
Ein positiver Cashflow ist keine Frage des Marktes, sondern das Ergebnis unternehmerischer Steuerung Ihrer Immobilie als Wirtschaftsunternehmen.
- Identifizieren und minimieren Sie die „Cashflow-Fresser“ wie nicht umlagefähige Kosten und Instandhaltungsstau.
- Nutzen Sie alle rechtlichen Hebel zur Mietoptimierung, die über eine einfache Erhöhung hinausgehen.
- Wandeln Sie buchhalterische Verluste durch die degressive Abschreibung (AfA) aktiv in reale Liquidität um.
Empfehlung: Betrachten Sie das Finanzamt nicht als Gegner, sondern als stillen Teilhaber, der sich an Ihren Zins- und Abschreibungskosten beteiligt. Die Kunst liegt darin, diese Beteiligung zu maximieren.
Als Immobilieninvestor in Deutschland stehen Sie vor einer neuen Realität: Die Ära des „billigen Geldes“ ist vorbei. Steigende Zinsen für die Finanzierung und explodierende Bewirtschaftungskosten für Energie und Instandhaltung drohen, die Rendite Ihrer Kapitalanlage aufzufressen. Viele Vermieter stellen fest, dass von der Kaltmiete nach Abzug aller Ausgaben kaum noch etwas übrig bleibt – oder sie sogar monatlich draufzahlen. Der Traum vom passiven Einkommen weicht der Sorge vor einem negativen Cashflow.
Die üblichen Ratschläge sind schnell gegeben: „Erhöhen Sie die Miete“ oder „Sparen Sie bei den Kosten“. Doch diese oberflächlichen Tipps greifen zu kurz. Sie ignorieren die Komplexität des deutschen Miet- und Steuerrechts und die unternehmerische Dimension, die das Vermieten heute erfordert. Wer seine Immobilie nur verwaltet, anstatt sie aktiv zu managen, überlässt seinen finanziellen Erfolg dem Zufall. Es geht nicht mehr nur darum, einen Mieter zu finden, sondern darum, die Immobilie als eine Cashflow-Maschine zu verstehen und zu optimieren.
Doch was, wenn der wahre Hebel nicht allein in der Miethöhe oder bei den sichtbaren Kosten liegt, sondern in der intelligenten Verknüpfung von Betriebsführung, rechtlichen Möglichkeiten und steuerlicher Gestaltung? Wenn der Schlüssel darin besteht, buchhalterische Verluste gezielt in reale Liquidität zu verwandeln und das Finanzamt als „stillen Teilhaber“ an Ihren grössten Kostenblöcken zu beteiligen? Genau diesen unternehmerischen Ansatz verfolgen wir in diesem Artikel. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die Kontrolle zurückgewinnen und auch im aktuellen Marktumfeld einen robusten, positiven Cashflow sicherstellen.
Dieser Leitfaden führt Sie durch die entscheidenden Stellschrauben, um Ihre Immobilie von einem Kostenfaktor zu einem rentablen Unternehmen zu entwickeln. Die folgende Übersicht zeigt die Themen, die wir detailliert beleuchten werden.
Inhaltsverzeichnis: Ihr Weg zum positiven Immobilien-Cashflow
- Brutto vs. Netto: Was bleibt wirklich von der Kaltmiete nach Rücklagen übrig?
- Verwaltung und Instandhaltung: Welche Kosten fressen Ihren Cashflow auf?
- Wie erhöhen Sie die Miete rechtssicher bis zur Kappungsgrenze?
- Wie vermeiden Sie Mietausfall durch professionelle Mieterbonitätsprüfung?
- Wie verwandeln Sie durch Abschreibung (AfA) Buchverluste in realen Cashflow?
- Warum der Cashflow wichtiger ist als der ausgewiesene Gewinn?
- Wie beteiligt sich das Finanzamt an Ihren Zinskosten bei Vermietung?
- Worauf lassen Sie sich rechtlich ein, wenn Sie in Deutschland Vermieter werden?
Brutto vs. Netto: Was bleibt wirklich von der Kaltmiete nach Rücklagen übrig?
Der erste Schritt zur Optimierung Ihres Cashflows ist eine brutale, ehrliche Analyse. Viele Vermieter fokussieren sich auf die Kaltmiete, doch diese Zahl ist nur die halbe Wahrheit. Die entscheidende Frage lautet: Was bleibt nach Abzug aller nicht umlagefähigen Kosten und der Bildung von Rücklagen wirklich auf Ihrem Konto? Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Während umlagefähige Nebenkosten wie Heizung, Wasser oder Grundsteuer nur einen durchlaufenden Posten darstellen, fressen die nicht umlagefähigen Kosten direkt Ihre Rendite.
Zu diesen „stillen Killern“ gehören vor allem die Kosten für die Hausverwaltung, Kontoführungsgebühren, Kosten für grössere Reparaturen und die essenzielle Instandhaltungsrücklage. Eine Faustregel besagt, dass Sie als Vermieter mit nicht umlagefähigen Nebenkosten in Höhe von etwa 1 Euro pro Quadratmeter und Monat rechnen sollten. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass schnell 15 bis 20 % der Kaltmiete als nicht umlagefähige Kosten anfallen können. Das sind bei 1.000 € Kaltmiete bis zu 200 €, die von Ihrer Rendite abgehen, bevor Sie auch nur einen Cent für Zins und Tilgung bezahlt haben.
Ein unternehmerischer Vermieter kalkuliert diese Kosten von vornherein ein und lässt sich nicht überraschen. Er führt eine genaue Liste, die neben den Verwaltungskosten auch Posten wie die Anschaffung von Rauchmeldern, einmalige Reinigungskosten oder Kosten für einen Rechtsstreit berücksichtigt. Nur wer die Netto-Betrachtung beherrscht, kann eine realistische Cashflow-Prognose erstellen und fundierte Entscheidungen treffen, anstatt am Ende des Jahres eine böse Überraschung zu erleben.
Diese Transparenz ist die Grundlage für alle weiteren Optimierungsschritte. Sie deckt schonungslos auf, wo das Geld versickert, und zwingt Sie, proaktiv zu handeln, anstatt nur zu reagieren.
Verwaltung und Instandhaltung: Welche Kosten fressen Ihren Cashflow auf?
Nachdem die nicht umlagefähigen Kosten identifiziert sind, beginnt die unternehmerische Aufgabe: die aktive Reduzierung dieser Cashflow-Fresser. Insbesondere die Posten Verwaltung und Instandhaltung bieten erhebliche Optimierungspotenziale. Ein passiver Vermieter wartet, bis etwas kaputtgeht – und zahlt dann oft den Höchstpreis für die Notfallreparatur. Ein strategischer Investor hingegen agiert präventiv und nutzt moderne Technologien, um Kosten zu senken.
Fallbeispiel: Präventive Wartung als Rendite-Booster
Ein klassisches Beispiel ist die Dachrinnenreinigung in einem Mehrfamilienhaus. Die jährliche, geplante Reinigung durch einen Fachbetrieb kostet vielleicht 200 Euro. Wird darauf verzichtet, kann eine verstopfte Rinne zu einem unbemerkten Wassereintritt ins Mauerwerk führen. Die Beseitigung eines solchen Wasserschadens kostet schnell 5.000 Euro oder mehr. Der entscheidende unternehmerische Kniff: Schliesst man einen Wartungsvertrag ab, sind die Kosten für die regelmässige Reinigung als „sonstige Betriebskosten“ auf die Mieter umlagefähig. Die einmalige Notfallreinigung hingegen muss der Vermieter selbst tragen. Prävention spart also nicht nur hohe Kosten, sondern kann die laufenden Ausgaben sogar legal auf die Mieter umlegen.
Dieser proaktive Ansatz wird durch den Einsatz von „PropTech“ (Property Technology) massiv erleichtert. Digitale Lösungen helfen, den Überblick zu behalten und Effizienzpotenziale zu heben, die früher undenkbar waren. Statt auf manuelle Zählerablesung zu warten, liefern smarte Zähler Verbrauchsdaten in Echtzeit und können sogar Leckagen frühzeitig erkennen, bevor grosse Schäden entstehen.
Die folgende Tabelle zeigt, wie moderne PropTech-Lösungen konkrete Einsparungen ermöglichen, wie eine vergleichende Analyse von ista verdeutlicht.
| PropTech-Lösung | Einsparpotenzial | Anwendungsbereich |
|---|---|---|
| Digitale Heizkostenzähler | 10-15% Heizkosten | Verbrauchserfassung |
| Smarte Wasseruhren mit Leckage-Erkennung | bis 30% Wasserschäden | Früherkennung |
| Digitale Schliesssysteme | 50% Verwaltungsaufwand | Zugangskontrolle |
| ista Webportal | 20% Zeitersparnis | Komplettabrechnung |
Die Investition in solche Technologien amortisiert sich oft schnell, da sie nicht nur direkte Kosten sparen, sondern auch den Verwaltungsaufwand reduzieren und die Mieterzufriedenheit durch transparente Abrechnungen erhöhen.
Wie erhöhen Sie die Miete rechtssicher bis zur Kappungsgrenze?
Die Einnahmenseite ist der zweite grosse Hebel zur Cashflow-Optimierung. Doch einfach nur die Miete zu erhöhen, ist in Deutschland aufgrund strenger gesetzlicher Regelungen wie der Mietpreisbremse und Kappungsgrenzen nicht trivial. Die Kappungsgrenze nach § 558 BGB besagt, dass die Miete innerhalb von drei Jahren um nicht mehr als 20 % (in vielen Städten sogar nur 15 %) steigen darf und zudem die ortsübliche Vergleichsmiete nicht übersteigen darf. Ein unternehmerischer Vermieter kennt diese Grenzen genau und nutzt sie strategisch aus, anstatt sie zu fürchten.
Der klassische Weg ist die Mieterhöhung unter Berufung auf den örtlichen Mietspiegel oder Vergleichswohnungen. Dies erfordert jedoch eine formell korrekte Ankündigung und die Zustimmung des Mieters. Ein smarterer, weil automatisierterer Weg, ist die Vereinbarung einer Index- oder Staffelmiete bereits im Mietvertrag. Bei der Staffelmiete (§ 557a BGB) wird von vornherein festgelegt, zu welchen Zeitpunkten die Miete um einen bestimmten Betrag steigt. Dies schafft Planbarkeit für beide Seiten und vermeidet wiederkehrende Verhandlungen. Der Nachteil: Während der Laufzeit der Staffelung sind weitere Erhöhungen (z.B. nach Modernisierung) ausgeschlossen.
Noch eleganter ist oft die Indexmiete, die gerade in Zeiten höherer Inflation ihre Stärke ausspielt. Hier wird die Miete an die Entwicklung des vom Statistischen Bundesamt ermittelten Verbraucherpreisindex gekoppelt. Dies bietet einen entscheidenden Vorteil, wie Experten bestätigen.
Die Indexmiete nach § 557b BGB umgeht elegant die Kappungsgrenze und den Mietspiegel, da sie automatisch an den Verbraucherpreisindex gekoppelt ist.
– Haus & Grund Deutschland, Ratgeber Mietrecht 2024
Die Miete kann jährlich angepasst werden, ohne dass es der Zustimmung des Mieters bedarf – eine einfache schriftliche Mitteilung genügt. So sichern Sie sich automatisch einen Inflationsausgleich und partizipieren an der allgemeinen Preisentwicklung, ohne in Konflikt mit der Kappungsgrenze zu geraten.
Die Entscheidung für das passende Modell hängt von der Marktlage, der erwarteten Inflation und Ihrer langfristigen Strategie für die Immobilie ab. Sie ist ein klares Zeichen für unternehmerisches Handeln statt passiver Verwaltung.
Wie vermeiden Sie Mietausfall durch professionelle Mieterbonitätsprüfung?
Die höchste Miete nützt nichts, wenn sie nicht gezahlt wird. Mietausfälle sind der grösste Feind eines positiven Cashflows. Sie verursachen nicht nur einen direkten Einnahmeverlust, sondern führen oft zu erheblichen Folgekosten für Anwälte und Gerichtsverfahren, die sich über Monate oder sogar Jahre hinziehen können. Ein unternehmerischer Vermieter minimiert dieses Risiko durch einen systematischen und professionellen Prozess zur Mieterbonitätsprüfung, lange bevor der Mietvertrag unterschrieben wird. Verlassen Sie sich niemals nur auf Ihr Bauchgefühl.
Ein mehrstufiges Prüfverfahren ist der Goldstandard, um die Zuverlässigkeit und Zahlungsfähigkeit eines potenziellen Mieters objektiv zu bewerten. Dieser Prozess schützt nicht nur Sie, sondern gibt auch dem Mieter die Möglichkeit, seine Seriosität unter Beweis zu stellen. Die einzelnen Schritte bauen aufeinander auf und verdichten das Bild des Bewerbers, sodass Sie eine fundierte Entscheidung treffen können. Eine sorgfältige Prüfung am Anfang erspart Ihnen immense Kosten und Nerven in der Zukunft.
Die folgende Checkliste fasst die wesentlichen Schritte eines professionellen Bonitätsprüfungs-Systems für den deutschen Markt zusammen. Jeder Punkt ist ein wichtiger Baustein, um das Risiko eines Mietausfalls drastisch zu reduzieren und die Grundlage für ein stabiles, langfristiges Mietverhältnis zu schaffen.
Ihr Plan zur professionellen Bonitätsprüfung
- SCHUFA-BonitätsCheck anfordern: Lassen Sie sich vom Mietinteressenten einen aktuellen (nicht älter als drei Monate), DSGVO-konformen SCHUFA-Check vorlegen.
- Mieterselbstauskunft einholen: Verwenden Sie ein standardisiertes Formular, das detaillierte Angaben zu den persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnissen (Einkommen, Arbeitgeber, Schulden) abfragt.
- Gehaltsnachweise prüfen: Fordern Sie die Gehaltsabrechnungen der letzten drei Monate an. Die monatliche Gesamtmiete sollte idealerweise nicht mehr als ein Drittel des Nettoeinkommens ausmachen.
- Mietschuldenfreiheitsbescheinigung verlangen: Bitten Sie um eine Bestätigung des Vorvermieters, dass alle Mieten pünktlich und vollständig bezahlt wurden.
- Arbeitgeberbescheinigung prüfen: Eine kurze Bestätigung des Arbeitgebers über ein bestehendes, ungekündigtes Arbeitsverhältnis gibt zusätzliche Sicherheit.
Auch wenn dieser Prozess aufwendig erscheint: Die investierte Zeit ist eine der besten Versicherungen für Ihren Cashflow. Ein einziger vermiedener „Mietnomade“ rechtfertigt den Aufwand für Dutzende von Bonitätsprüfungen.
Wie verwandeln Sie durch Abschreibung (AfA) Buchverluste in realen Cashflow?
Dies ist der wohl mächtigste, aber auch am häufigsten missverstandene Hebel für Immobilieninvestoren in Deutschland: die Abschreibung für Abnutzung (AfA). Die AfA ist eine rein buchhalterische Grösse. Sie erlaubt Ihnen, die Anschaffungs- oder Herstellungskosten des Gebäudes über die Nutzungsdauer steuerlich geltend zu machen. Dieser „Papierverlust“ mindert Ihr zu versteuerndes Einkommen, obwohl Sie real kein Geld ausgeben. Genau hier entsteht die Liquiditätsbrücke: Sie zahlen weniger Steuern und haben dadurch mehr Geld auf dem Konto.
Mit dem Wachstumschancengesetz hat die Bundesregierung einen zusätzlichen Turbo für Neubauten gezündet: die degressive AfA. Statt der linearen Abschreibung von 3 % pro Jahr können Sie nun im ersten Jahr 5 % der Baukosten steuerlich absetzen und in den Folgejahren jeweils 5 % vom Restwert. Diese neue degressive AfA von 5 % gilt für Wohngebäude mit Baubeginn zwischen dem 1. Oktober 2023 und dem 30. September 2029. Dieser Vorzug der Abschreibung in den ersten Jahren sorgt für einen massiven Liquiditätsschub genau dann, wenn er am dringendsten gebraucht wird.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die enorme Wirkung: Bei Herstellungskosten von 400.000 Euro können Sie durch die neue degressive AfA in den ersten Jahren deutlich höhere Beträge abschreiben als mit der linearen Methode. In Kombination mit weiteren Sonderabschreibungen können so laut einer Beispielrechnung von Haus & Grund Rheinland-Pfalz in den ersten vier Jahren fast 39 % der Kosten abgeschrieben werden. Das entspricht einem AfA-Volumen von 156.000 Euro. Bei einem persönlichen Spitzensteuersatz von 42 % bedeutet das eine reale Steuerersparnis von über 65.000 Euro – also reiner Cashflow, der Ihnen zur Tilgung oder für weitere Investitionen zur Verfügung steht.
Ein unternehmerischer Investor plant seine Investitionen daher immer auch unter dem Aspekt der maximalen Abschreibung. Er versteht, dass ein hoher steuerlicher Verlust auf dem Papier der Schlüssel zu einem hohen realen Überschuss auf dem Bankkonto sein kann.
Warum der Cashflow wichtiger ist als der ausgewiesene Gewinn?
Für das Finanzamt zählt der steuerliche Gewinn oder Verlust. Für Sie als Investor zählt jedoch nur eine einzige Kennzahl: der reale Cashflow, also der Betrag, der am Ende des Monats tatsächlich auf Ihrem Konto landet. Der fundamentale Unterschied zwischen diesen beiden Welten ist der Grund, warum eine Immobilie, die auf dem Papier Verluste schreibt, in der Realität eine Goldgrube sein kann. Diesen Unterschied zu verstehen, ist der entscheidende Mindset-Shift vom passiven Besitzer zum unternehmerischen Investor.
Zwei wesentliche Posten führen zu dieser Diskrepanz: die Abschreibung (AfA) und die Tilgung des Darlehens. Die AfA mindert, wie gesehen, Ihren steuerlichen Gewinn, ist aber keine reale Ausgabe. Das Geld fliesst nicht ab. Die Tilgung hingegen ist eine reale Ausgabe – Sie zahlen Kapital an die Bank zurück –, aber sie ist steuerlich nicht absetzbar. Nur die Zinsen sind absetzbar. Dieser simple, aber entscheidende Unterschied führt zu paradoxen Ergebnissen, bei denen ein steuerlicher Verlust einen positiven Cashflow erzeugt. Ein typisches Beispiel mit 2.000 € steuerlichem Verlust bei 3.000 € realem Überschuss zeigt dies eindrücklich in der deutschen Steuerpraxis auf.
Betrachten wir eine vereinfachte Gegenüberstellung für eine Beispielimmobilie, um den Mechanismus greifbar zu machen. Diese Analyse zeigt klar, wie die unterschiedliche Behandlung von AfA und Tilgung das Ergebnis komplett verändert.
| Position | GuV (Finanzamt) | Cashflow (Bank) |
|---|---|---|
| Mieteinnahmen | +12.000€ | +12.000€ |
| Bewirtschaftungskosten | -3.000€ | -3.000€ |
| Zinsen | -4.000€ | -4.000€ |
| AfA (3%) | -7.000€ | 0€ |
| Tilgung | 0€ | -2.000€ |
| Ergebnis | -2.000€ (Verlust) | +3.000€ (Überschuss) |
Diese Tabelle macht es offensichtlich: Während das Finanzamt einen Verlust von 2.000 Euro sieht (und Ihnen möglicherweise sogar Steuern erstattet), haben Sie real 3.000 Euro auf Ihrem Konto erwirtschaftet. Sie haben einen positiven Cashflow, obwohl Sie einen „Verlust“ gemacht haben.
Ein Investor, der nur auf den Steuerbescheid schaut, würde diese Immobilie vielleicht verkaufen. Ein unternehmerischer Investor erkennt, dass er eine perfekt funktionierende Cashflow-Maschine besitzt.
Wie beteiligt sich das Finanzamt an Ihren Zinskosten bei Vermietung?
In einem Hochzinsumfeld sind die Finanzierungskosten der grösste einzelne Kostenblock. Doch als Vermieter in Deutschland haben Sie einen mächtigen Partner an Ihrer Seite: das Finanzamt. Jeder Euro, den Sie an Zinsen an die Bank zahlen, ist als Werbungskosten voll von Ihren Mieteinnahmen absetzbar. Das bedeutet, dass Ihr persönlicher Steuersatz direkt Ihre effektive Zinslast senkt. Das Finanzamt agiert wie ein stiller Teilhaber, der einen erheblichen Teil Ihrer Zinskosten übernimmt.
Die Rechnung ist einfach: Zahlen Sie beispielsweise 4,0 % Zinsen für Ihr Darlehen und haben einen Grenzsteuersatz von 42 % (inkl. Soli und Kirchensteuer), können Sie diese 4,0 % Zinskosten voll von der Steuer absetzen. Ihr zu versteuerndes Einkommen sinkt, und Sie erhalten 42 % der gezahlten Zinsen als Steuerersparnis zurück. Wie eine Beispielrechnung zeigt, kann bei einem Grenzsteuersatz von 42 % die reale Zinslast auf 2,32 % sinken, obwohl Sie nominell 4,0 % an die Bank zahlen. Ihre effektive Zinsbelastung ist also fast halbiert.
Wichtig ist, dass Sie alle absetzbaren Zinskosten kennen und in der Anlage V Ihrer Steuererklärung korrekt angeben. Viele Vermieter denken nur an die reinen Darlehenszinsen, doch die Liste der absetzbaren Posten ist länger und bietet zusätzliches Potenzial:
- Darlehenszinsen für den Kauf, die Herstellung oder die Modernisierung der Immobilie.
- Ein bei Vertragsabschluss gezahltes Disagio (Damnum).
- Bereitstellungszinsen, die die Bank für den noch nicht abgerufenen Teil des Darlehens verlangt.
- Notar- und Gerichtskosten für die Eintragung der Grundschuld.
- Eine Vorfälligkeitsentschädigung, falls Sie ein altes, teures Darlehen vorzeitig ablösen und umschulden.
- Bearbeitungsgebühren der Bank, sofern diese noch anfallen und als Werbungskosten anerkannt werden.
Diese steuerliche Absetzbarkeit ist der Grund, warum eine Finanzierung mit Fremdkapital trotz hoher Nominalzinsen immer noch ein extrem wirksamer Hebel sein kann. Sie müssen nur lernen, diesen Hebel unternehmerisch zu Ihrem Vorteil zu nutzen.
Das Wichtigste in Kürze
- Cashflow ist König: Konzentrieren Sie sich auf den realen Geldfluss auf Ihrem Konto, nicht auf den buchhalterischen Gewinn für das Finanzamt.
- Das Finanzamt ist Ihr Partner: Nutzen Sie Abschreibungen (AfA) und den Zinsabzug aktiv, um Ihre Steuerlast zu senken und Ihre Liquidität zu erhöhen.
- Agieren statt reagieren: Ein unternehmerischer Ansatz mit präventiver Instandhaltung, professioneller Mieterprüfung und strategischer Mietgestaltung ist der Schlüssel zum Erfolg.
Worauf lassen Sie sich rechtlich ein, wenn Sie in Deutschland Vermieter werden?
Der Schritt zum Vermieter in Deutschland ist mehr als eine reine Kapitalanlage – es ist der Eintritt in ein komplexes rechtliches Umfeld. Als unternehmerischer Investor müssen Sie die Spielregeln kennen, um Fallstricke zu vermeiden und Ihre Rechte und Pflichten souverän zu managen. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht und kann im Mietrecht teuer werden. Von der Wohnungsübergabe bis zur Nebenkostenabrechnung ist jeder Schritt gesetzlich geregelt.
Eine der bekanntesten Regelungen ist die Mietpreisbremse, die in angespannten Wohnungsmärkten die maximale Miethöhe bei Neuvermietungen begrenzt. Wer diese ignoriert, riskiert nicht nur Rückzahlungsforderungen, sondern auch seinen Ruf. Der Deutsche Mieterbund warnt regelmässig vor den Konsequenzen.
Die Mietpreisbremse gilt in über 400 deutschen Städten und Gemeinden. Bei Missachtung drohen Rückzahlungen von bis zu zwei Jahren überhöhter Miete.
– Deutscher Mieterbund, Jahresbericht 2024
Neben der Miethöhe sind es vor allem die formalen Pflichten, die oft unterschätzt werden. Bereits am ersten Tag müssen Sie dem Mieter eine Wohnungsgeberbestätigung für die Anmeldung beim Einwohnermeldeamt ausstellen. Ein detailliertes Übergabeprotokoll mit Fotos ist unerlässlich, um spätere Streitigkeiten über den Zustand der Wohnung zu vermeiden. Die grösste Herausforderung für viele ist jedoch die jährliche Nebenkostenabrechnung. Sie muss formell korrekt sein und dem Mieter spätestens zwölf Monate nach Ende des Abrechnungszeitraums vorliegen. Versäumen Sie diese Frist, bleiben Sie auf eventuellen Nachzahlungen sitzen.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Immobilie nicht nur zu besitzen, sondern als Unternehmen zu führen. Analysieren Sie Ihre Kosten, prüfen Sie Ihr Mietpotenzial und planen Sie Ihre nächste Steuererklärung strategisch – denn Ihr positiver Cashflow ist der Lohn für Ihr unternehmerisches Handeln.