, ist dies ein starkes Signal für eine wahrgenommene Bedrohung oder Chance.
  • Neue Geschäftsmodelle identifizieren: Achten Sie auf Start-ups, die traditionelle Wertschöpfungsketten mit neuen Ansätzen (z. B. Abo-Modelle, Plattformen) angreifen.

Warum performen gründergeführte Firmen oft besser als managergeführte Konzerne?

Ein oft unterschätztes, aber entscheidendes qualitatives Merkmal erfolgreicher Wachstumsunternehmen ist die Führung durch den Gründer oder die Gründerfamilie. Im Gegensatz zu angestellten Managern, deren Anreize oft auf kurz- bis mittelfristige Ziele und Boni ausgerichtet sind, denken Gründer in Dekaden. Ihr persönlicher Erfolg und ihr Vermögen sind untrennbar mit dem langfristigen Schicksal des Unternehmens verbunden. Diese „Skin in the Game“-Mentalität führt zu einer fundamental anderen Kapitalallokation und einer höheren Risikobereitschaft für zukunftsweisende Investitionen.

Diese These wird durch Daten gestützt. Eine Analyse von Aktien aus dem MDAX zeigt eine deutliche Outperformance gründergeführter Unternehmen, wie der folgende Vergleich verdeutlicht.

Vergleich: Gründergeführte vs. Managergeführte Unternehmen im MDAX
Kriterium Gründergeführt Managergeführt
Durchschnittliche Jahresrendite 18,3% 11,7%
Langfristige Vision 10+ Jahre 3-5 Jahre
Reinvestitionsquote 75% 45%
Key-Man-Risiko Hoch Niedrig
Beispiele Sartorius, Nemetschek DAX-Konzerne

Der Experte für Wachstumsstrategien, Stefan Waldhauser, fasst diesen Unterschied prägnant zusammen:

Gründergeführte Unternehmen haben eine langfristige Kapitalallokation, die sich fundamental von der eines angestellten Managers unterscheidet.

– Stefan Waldhauser, High-Growth-Investing Strategie

Der Hauptgrund für die bessere Performance liegt in der Bereitschaft, kurzfristige Gewinne für langfristiges, dominantes Marktwachstum zu opfern. Während ein angestellter CEO Quartalsergebnisse rechtfertigen muss, kann ein Gründer wie Jeff Bezos jahrelang investieren, um eine uneinnehmbare Marktposition aufzubauen. Das höhere „Key-Man-Risiko“ ist dabei die Kehrseite der Medaille, doch bei Unternehmen mit starken Visionären ist es oft ein kalkulierbares Risiko, das durch die potenzielle Outperformance mehr als kompensiert wird.

Die Gefahr, dass dem Unternehmen das Geld ausgeht, bevor der Gewinn kommt

Hohes Wachstum ist teuer. Viele junge Unternehmen investieren aggressiv in Marketing, Vertrieb und Entwicklung, um Marktanteile zu gewinnen. In dieser Phase verbrennen sie oft mehr Geld, als sie einnehmen. Diese negative „Burn Rate“ ist per se kein Warnsignal, solange eine klare Strategie zur zukünftigen Profitabilität existiert. Die entscheidende Frage für einen Investor ist jedoch: Wie lange kann sich das Unternehmen dieses negative Ergebnis leisten, bevor das Geld ausgeht? Die Antwort darauf gibt die finanzielle Reichweite (Cash Runway).

Metaphorische Darstellung der finanziellen Reichweite eines Wachstumsunternehmens

Die Analyse der Cash Runway ist eine unverzichtbare Risikoprüfung. Eine zu kurze Reichweite kann das Unternehmen zwingen, zu einem ungünstigen Zeitpunkt neues Kapital aufzunehmen, was zu einer starken Verwässerung der Anteile bestehender Aktionäre führt. Im schlimmsten Fall droht die Insolvenz. Ein systematischer Investor muss daher in der Lage sein, diese Kennzahl selbstständig zu ermitteln und zu bewerten. Die folgende Anleitung zeigt die notwendigen Schritte.

Ihr Plan zur Prüfung der Cash Runway

  1. Operativen Cashflow lokalisieren: Finden Sie den operativen Cashflow (OCF) im aktuellsten Quartals- oder Jahresbericht des Unternehmens.
  2. Investitionsausgaben (CapEx) identifizieren: Suchen Sie im selben Bericht nach den „Capital Expenditures“ oder Investitionen in Sachanlagen.
  3. Free Cash Flow (FCF) berechnen: Ziehen Sie die Investitionsausgaben vom operativen Cashflow ab (FCF = OCF – CapEx). Bei Wachstumsfirmen ist dieser Wert oft negativ.
  4. Reichweite kalkulieren: Teilen Sie die liquiden Mittel („Cash and Cash Equivalents“) durch die monatliche negative Burn Rate (negativer FCF / 12). Das Ergebnis ist die Reichweite in Monaten.
  5. Warnsignale prüfen: Achten Sie auf Ad-hoc-Mitteilungen zu geplanten Kapitalmassnahmen. Diese sind oft ein Indiz für eine schwindende finanzielle Reichweite.

PEG-Ratio statt KGV: Welches Werkzeug passt zu Wachstumsaktien?

Das traditionelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ist eine der bekanntesten Bewertungskennzahlen, aber für Wachstumsaktien ist es oft ungeeignet oder sogar irreführend. Da diese Unternehmen einen Grossteil ihrer Einnahmen direkt wieder in weiteres Wachstum reinvestieren, ist ihr ausgewiesener Gewinn (das „G“ im KGV) künstlich niedrig oder sogar negativ. Ein hohes KGV schreckt viele Anleger ab, obwohl es lediglich die aggressive Investitionsstrategie des Unternehmens widerspiegelt.

Ein weitaus besseres Werkzeug für die Bewertung von Wachstumsunternehmen ist das von Investorenlegende Peter Lynch populär gemachte PEG-Ratio (Price/Earnings-to-Growth). Diese Kennzahl setzt das KGV ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum. Die Formel lautet: PEG-Ratio = KGV / Erwartetes jährliches Gewinnwachstum in Prozent. Dadurch wird die hohe Bewertung in einen Kontext gestellt. Ein Unternehmen mag ein KGV von 50 haben, aber wenn es seinen Gewinn jährlich um 50 % steigert, erscheint die Bewertung in einem ganz anderen Licht.

Als Faustregel gilt in der Wachstumsbewertung, dass Aktien mit einem PEG-Ratio unter 1,0 als potenziell unterbewertet gelten. Ein Wert um 1,0 deutet auf eine faire Bewertung hin, während Werte deutlich über 1,5 auf eine mögliche Überbewertung hindeuten können. Das PEG-Ratio ist kein Allheilmittel und sollte immer im Kontext der Branche und der Qualität des Unternehmens betrachtet werden. Es bietet jedoch eine deutlich aussagekräftigere Perspektive als das isolierte KGV und hilft dabei, teuer erscheinende Aktien zu identifizieren, deren Preis durch starkes zukünftiges Wachstum gerechtfertigt ist.

Wie nutzen Profis die „Rule of 40“ zur Bewertung von SaaS-Aktien?

Speziell für Software-as-a-Service (SaaS)-Unternehmen hat sich eine Kennzahl als Goldstandard etabliert: die Rule of 40. Diese einfache Regel bietet einen schnellen und effektiven Weg, um die Balance zwischen Wachstum und Profitabilität zu bewerten – zwei Ziele, die oft im Widerspruch zueinander stehen. Die Regel besagt, dass die Summe aus der prozentualen Umsatzwachstumsrate und der Profitabilitätsmarge (oft die Free-Cash-Flow-Marge oder EBITDA-Marge) den Wert 40 übersteigen sollte. Ein Unternehmen, das diese Schwelle überschreitet, gilt als gesund und operativ effizient.

Die Schönheit der Rule of 40 liegt in ihrer Flexibilität. Ein Unternehmen kann die Regel erfüllen, indem es extrem schnell wächst (z.B. 50% Umsatzwachstum bei -10% Marge) oder indem es profitabler ist und moderater wächst (z.B. 15% Wachstum bei 25% Marge). Beide Szenarien können auf ein starkes Geschäftsmodell hindeuten. Branchenanalysen untermauern die Relevanz dieser Kennzahl: Studien zeigen, dass rund 75% der erfolgreichen SaaS-Unternehmen einen Rule-of-40-Score von über 40 erreichen. Unternehmen, die dauerhaft darunter liegen, haben oft ein strukturelles Problem in ihrem Geschäftsmodell.

Ein Blick auf den europäischen Softwaremarkt zeigt die praktische Anwendung dieser Regel.

Rule of 40 – Europäische Software-Unternehmen im Vergleich
Unternehmen Umsatzwachstum EBITDA-Marge Rule of 40 Score
TeamViewer 15% 35% 50
Nemetschek 12% 31% 43
SAP 8% 28% 36
Atoss Software 18% 29% 47

Diese Analyse hilft Investoren, die operative Effizienz schnell einzuschätzen. Ein Unternehmen wie SAP, das die Regel knapp verfehlt, gilt als reifer Konzern, während Unternehmen wie TeamViewer oder Atoss Software eine exzellente Balance aus Wachstum und Profitabilität aufweisen, was sie für Wachstumsanleger besonders attraktiv macht.

Wie erkennen Sie Unternehmen, die ihr Kapital effizient reinvestieren?

Langfristige Wertschöpfung entsteht nicht nur durch Umsatzwachstum, sondern vor allem durch die Fähigkeit des Managements, das erwirtschaftete Kapital profitabel zu reinvestieren. Ein Unternehmen, das hohe Renditen auf seine Investitionen erzielt, kann aus eigener Kraft wachsen, ohne ständig auf externes Kapital angewiesen zu sein. Die beste Kennzahl zur Messung dieser Fähigkeit ist der Return on Invested Capital (ROIC). Der ROIC zeigt, wie viel Gewinn ein Unternehmen für jeden in das operative Geschäft investierten Euro erzielt.

Die Formel lautet: ROIC = NOPAT / Investiertes Kapital. NOPAT steht für „Net Operating Profit After Tax“, also den operativen Gewinn nach Steuern. Ein hoher und idealerweise steigender ROIC ist ein starkes Indiz für einen tiefen wirtschaftlichen Burggraben (Moat) und eine herausragende Managementqualität. Unternehmen mit einem konstant hohen ROIC (z.B. über 15%) können einen Zinseszinseffekt für ihre Aktionäre erzeugen, da jeder reinvestierte Euro überdurchschnittlich hohe zukünftige Gewinne generiert.

Der Finanzexperte Christian W. Röhl betont die Bedeutung dieser Kennzahl für Aktionäre:

Ein hoher ROIC minimiert das Risiko zukünftiger Kapitalerhöhungen und damit der Verwässerung für Altaktionäre.

– Christian W. Röhl, Cool bleiben und Dividenden kassieren

Im Gegensatz zu Kennzahlen wie der Eigenkapitalrendite (ROE), die durch hohe Verschuldung verzerrt werden kann, berücksichtigt der ROIC sowohl Eigen- als auch Fremdkapital. Er gibt somit ein ehrlicheres Bild von der tatsächlichen operativen Effizienz des Unternehmens. Bei der Analyse von Wachstumsaktien sollte daher ein besonderes Augenmerk auf Unternehmen gelegt werden, die nicht nur schnell wachsen, sondern dies auch kapitaleffizient tun. Dies sind die wahren Qualitätsunternehmen, die in der Lage sind, langfristig überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Digitale und gründergeführte Geschäftsmodelle bieten strukturelle Wachstumsvorteile.
  • Kennzahlen wie die Rule of 40, PEG-Ratio und ROIC sind entscheidend für eine objektive Bewertung.
  • Eine systematische Analyse von Cash Runway und Umsatzwachstum minimiert Risiken und identifiziert Top-Performer.

Wie finden Sie Unternehmen, die ihren Umsatz jährlich um mehr als 20% steigern?

Nachdem wir die qualitativen und quantitativen Merkmale für nachhaltiges Wachstum definiert haben, kommt der letzte, entscheidende Filter: ein hohes und beständiges Umsatzwachstum. Eine jährliche Steigerung von über 20% pro Jahr ist ein starkes Signal, dass das Unternehmen über ein gefragtes Produkt oder eine gefragte Dienstleistung verfügt und in einem grossen, wachsenden Markt tätig ist. Dieses Kriterium dient als finaler Screening-Faktor, um aus der Masse der Unternehmen eine überschaubare Watchlist potenzieller Champions zu erstellen.

Um solche Unternehmen systematisch zu finden, sind Aktien-Screener unverzichtbare Werkzeuge. Plattformen wie Finviz, aktien.guide oder die Screener vieler Online-Broker ermöglichen es, das gesamte Aktienuniversum nach spezifischen Kriterien zu filtern. Eine effektive Screening-Strategie für den deutschen Markt könnte wie folgt aussehen:

  • Filter für Umsatzwachstum: Setzen Sie den Filter für das durchschnittliche jährliche Umsatzwachstum der letzten 3-5 Jahre auf „> 20%“.
  • Fokus auf Indizes: Beschränken Sie die Suche auf Indizes wie den MDAX, SDAX und TecDAX, da hier viele deutsche „Hidden Champions“ zu finden sind.
  • Wachstumsart unterscheiden: Prüfen Sie, ob das Wachstum organisch (aus eigener Kraft) oder durch Zukäufe (M&A) erzielt wurde. Organisches Wachstum ist in der Regel nachhaltiger und ein stärkeres Qualitätssignal.
  • Wiederkehrende Umsätze priorisieren: Bei Software- und Abo-Modellen ist der „Annual Recurring Revenue“ (ARR) eine zentrale Grösse. Priorisieren Sie Unternehmen mit hohem und wachsendem ARR.

Dieser Prozess liefert eine Liste von Kandidaten wie CTS Eventim oder Jenoptik, die dann einer tiefergehenden Analyse anhand der zuvor besprochenen Merkmale (ROIC, Rule of 40, Führung etc.) unterzogen werden können. Es ist wichtig, den Kontext zu beachten. Eine Analyse des US-Marktes zeigt, dass dort in den letzten 20 Jahren Wachstumsraten von durchschnittlich 22% erzielt wurden, was die 20%-Marke als realistische Benchmark für Top-Unternehmen etabliert. Dieses systematische Vorgehen wandelt die Aktiensuche von einem Glücksspiel in einen disziplinierten Prozess um.

Der Aufbau eines Portfolios aus Wachstums-Champions ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein fortlaufender Prozess. Wenden Sie dieses systematische Framework noch heute an, um Ihre Watchlist zu erstellen, Ihre Analyse zu vertiefen und die potenziellen Gewinner von morgen mit einer höheren analytischen Sicherheit zu identifizieren.

Geschrieben von Dennis Schröder, Fintech-Spezialist und Blockchain-Analyst mit technischem Hintergrund in der Informatik. Er beobachtet seit 2014 den Krypto-Markt und schreibt über digitale Assets, DeFi und die Risiken neuer Technologien.