Veröffentlicht am Mai 15, 2024

Das wahre „Nullrisiko“ beim Investieren entsteht nicht durch das Abwarten einer magischen Jahreszahl, sondern durch die strikte Trennung Ihrer Anlagehorizonte für jedes einzelne Finanzziel.

  • Aktieninvestments (z.B. in ETFs) haben historisch über 15 Jahre keine Verluste mehr erzeugt und eignen sich für langfristige Ziele wie die Altersvorsorge.
  • Geld für kurzfristige Ziele (unter 3-5 Jahren), wie den Kauf einer Immobilie, sollte in sicheren Anlagen wie Tages- oder Festgeld geparkt werden, um Wertschwankungen zu vermeiden.

Empfehlung: Legen Sie für jedes Sparziel (Immobilie, Altersvorsorge, Konsum) einen eigenen „Anlagetopf“ mit der passenden Anlagestrategie an und halten Sie diese strikt getrennt.

Die Frage, wie lange man investieren muss, um Verluste sicher auszuschliessen, beschäftigt viele Sparer in Deutschland. Besonders wenn ein grosses Ziel wie der Kauf einer Immobilie in drei bis fünf Jahren bevorsteht, wächst die Sorge vor Börsenschwankungen. Die Märkte scheinen unberechenbar, und die Angst, zum falschen Zeitpunkt investiert zu haben und Kapital zu verlieren, ist allgegenwärtig. Viele Finanzratgeber geben darauf eine scheinbar einfache Antwort: Man müsse nur lange genug dabei bleiben, meist ist von 15 Jahren oder mehr die Rede, dann sei das Risiko quasi nicht mehr existent.

Diese pauschale Aussage ist zwar historisch korrekt, greift aber für Ihre persönliche Lebensplanung viel zu kurz. Sie beantwortet nicht die drängendste Frage: Was tun Sie mit dem Geld, das Sie viel früher benötigen? Die wahre Kunst des erfolgreichen Investierens liegt nicht darin, eine magische Jahreszahl abzuwarten. Sie liegt in einer viel grundlegenderen Strategie: der disziplinierten Trennung Ihrer finanziellen Ziele und der Zuweisung des jeweils passenden Anlagehorizonts. Es geht darum, das richtige Geld, im richtigen „Topf“, für das richtige Ziel anzulegen.

Dieser Artikel wird Ihnen nicht nur zeigen, warum die 15-Jahres-Regel für Aktien gilt, sondern vor allem, wie Sie Ihr Vermögen strukturiert nach Zeithorizonten aufbauen. Sie werden verstehen, warum es gefährlich ist, langfristige Anlagen für kurzfristige Wünsche anzutasten, und wie Sie selbst mit kleinen Beträgen über die Zeit ein beachtliches Vermögen aufbauen können, ohne Ihre kurz- und mittelfristigen Ziele zu gefährden. Der Schlüssel liegt nicht im Timing des Marktes, sondern in der Disziplin Ihrer eigenen Planung.

Warum Aktien über 15 Jahre historisch gesehen nie einen Verlust gemacht haben?

Die Behauptung, dass Aktienanlagen über einen langen Zeitraum an Sicherheit gewinnen, ist keine blosse Börsenweisheit, sondern ein historisch belegbarer Fakt. Der Schlüssel zum Verständnis liegt in der Natur von Aktienmärkten: Kurzfristig sind sie von Emotionen, Nachrichten und Spekulationen getrieben, was zu hoher Volatilität führt. Langfristig spiegeln sie jedoch die reale Wirtschaftsleistung wider – und die wächst über Dekaden hinweg stetig. Ein Blick auf das DAX-Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts zeigt eindrucksvoll, dass Anleger, die zu einem beliebigen Zeitpunkt seit 1950 in den deutschen Leitindex investiert und ihre Anteile mindestens 15 Jahre gehalten haben, nie einen Verlust erlitten. Die maximale Verlustdauer betrug, selbst für den unglücklichsten Einstiegszeitpunkt, weniger als 13 Jahre.

Dieser Effekt beruht darauf, dass lange Anlagezeiträume selbst schwere Krisen, wie die Dotcom-Blase im Jahr 2000 oder die Finanzkrise 2008, „aussitzen“ können. Während ein kurzfristiger Anleger, der sein Geld nach zwei oder drei Jahren benötigt, gezwungen sein könnte, mit Verlust zu verkaufen, profitiert der langfristige Investor von der anschliessenden Erholung der Märkte. Die Kurse kehren nicht nur zurück, sie wachsen darüber hinaus, angetrieben von Innovation, Bevölkerungswachstum und Produktivitätssteigerungen.

Eine Eichenkeimling wächst durch rissigen Beton, als Symbol für die Kurserholung nach einer Krise.

Wie die Visualisierung der Erholung nach einer Krise andeutet, besitzen robuste Märkte eine immense Widerstandsfähigkeit. Wer beispielsweise über einen Zeitraum von 30 Jahren in den DAX investierte, erzielte durchschnittlich eine Jahresrendite von 8,8 %. Diese langfristige Perspektive verwandelt das kurzfristig riskante Aktiengeschäft in eine der berechenbarsten und ertragreichsten Formen des Vermögensaufbaus für Ziele in ferner Zukunft, wie etwa die Altersvorsorge. Für kurzfristige Ziele ist dieser Ansatz jedoch ungeeignet und sogar gefährlich.

Wie parken Sie Geld sicher für Anschaffungen in weniger als 3 Jahren?

Wenn Ihr Sparziel, wie der Eigenkapitalanteil für eine Immobilie, in weniger als drei bis fünf Jahren fällig wird, ist die oberste Priorität nicht die Maximierung der Rendite, sondern der Kapitalerhalt. Aktien oder Aktien-ETFs sind hierfür das falsche Instrument, da eine kurzfristige Marktkorrektur Ihre Pläne durchkreuzen könnte. Sie benötigen einen sicheren Hafen, der Ihr Geld vor den Stürmen der Börse schützt. Glücklicherweise gibt es dafür bewährte und risikoarme Alternativen, die speziell auf kurze Anlagehorizonte zugeschnitten sind. Diese Anlagen bilden den „sicheren Topf“ in Ihrer Vermögensstruktur.

Die gängigsten und sichersten Optionen in Deutschland sind Tagesgeld- und Festgeldkonten. Sie bieten zwar eine moderate Rendite, die oft kaum die Inflation ausgleicht, aber sie garantieren, dass Ihr Kapital zum Stichtag in voller Höhe verfügbar ist. Eine weitere Option sind Geldmarkt-ETFs, die in sehr kurzlaufende Anleihen und Geldmarktinstrumente investieren und ebenfalls als sehr risikoarm gelten. Alle diese Optionen haben den Vorteil der Vorhersehbarkeit und Stabilität.

Vergleich kurzfristiger Geldanlagen in Deutschland
Anlageform Rendite p.a. (variabel) Liquidität Sicherheit
Tagesgeld bis ca. 3,5% Täglich verfügbar Gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000€
Festgeld bis ca. 4% Für die Laufzeit gebunden Gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000€
Geldmarkt-ETF Am Marktzins orientiert Börsentäglich handelbar Sondervermögen (Schutz bei Insolvenz des Anbieters)

Die Wahl zwischen diesen Optionen hängt von Ihrer benötigten Flexibilität ab. Tagesgeld bietet tägliche Verfügbarkeit, während Festgeld Ihr Geld für eine feste Laufzeit bindet, dafür aber oft etwas höhere Zinsen bietet. Geldmarkt-ETFs sind eine flexible Alternative, deren Wert jedoch leichten Schwankungen unterliegen kann. Für das Ziel „Immobilienkauf in 3 Jahren“ ist eine Kombination oder die Wahl von Festgeld mit passender Laufzeit oft die vernünftigste Strategie. Sie opfern potenzielle hohe Gewinne zugunsten der Gewissheit, Ihr Ziel sicher zu erreichen.

Kurzläufer oder Langläufer: Welche Anleihen passen zu Ihrem Zeithorizont?

Zwischen dem sicheren Hafen des Tagesgeldes und den langfristigen Chancen des Aktienmarktes gibt es eine weitere Anlageklasse: Anleihen. Sie stellen eine Art Mittelweg dar und können für mittelfristige Anlagehorizonte von etwa drei bis sieben Jahren eine sinnvolle Ergänzung sein. Anleihen sind im Grunde Kredite, die Sie Staaten oder Unternehmen geben und für die Sie Zinsen (den Kupon) erhalten. Ihr Risiko- und Renditeprofil hängt massgeblich von der Laufzeit und der Bonität des Schuldners ab.

Für Anleger, die ihr Risiko streuen, aber nicht gänzlich auf Rendite verzichten wollen, sind Anleihen-ETFs eine gute Wahl. Hierbei ist die Unterscheidung zwischen Kurz- und Langläufern entscheidend:

  • Kurzläufer-Anleihen (1-3 Jahre Laufzeit): Diese reagieren nur sehr gering auf Änderungen des allgemeinen Zinsniveaus durch die Europäische Zentralbank (EZB). Sie bieten eine stabile, wenn auch moderate Rendite und eignen sich gut, um Geld für einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren zu parken. Sie sind eine Alternative zu Festgeld mit etwas mehr Flexibilität.
  • Langläufer-Anleihen (10+ Jahre Laufzeit): Diese sind deutlich zinssensibler. Steigen die Zinsen, fallen die Kurse bestehender Anleihen mit niedrigerer Verzinsung. Sie bieten langfristig höhere Renditechancen, bergen aber auch ein höheres Kursrisiko. Sie eignen sich daher eher als stabilisierender Baustein in einem langfristig ausgerichteten Depot, nicht aber für mittelfristige Sparziele.

Die Wahl der richtigen Anleihen ist also, wie bei allen Anlagen, eine direkte Funktion Ihres Ziels und des damit verbundenen Zeithorizonts. Für das Eigenkapital einer Immobilie in fünf Jahren könnten Kurzläufer-ETFs eine Überlegung wert sein, während für die Altersvorsorge in 20 Jahren auch Langläufer zur Diversifikation des Aktiendepots beitragen können. Die entscheidende Frage ist immer: Wann brauche ich das Geld und wie viel Risiko kann ich bis dahin eingehen?

Die Gefahr, langfristige Gelder für kurzfristige Konsumwünsche aufzulösen

Die vielleicht grösste Gefahr für den langfristigen Vermögensaufbau ist nicht ein Börsencrash, sondern die menschliche Psyche. Es ist die Versuchung, den gut gefüllten „Altersvorsorge-Topf“ für einen kurzfristigen Konsumwunsch anzuzapfen – sei es ein neues Auto, eine teure Reise oder eine Renovierung. Dieses Verhalten, das Mischen von langfristigen Zielen mit kurzfristigen Impulsen, zerstört den stärksten Verbündeten des Investors: den Zinseszinseffekt. Die Kosten dieses Handelns sind nicht die entnommene Summe, sondern der gewaltige Opportunitätsverlust in der Zukunft.

Stellen Sie sich vor, Sie haben ein ETF-Depot für Ihre Rente. Nach 10 Jahren ist es gut gewachsen und Sie entnehmen 10.000 Euro für ein neues Auto. Was Sie in diesem Moment verlieren, sind nicht nur 10.000 Euro, sondern das gesamte zukünftige Wachstum dieses Betrags. Eine einfache Berechnung mit einer angenommenen Rendite von 7 % pro Jahr zeigt, dass diese 10.000 Euro über die nächsten 30 Jahre zu fast 80.000 Euro hätten anwachsen können. Ein kurzfristiger Wunsch kostet Sie also das Achtfache seines Wertes in der Zukunft. Diese verpasste Rendite ist der wahre Preis einer undisziplinierten Entnahme.

Hände sortieren sorgfältig farbige Glasmurmeln in getrennte Gläser als Symbol für mentale Konten.

Der beste Schutz gegen diese Versuchung ist die Methode der mentalen Konten oder „Anlagetöpfe“. Indem Sie physisch getrennte Konten oder Depots für jedes Ihrer Ziele anlegen (z.B. ein Tagesgeldkonto für den Notgroschen, ein Festgeld für die Immobilie, ein ETF-Depot für die Rente), schaffen Sie eine psychologische Barriere. Das Geld im Renten-Depot ist mental für die Rente „reserviert“ und wird nicht mehr als frei verfügbares Vermögen wahrgenommen. Diese disziplinierte Trennung ist das Fundament, um langfristige Ziele vor kurzfristigen Emotionen zu schützen.

Wie verwandeln Sie mit dem Zinseszinseffekt kleine Beträge über 30 Jahre in ein Vermögen?

Der Zinseszinseffekt wird oft als das achte Weltwunder bezeichnet, und das aus gutem Grund. Er ist die treibende Kraft, die aus kleinen, regelmässigen Sparbeträgen über lange Zeiträume ein beachtliches Vermögen entstehen lässt. Das Prinzip ist einfach: Sie erhalten nicht nur Zinsen oder Renditen auf Ihr eingezahltes Kapital, sondern auch auf die bereits erwirtschafteten Zinsen und Renditen. Es ist ein selbstverstärkender Prozess, ein Schneeball, der langsam beginnt, aber mit der Zeit exponentiell an Grösse gewinnt. Der wichtigste Faktor für diesen Effekt ist Zeit.

Betrachten wir ein konkretes Beispiel: Sie richten einen ETF-Sparplan ein und investieren monatlich 100 Euro in einen breit gestreuten Aktien-ETF. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von 7 % pro Jahr haben Sie nach 10 Jahren rund 17.400 Euro angespart, obwohl Sie nur 12.000 Euro eingezahlt haben. Nach 20 Jahren sind es bereits über 52.000 Euro bei 24.000 Euro Einzahlung. Und nach 30 Jahren? Dann beläuft sich Ihr Vermögen auf über 122.000 Euro – bei einer Einzahlung von nur 36.000 Euro. Über 86.000 Euro sind allein durch den Zinseszinseffekt entstanden.

Diese Zahlen mögen abstrakt klingen, aber sie sind für jeden erreichbar. Die durchschnittliche ETF-Sparrate in Deutschland lag laut einer Untersuchung bereits 2020 bei rund 170 Euro pro Monat, was das Potenzial für einen breiten Teil der Bevölkerung unterstreicht. Der Schlüssel ist, früh anzufangen und diszipliniert dabeizubleiben, selbst wenn die Beträge anfangs klein erscheinen. Jeder Euro, den Sie heute investieren, ist ein Arbeiter, der über Jahrzehnte für Sie Renditen erwirtschaftet. Diese langfristige Perspektive ist das Fundament des geduldigen Investors.

Warum 7% p.a. beim MSCI World ein realistischer aber kein garantierter Wert ist?

Wenn über langfristige Aktieninvestments gesprochen wird, fällt oft die Zahl von „durchschnittlich 7 % Rendite pro Jahr“ für einen breit gestreuten Welt-ETF wie den MSCI World. Diese Zahl ist ein nützlicher Richtwert für die langfristige Planung, aber es ist entscheidend zu verstehen, dass es sich um einen langfristigen Durchschnittswert handelt, nicht um eine jährliche Garantie. Die tatsächliche Rendite schwankt von Jahr zu Jahr erheblich. In einem guten Jahr kann sie bei +25 % liegen, in einem schlechten bei -15 %.

Die 7 % sind eine eher konservative Annahme, die Inflation bereits berücksichtigt. Historisch betrachtet war die Performance oft sogar besser. So zeigt beispielsweise der iShares Core MSCI World ETF eine durchschnittliche jährliche Rendite von über 12 % seit seiner Auflegung. Warum also mit 7 % planen? Weil es klug ist, bei der Planung für die eigene Zukunft, insbesondere für die Rente, konservativ zu kalkulieren. Vergangene Renditen sind kein Indikator für zukünftige Erträge. Geopolitische Risiken, veränderte Wirtschaftszyklen oder geringeres globales Wachstum könnten die Renditen in den kommenden Jahrzehnten dämpfen.

Ein guter Investor managt Erwartungen. Anstatt sich auf eine einzige Zahl zu versteifen, ist es sinnvoller, in Szenarien zu denken. Die folgende Tabelle illustriert mögliche Rendite-Erwartungen und ihre geschätzten Wahrscheinlichkeiten für einen langen Anlagehorizont:

Mögliche Rendite-Szenarien für den MSCI World (langfristig)
Szenario Erwartete Rendite p.a. Subjektive Wahrscheinlichkeit
Pessimistisch 3-5% 25%
Realistisch 6-8% 50%
Optimistisch 9-12% 25%

Die 7 % liegen genau im Herzen des realistischen Szenarios. Sie sind eine solide Basis für Ihre Berechnungen, aber bleiben Sie flexibel. Die wahre Stärke eines langfristigen Plans liegt nicht in der Präzision seiner Vorhersagen, sondern in seiner Robustheit gegenüber verschiedenen Zukunftsszenarien. Planen Sie mit 7 %, freuen Sie sich über mehr und seien Sie nicht überrascht, wenn es in manchen Phasen auch mal weniger ist.

Warum der Sparplan (Cost-Average-Effekt) auch eine Form der Risikostreuung ist?

Ein ETF-Sparplan ist nicht nur ein bequemer Weg, um regelmässig Geld zu investieren. Er ist auch ein mächtiges Instrument zur Risikosteuerung, das oft unterschätzt wird. Der dahinterstehende Mechanismus ist der sogenannte Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Indem Sie monatlich einen festen Betrag investieren, kaufen Sie automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger Anteile, wenn die Kurse hoch sind. Sie investieren also antizyklisch, ohne darüber nachdenken oder den Markt timen zu müssen.

Diese Strategie glättet Ihren durchschnittlichen Einkaufspreis über die Zeit und reduziert das Risiko, einen grossen Einmalbetrag ausgerechnet am Gipfel eines Kursbooms zu investieren. Es ist eine Form der zeitlichen Risikostreuung. Anstatt eine einzige grosse Wette auf den richtigen Einstiegszeitpunkt einzugehen, verteilen Sie Ihr Investment auf viele kleine Zeitpunkte. Dies reduziert die emotionale Belastung erheblich. In fallenden Märkten, wenn viele Anleger in Panik verkaufen, bleiben Sie diszipliniert im Markt und kaufen günstig nach. Wie Finanzexperten im Finanzfluss ETF-Handbuch feststellen:

Der Sparplan ist das psychologisch perfekte Werkzeug für den risikoscheuen deutschen Anleger.

– Finanzexperten, Finanzfluss ETF-Handbuch

Diese psychologische Stärke ist nicht zu unterschätzen. Ein Sparplan automatisiert die wichtigste Tugend des Investors: Disziplin. Er zwingt Sie, kontinuierlich am Ball zu bleiben und von Marktschwankungen sogar zu profitieren. Gerade in Krisenzeiten, wie der Finanzkrise 2007-2010, zeigte sich, dass Sparplan-Investoren, die durchhielten, am Ende deutlich besser dastanden als jene, die versuchten, den Markt zu timen. Sie streuen nicht nur Ihr Geld über Tausende von Aktien (durch den ETF), sondern auch Ihren Einstiegszeitpunkt über Hunderte von Monaten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Langfristige Aktienanlagen (15+ Jahre) gleichen historische Verluste aus und sind ideal für die Altersvorsorge.
  • Kurzfristige Ziele (unter 5 Jahre) erfordern sichere Anlagen wie Tages- oder Festgeld, um Kapital zu erhalten.
  • Der grösste Fehler ist, langfristige Vermögensanlagen für kurzfristige Konsumwünsche aufzulösen und so den Zinseszinseffekt zu zerstören.

Wie starten Sie ein Vermögen mit nur 25 € im Monat?

Der Weg zum Vermögensaufbau muss nicht mit einer grossen Summe beginnen. Im Gegenteil, die wichtigste Entscheidung ist, überhaupt anzufangen. Dank moderner Online-Broker und ETF-Sparpläne ist der Einstieg in den Kapitalmarkt heute so einfach und günstig wie nie zuvor. Viele Anbieter ermöglichen Sparpläne bereits ab einer Rate von nur 25 Euro pro Monat. Einige Broker gehen sogar noch weiter: Der aktuelle Vergleich von Online-Brokern zeigt, dass die niedrigste mögliche Sparrate bei nur 0,01 € liegt. Die Ausrede „Ich habe nicht genug Geld, um zu investieren“ zählt also nicht mehr.

Ein kleiner Betrag wie 25 Euro pro Monat mag trivial erscheinen, aber er setzt zwei entscheidende Dinge in Bewegung. Erstens bauen Sie die Gewohnheit des regelmässigen Sparens und Investierens auf. Diese Disziplin ist auf lange Sicht wertvoller als jede hohe Einmalanlage. Zweitens beginnt der Zinseszinseffekt sofort für Sie zu arbeiten. Auch kleine Beträge wachsen über Jahrzehnte zu einer beachtlichen Summe an. Ein 25-Euro-Sparplan ist der erste, wichtigste Schritt auf einer langen und lohnenden Reise.

Ihr Plan zum ersten ETF-Sparplan: In 5 Schritten zum Investor

  1. Sparrate festlegen: Beginnen Sie mit einem Betrag, der für Sie mühelos machbar ist (z.B. 25 € oder 50 €). Sie können ihn später jederzeit anpassen.
  2. ETF auswählen: Wählen Sie für den Anfang einen breit gestreuten, globalen ETF, z.B. auf den MSCI World oder FTSE All-World. Das sorgt für maximale Diversifikation.
  3. Sparintervall bestimmen: Legen Sie fest, wie oft investiert werden soll. Monatlich ist der gängigste und sinnvollste Rhythmus.
  4. Broker und Depot wählen: Eröffnen Sie ein kostenloses Depot bei einem Online-Broker, der günstige oder kostenlose ETF-Sparpläne anbietet.
  5. Sparplan einrichten: Richten Sie den Sparplan mit wenigen Klicks im Online-Banking Ihres Brokers ein und verknüpfen Sie ihn mit Ihrem Girokonto. Fertig!

Der Prozess ist in der Regel in weniger als einer Stunde erledigt. Der schwierigste Teil ist nicht die technische Umsetzung, sondern die Entscheidung, den ersten Schritt zu tun. Sobald der Sparplan einmal läuft, arbeitet er automatisch im Hintergrund für Ihre finanzielle Zukunft. Warten Sie nicht auf den perfekten Moment oder das grosse Gehalt. Der beste Zeitpunkt, um anzufangen, war gestern. Der zweitbeste ist heute.

Nachdem Sie nun die Prinzipien des ziel-basierten Investierens und die Bedeutung des Zeithorizonts kennen, besteht der nächste logische Schritt darin, diese Erkenntnisse praktisch umzusetzen. Beginnen Sie noch heute damit, Ihre finanziellen Ziele zu definieren, die passenden „Anlagetöpfe“ zu erstellen und mit einem ersten, kleinen ETF-Sparplan den Grundstein für Ihre finanzielle Zukunft zu legen.

Geschrieben von Thomas Wagner, Unabhängiger Honorar-Finanzanlagenberater und Certified Financial Planner (CFP) mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Vermögensplanung. Er ist spezialisiert auf evidenzbasierte Anlagestrategien mittels ETFs und die Schließung der Rentenlücke für Privatanleger.