Veröffentlicht am März 12, 2024

Die wahre Nettomietrendite ist keine simple Formel, sondern das Ergebnis einer gnadenlosen Prüfung aller versteckten Kosten und Cashflow-Killer.

  • Die Instandhaltungsrücklage in der Teilungserklärung ist oft nur ein Mindestwert; der wahre Sanierungsbedarf (und damit Ihr Kostenrisiko) steckt in den WEG-Protokollen.
  • Die Eigenkapitalrendite, nicht die Mietrendite, offenbart die wahre Performance Ihrer Investition, angetrieben durch den Fremdkapitalhebel.

Empfehlung: Prüfen Sie die Beschlussprotokolle der Eigentümerversammlungen der letzten drei Jahre, bevor Sie auch nur eine Zahl in den Taschenrechner eingeben.

Der Traum vom passiven Einkommen durch Immobilien nährt sich von einer einfachen Formel: Mieteinnahmen minus Kosten gleich Gewinn. Viele angehende Vermieter, beflügelt von dieser Aussicht, stürzen sich auf die Berechnung der Bruttomietrendite und übersehen dabei die entscheidenden Details. Die landläufige Meinung ist, dass eine grobe Schätzung der Nebenkosten und ein pauschaler Abschlag für die Instandhaltung ausreichen, um das Potenzial einer Immobilie zu bewerten. Dieses Vorgehen ist jedoch der direkte Weg in die Schönrechnerei und potenziell in eine finanzielle Schieflage.

Die Wahrheit ist, dass eine Immobilie ein komplexes wirtschaftliches Gebilde ist. Die wirklichen Kosten – die wahren Cashflow-Killer – verstecken sich nicht in den Hochglanzbroschüren, sondern im Kleingedruckten von WEG-Protokollen, in den Nuancen der Betriebskostenverordnung und in den unkalkulierten Risiken von Leerstand und Sanierungsstau. Wer hier nicht mit der Akribie eines Controllers vorgeht, riskiert, seine Investition auf Sand zu bauen. Doch was, wenn der Schlüssel nicht in einer besseren Schätzung, sondern in einer grundlegend anderen Herangehensweise liegt? Was, wenn wir aufhören zu raten und anfangen, forensisch zu prüfen?

Dieser Leitfaden bricht mit der oberflächlichen Betrachtung. Er versetzt Sie in die Lage eines strengen Immobilien-Controllers, der keine Annahmen akzeptiert, sondern nur harte Fakten. Wir werden die Standardberechnung zerlegen und jeden Posten einer unerbittlichen Prüfung unterziehen. Sie lernen, die richtigen Fragen zu stellen, die entscheidenden Dokumente zu analysieren und die tatsächliche, ungeschönte Nettomietrendite zu ermitteln. Denn nur wer die wahren Zahlen kennt, kann eine fundierte und langfristig erfolgreiche Investitionsentscheidung treffen.

Für diejenigen, die einen schnellen visuellen Überblick bevorzugen, fasst das folgende Video oft die wichtigsten Aspekte zusammen und bietet eine alternative Perspektive zum geschriebenen Wort.

Um die wahre Rentabilität Ihrer potenziellen Kapitalanlage zu ermitteln, müssen wir die Berechnung systematisch und ohne Auslassungen durchführen. Die folgende Gliederung führt Sie durch alle kritischen Kostenstellen und strategischen Überlegungen, die für eine ehrliche Kalkulation unerlässlich sind.

Welche Verwaltungskosten und Instandhaltungsrücklagen schmälern Ihren Cashflow?

Zwei der am häufigsten unterschätzten Kostenblöcke bei einer Eigentumswohnung sind die Verwaltungskosten und die Instandhaltungsrücklage. Diese sind nicht verhandelbar und werden direkt von Ihrem potenziellen Cashflow abgezogen. Die reinen Verwaltungskosten für eine WEG-Immobilie erscheinen auf den ersten Blick überschaubar. Aktuelle Erhebungen zeigen jedoch eine klare Spanne, die in Ihrer Kalkulation berücksichtigt werden muss. Laut dem VDIV-Branchenbarometer 2024 liegen die Sätze für die WEG-Verwaltung in Deutschland je nach Region und Objektgröße zwischen 27,37 und 41,65 Euro brutto pro Einheit und Monat. Diese Kosten sind ein fester Bestandteil Ihrer monatlichen Ausgaben.

Weitaus tückischer ist die Instandhaltungsrücklage. Der im Wirtschaftsplan ausgewiesene Betrag ist oft nur der gesetzliche Mindestwert und spiegelt selten den wahren Zustand des Gebäudes wider. Ein versteckter Sanierungsstau ist einer der größten Cashflow-Killer. Wenn die Gemeinschaft über Jahre notwendige Reparaturen (Dach, Fassade, Heizung) aufgeschoben hat, drohen massive Sonderumlagen, die Ihre gesamte Renditeberechnung zunichtemachen. Die einzige Möglichkeit, dieses Risiko aufzudecken, ist eine forensische Analyse der Vergangenheit.

Ihr Plan zur Aufdeckung versteckter Kosten: WEG-Protokolle analysieren

  1. Protokolle prüfen: Fordern Sie die Protokolle der letzten drei Eigentümerversammlungen an und suchen Sie nach wiederholt verschobenen Sanierungsmaßnahmen.
  2. Abstimmungen identifizieren: Achten Sie auf strittige Abstimmungsergebnisse zu Kostenpunkten, die auf Konflikte in der Gemeinschaft hindeuten.
  3. Gutachten aufspüren: Notieren Sie alle erwähnten, aber nicht beschlossenen Gutachten (z. B. für Feuchtigkeit im Keller), die auf bekannte, aber ignorierte Probleme hinweisen.
  4. Rücklagenhöhe bewerten: Vergleichen Sie die Höhe der ausgewiesenen Instandhaltungsrücklage mit dem Alter und Zustand des Gebäudes. Eine niedrige Rücklage bei einem Altbau ist ein Alarmsignal.
  5. Zahlungsmoral prüfen: Suchen Sie im Protokoll oder der Abrechnung nach Hinweisen auf hohe Hausgeldrückstände einzelner Eigentümer, die die Liquidität der gesamten Gemeinschaft gefährden.

Diese Prüfung ist unerlässlich. Sie verwandelt eine vage Annahme in eine fundierte Risikoabschätzung. Erst nach diesem Schritt können Sie eine realistische Zahl für die monatliche Belastung durch Instandhaltung in Ihre Kalkulation einsetzen.

Welches Mietmodell schützt Ihren Cashflow besser vor der Inflation?

Die Wahl des richtigen Mietvertragsmodells ist keine reine Formsache, sondern eine strategische Entscheidung, die direkten Einfluss auf die langfristige Rentabilität Ihrer Investition hat. In Zeiten schwankender Inflation kann das gewählte Modell entweder als Schutzschild für Ihren Cashflow dienen oder ihn langsam erodieren lassen. Die drei gängigsten Modelle in Deutschland – Indexmiete, Staffelmiete und Mieterhöhung nach ortsüblicher Vergleichsmiete (§ 558 BGB) – haben fundamental unterschiedliche Auswirkungen.

Visualisierung verschiedener Mietmodelle und deren Auswirkung auf den Cashflow bei unterschiedlichen Inflationsszenarien

Die Indexmiete koppelt die Mietanpassung direkt an den Verbraucherpreisindex. In Phasen hoher Inflation sichert sie Ihnen eine automatische, quasi widerstandslose Erhöhung und schützt so Ihre reale Rendite. Bei Deflation oder stagnierenden Preisen besteht jedoch das Risiko, dass keine Erhöhungen möglich sind oder die Miete theoretisch sogar sinken könnte. Die Staffelmiete bietet absolute Planungssicherheit für beide Seiten. Die Mieterhöhungen sind von Vertragsbeginn an exakt terminiert und beziffert. Dies verhindert Diskussionen, macht Sie aber unflexibel gegenüber einem unerwartet stark anziehenden Markt. Das Modell der Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete ist am flexibelsten, aber auch am aufwendigsten. Es erfordert eine ständige Marktbeobachtung und eine formell korrekte Begründung der Erhöhung, oft mittels eines Mietspiegels oder Vergleichswohnungen, was zu Diskussionen mit dem Mieter führen kann.

Die strategische Auswahl des passenden Modells ist entscheidend für Ihre Rendite. Der folgende Vergleich zeigt die Kernmerkmale auf einen Blick und hilft bei der Einordnung für Ihr spezifisches Investitionsziel.

Vergleich der Mietmodelle
Mietmodell Vorteile Nachteile Beste Anwendung
Indexmiete Automatische Inflationsanpassung Risiko bei Deflation Hochinflationsphasen
Staffelmiete Planungssicherheit für beide Parteien Keine Flexibilität bei Marktänderungen Stabile Märkte
§ 558 BGB Maximale Flexibilität Aufwändiger Prozess Dynamische Märkte

Wie viele Monate Leerstand müssen Sie in Ihrer Kalkulation berücksichtigen?

Ein häufiger Fehler bei der Renditeberechnung ist die Annahme einer hundertprozentigen Vermietung über den gesamten Investitionszeitraum. Leerstand ist kein „Wenn“, sondern ein „Wann“ und muss als reale Kostenposition kalkuliert werden. Eine pauschale Annahme von 2 % Mietausfall pro Jahr (ca. eine viertel Monatsmiete) ist eine verbreitete, aber oft zu optimistische Faustformel. Die Realität ist standortabhängig: In A-Städten wie München oder Hamburg mag das Leerstandsrisiko tatsächlich unter 2 % liegen, in strukturschwachen, ländlichen Regionen kann es jedoch schnell 5 % oder mehr betragen.

Entscheidend ist, dass Leerstand weit mehr als nur den reinen Mietausfall bedeutet. Ein Mieterwechsel verursacht eine Kaskade an weiteren Kosten, die oft übersehen werden. Dazu gehören:

  • Schönheitsreparaturen: Auch bei pfleglichen Mietern fallen nach einem Auszug oft Malerarbeiten oder kleinere Reparaturen an (Kosten: 500 – 2.000 €).
  • Inseratskosten: Die Schaltung von Anzeigen auf den relevanten Portalen kann sich auf 100 – 300 € summieren.
  • Maklergebühren: Sollten Sie einen Makler beauftragen, fallen in der Regel zwei bis drei Monatskaltmieten als Provision an.
  • Zeitaufwand: Ihre eigene Zeit für die Organisation, Durchführung von Besichtigungen und die Mieterauswahl ist ebenfalls ein Kostenfaktor.

Ein realistischer Controller rechnet daher nicht mit einem vagen Prozentsatz, sondern mit konkreten Szenarien. Eine konservative und ehrliche Kalkulation sollte mindestens eine volle Monatsmiete pro Jahr für das kombinierte Risiko aus Leerstand und Mieterwechselkosten ansetzen. In weniger gefragten Lagen oder bei Objekten mit hohem Mieterwechsel (z. B. kleine Studentenapartments) sollten Sie sogar 1,5 bis 2 Monatsmieten ansetzen, um einen Puffer für unvorhergesehene Ausfälle zu haben.

Wie verbessert die Abschreibung (AfA) Ihren monatlichen Netto-Cashflow?

Die Abschreibung für Abnutzung (AfA) ist eines der mächtigsten, aber oft missverstandenen Instrumente für Kapitalanleger in Deutschland. Viele sehen sie nur als einen Posten in der Steuererklärung. Ein Controller erkennt jedoch, dass die AfA ein fiktiver Aufwand ist, der zu einer echten Steuerersparnis und somit zu einem höheren monatlichen Netto-Cashflow führt. Sie geben das Geld nicht aus, können es aber von Ihren Mieteinnahmen abziehen und senken so Ihre Steuerlast. Der Clou: Die Steuerersparnis ist reales Geld, das Ihnen monatlich zur Verfügung steht.

Standardmäßig können Sie bei Immobilien, die nach 1924 gebaut wurden, jährlich 2 % der Anschaffungs- und Herstellungskosten des Gebäudes abschreiben. Bei Neubauten, die bestimmte Kriterien erfüllen, sind sogar degressive AfA-Sätze möglich. Diese Abschreibung mindert Ihr zu versteuerndes Einkommen aus Vermietung und Verpachtung. Das Ergebnis ist ein direkter Liquiditätsvorteil.

Beispielrechnung: Die reale Auswirkung der AfA

Angenommen, der Gebäudeanteil Ihrer Immobilie beträgt 100.000 €. Bei einer linearen AfA von 2 % können Sie jährlich 2.000 € als Werbungskosten geltend machen. Wenn Ihr persönlicher Grenzsteuersatz bei 42 % liegt, ergibt sich daraus eine jährliche Steuerersparnis von 840 € (2.000 € * 42 %). Das bedeutet, Ihr monatlicher Netto-Cashflow verbessert sich um 70 €, ohne dass Sie einen Cent mehr Miete einnehmen.

Um diesen Effekt zu maximieren, ist es entscheidend, den abschreibungsfähigen Gebäudeanteil am Kaufpreis so hoch wie möglich anzusetzen. Der nicht abschreibbare Grund- und Bodenanteil sollte minimiert werden. Professionelle Investoren lassen hierfür oft ein Gutachten zur Kaufpreisaufteilung erstellen. Weiterhin ist es essenziell, alle Modernisierungskosten, die als Erhaltungsaufwand sofort absetzbar sind, penibel zu dokumentieren.

Wie erkennen Sie drohende Sonderzahlungen für das Gemeinschaftseigentum?

Eine der größten finanziellen Gefahren für Eigentümer einer Wohnung innerhalb einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG) ist die Sonderumlage. Dies ist eine außerplanmäßige Zahlung, die von allen Eigentümern gefordert wird, wenn die Instandhaltungsrücklage für eine notwendige, größere Sanierung (z.B. Dach, Fassade, Heizungsanlage) nicht ausreicht. Solche Zahlungen können schnell fünfstellige Beträge erreichen und Ihre gesamte Renditekalkulation über den Haufen werfen. Ein vorausschauender Controller sucht aktiv nach den Warnsignalen für solche drohenden Liquiditätsfallen.

Das zentrale Dokument für diese forensische Analyse ist, wie bereits erwähnt, das Protokoll der Eigentümerversammlungen. Hier wird offenbart, welche Themen diskutiert, vertagt oder ignoriert wurden. Achten Sie besonders auf wiederkehrende Diskussionen über den Zustand von Gemeinschaftseigentum, auf Anträge für teure Gutachten oder auf Kostenvoranschläge, die dann doch nicht zu einem Beschluss geführt haben. Dies sind klare Indikatoren für bekannte, aber aufgeschobene Probleme.

Detailaufnahme von WEG-Protokollen mit Markierungen kritischer Kostenpunkte für die forensische Analyse

Ein weiteres kritisches Element ist die Verwaltung selbst, insbesondere in kleinen Gemeinschaften. Die Kosten für eine qualifizierte Verwaltung steigen, was kleinere WEGs unter Druck setzt. Wie Experten bestätigen, ist dies ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor, der die Bereitschaft für professionelles Management und damit für vorausschauende Instandhaltung beeinflusst.

Wenn kleine Eigentümergemeinschaften mit weniger als zehn Einheiten einen qualifizierten Verwalter finden wollen, müssen sie sich auf einen monatlichen Basissatz von bis zu 48 Euro pro Einheit einstellen.

– Prof. Dr. Marco Wölfle, CRES-Entgeltstudie 2024

Letztlich müssen Sie die im Wirtschaftsplan angesetzte Instandhaltungsrücklage kritisch hinterfragen. Ist sie hoch genug für das Alter und den sichtbaren Zustand des Gebäudes? Eine niedrige Rücklage in Kombination mit einem alten Gebäude und vertagten Sanierungsbeschlüssen ist das deutlichste Alarmsignal für eine drohende Sonderumlage.

Mietrendite vs. Eigenkapitalrendite: Was wirft eine Eigentumswohnung wirklich ab?

Die Nettomietrendite ist eine wichtige Kennzahl, aber sie erzählt nur die halbe Geschichte. Um die wahre finanzielle Performance Ihrer Investition zu verstehen, müssen Sie als Controller eine Ebene tiefer blicken: auf die Eigenkapitalrendite (EKR). Diese Kennzahl beantwortet die entscheidende Frage: „Wie viel Rendite erziele ich auf jeden Euro, den ich tatsächlich aus meiner eigenen Tasche investiert habe?“ Der Unterschied zur Mietrendite entsteht durch den Einsatz von Fremdkapital – dem sogenannten Hebel- oder Leverage-Effekt.

Wenn Sie eine Immobilie mit einem Bankdarlehen finanzieren, arbeitet nicht nur Ihr eigenes Geld für Sie, sondern auch das Geld der Bank. Solange die Gesamtrendite der Immobilie (Mietrendite plus Wertsteigerung) höher ist als der Zinssatz für Ihr Darlehen, hebeln Sie Ihre Eigenkapitalrendite. Eine auf den ersten Blick vielleicht nur mäßige Mietrendite kann so zu einer hochattraktiven Eigenkapitalrendite werden. Berechnungen von Finanzierungsexperten zeigen diesen Effekt deutlich: Bei 20% Eigenkapital kann eine 3% Mietrendite zu 8-12% Eigenkapitalrendite führen.

Dieser Hebel funktioniert jedoch in beide Richtungen. Ein hoher Fremdkapitalanteil erhöht nicht nur die potenzielle Rendite, sondern auch das Risiko. Steigende Zinsen bei der Anschlussfinanzierung, unerwartete Mietausfälle oder sinkende Immobilienwerte können den Hebel umkehren und Ihr Eigenkapital schnell aufzehren. Die folgende Tabelle veranschaulicht den Zusammenhang zwischen dem eingesetzten Eigenkapital und der potenziellen Rendite, aber auch dem damit verbundenen Risiko.

Die nachfolgende Übersicht, basierend auf typischen Marktannahmen, verdeutlicht, wie die Eigenkapitalquote die Rendite und das Risiko Ihrer Investition maßgeblich beeinflusst.

Vergleich Mietrendite vs. Eigenkapitalrendite bei verschiedenen Finanzierungsmodellen
Eigenkapitalquote Mietrendite Eigenkapitalrendite Risiko
100% 3% 3% Niedrig
50% 3% 5-6% Mittel
20% 3% 8-12% Hoch
10% 3% 15-20% Sehr hoch

Welche Kosten können Sie legal auf den Mieter abwälzen?

Ein entscheidender Faktor für die Höhe Ihrer Nettomietrendite ist die Fähigkeit, laufende Kosten auf den Mieter umzulegen. Die sogenannte Umlagefähigkeit von Betriebskosten ist in Deutschland klar durch die Betriebskostenverordnung (BetrKV) geregelt. Nur was hier explizit genannt wird oder unter den Punkt „sonstige Betriebskosten“ fällt und im Mietvertrag präzise vereinbart wurde, dürfen Sie an Ihren Mieter weiterberechnen. Jede Ungenauigkeit oder unzulässige Forderung im Mietvertrag führt zur Unwirksamkeit und die Kosten bleiben bei Ihnen.

Als Vermieter müssen Sie daher exakt zwischen umlagefähigen, nicht umlagefähigen und umlagefähigen Modernisierungskosten unterscheiden. Die klare Trennung dieser Posten in Ihrer Kalkulation und später in der Nebenkostenabrechnung ist essenziell für die rechtliche Sicherheit und die finanzielle Planung.

  • Klar umlagefähig: Hierzu zählen die Grundsteuer, Kosten für Wasser/Abwasser, Heizung und Warmwasser, Müllabfuhr, Straßenreinigung, Gebäudeversicherungen (z.B. Haftpflicht- und Gebäudeversicherung), Hausmeisterdienste und die Gartenpflege. Diese Posten sind der Standard und bilden den Großteil der Nebenkosten.
  • Grauzone / Vertragssache: Kosten für die Dachrinnenreinigung, die Wartung von Rauchmeldern oder die Prüfung von Feuerlöschern können umgelegt werden, wenn sie regelmäßig anfallen und im Mietvertrag unter „sonstige Betriebskosten“ explizit und einzeln aufgeführt sind. Eine pauschale Formulierung ist hier unwirksam.
  • Nicht umlagefähig: Diese Kosten müssen Sie als Vermieter immer selbst tragen. Dazu gehören insbesondere Ihre eigenen Verwaltungskosten, die Instandhaltungsrücklage, Reparaturkosten sowie Bankgebühren für das Mietkonto. Diese Posten gehören in Ihre eigene Kalkulation der Nettorendite, nicht in die Nebenkostenabrechnung des Mieters.
  • Modernisierungsumlage: Führen Sie Maßnahmen durch, die den Gebrauchswert der Wohnung nachhaltig erhöhen oder Energie einsparen, können Sie nach § 559 BGB 8 % der auf die Wohnung entfallenden Kosten jährlich auf die Miete umlegen.

Die wichtigste Regel lautet: Die Grundlage für jede Umlage ist eine präzise und rechtssichere Formulierung im Mietvertrag. Ohne eine klare vertragliche Vereinbarung können selbst grundsätzlich umlagefähige Kosten nicht geltend gemacht werden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die ehrliche Renditeberechnung ist eine forensische Prüfung, kein simples Ausfüllen einer Formel. Priorisieren Sie die Analyse von WEG-Protokollen.
  • Die Eigenkapitalrendite, nicht die Mietrendite, ist die maßgebliche Kennzahl für den Erfolg Ihrer Investition, da sie den Fremdkapitalhebel berücksichtigt.
  • Aktives Management durch die Wahl des richtigen Mietmodells (z.B. Indexmiete) und gezielte, ROI-positive Renovierungen sind entscheidende Hebel zur Wertsteigerung.

Welche Renovierungsmaßnahme steigert den Verkaufswert Ihrer Immobilie am stärksten?

Jeder in eine Immobilie investierte Euro sollte nicht nur den Wohnkomfort für den Mieter erhöhen, sondern idealerweise auch den Wert der Immobilie steigern. Doch nicht jede Renovierungsmaßnahme zahlt sich gleichermaßen aus. Ein Controller denkt in Return on Investment (ROI). Die Frage ist nicht „Was ist schön?“, sondern „Was bringt den höchsten Wertzuwachs im Verhältnis zu den Kosten?“. Die aktuellen Marktbedingungen und gesetzlichen Vorgaben, insbesondere das Gebäudeenergiegesetz (GEG), geben hier eine klare Richtung vor.

Analysen zeigen, dass energetische Sanierungen den größten Hebel auf den Verkaufswert haben. Eine veraltete Heizung oder schlecht isolierte Fenster sind heute massive Wertminderer. Eine Investition in eine neue, GEG-konforme Heizungsanlage oder eine moderne Dämmung ist zwar teuer, sichert aber die Zukunftsfähigkeit und Vermietbarkeit der Immobilie. Eine Studie des Statistischen Bundesamtes deutet auf klare Tendenzen hin: während eine Badsanierung für 15.000 € den Wert oft nur um ca. 10.000 € steigert, kann eine energetische Sanierung für 30.000 € einen Wertzuwachs von 25.000 € plus eine deutlich bessere Vermietbarkeit und niedrigere Nebenkosten für den Mieter bringen.

Es gibt jedoch auch Maßnahmen mit einem extrem hohen ROI bei geringem Kapitaleinsatz. Hier geht es um die Optimierung der Wahrnehmung, insbesondere im Verkaufsfall. Professionelles Home Staging ist ein Paradebeispiel für einen solchen Hebel.

Mit nur 2.000 € Investment in Home Staging (neue Wandfarben, optimierte Beleuchtung, gemietete Möbel für Fotos) konnte der Verkaufspreis um 15.000 € gesteigert werden – der beste ROI aller Maßnahmen.

– Ein Immobilieninvestor

Die strategische Lehre daraus ist, das Budget clever aufzuteilen: Langfristig sind Investitionen in die Substanz und Energieeffizienz unumgänglich, um den Wert zu sichern. Kurzfristig, insbesondere vor einem Verkauf oder einer Neuvermietung, können Investitionen in die Optik und Präsentation einen überproportional hohen und schnellen Ertrag bringen.

Die gezielte Investition in wertsteigernde Maßnahmen ist der Übergang vom passiven Verwalter zum aktiven Asset Manager. Die Auswahl der richtigen Maßnahme entscheidet über die zukünftige Performance Ihres Investments.

Die ehrliche Berechnung der Nettomietrendite ist der erste Schritt. Die aktive Steuerung und Optimierung aller Kosten- und Einnahmenfaktoren ist die kontinuierliche Aufgabe, die aus einer Immobilie eine erfolgreiche Kapitalanlage macht. Hören Sie auf zu hoffen und fangen Sie an zu rechnen – und zwar richtig. Analysieren Sie jetzt Ihre potenziellen Investitionen mit der hier gezeigten Strenge.

Geschrieben von Markus Weber, Immobilieninvestor und Projektentwickler mit einem eigenen Bestand von über 40 Einheiten in Norddeutschland. Experte für Buy-and-Hold, Sanierung nach GEG und die Optimierung von Mietrenditen.