Veröffentlicht am März 12, 2024

Der Schutz Ihres Vermögens erfordert mehr als nur die Flucht vor der Inflation; es ist ein Kampf gegen eine doppelte Enteignung durch Geldentwertung und die Besteuerung von Scheingewinnen.

  • Bargeld ist keine Sicherheit, sondern ein garantierter Kaufkraftverlust.
  • Sachwerte wie Aktien und Immobilien sind essenziell, doch ihre wahre Rendite wird erst nach Steuern sichtbar.
  • Eine aktive Steueroptimierung ist in Deutschland kein Bonus, sondern eine überlebenswichtige Notwendigkeit für den Vermögenserhalt.

Empfehlung: Entwickeln Sie eine aktive Anlagestrategie, die gezielt reale Substanzwerte aufbaut und die deutsche Steuergesetzgebung zu Ihrem Vorteil nutzt, anstatt ihr zum Opfer zu fallen.

Die Ziffern auf Ihrem Kontoauszug bleiben unverändert, doch ihre reale Kaufkraft schmilzt dahin wie Eis in der Sommersonne. Mit einer Inflationsrate, die hartnäckig über der 3-Prozent-Marke verweilt, ist die Sorge um den Wert von 100.000 Euro Erspartem mehr als berechtigt. Für viele deutsche Sparer und Rentner, die ein Leben lang auf die Stabilität des Geldes vertraut haben, fühlt sich diese Situation wie ein fundamentaler Vertrauensbruch an. Die traditionellen Ratschläge – investieren Sie in Gold, kaufen Sie eine Immobilie – klingen vertraut, wirken aber angesichts der Komplexität der heutigen Wirtschaftslage oft unzureichend.

Die gängigen Empfehlungen übersehen eine entscheidende, zweite Front, an der Ihr Vermögen angegriffen wird. Es ist ein stiller, aber unerbittlicher Prozess, den ich die „doppelte Enteignung“ nenne. Sie kämpfen nicht nur gegen den Kaufkraftverlust durch Inflation. Sie kämpfen auch gegen die „Nominalgier des Staates“, der Steuern auf Gewinne erhebt, die real gar nicht existieren. Ein Investment, das nominal 5 % Rendite abwirft, bei 4 % Inflation aber nur 1 % realen Gewinn erzielt, wird trotzdem auf die vollen 5 % besteuert. Das ist die Steuerfalle, die aus einem mageren Gewinn schnell einen realen Verlust macht.

Dieser Artikel bricht mit den oberflächlichen Ratschlägen. Wir werden nicht nur die üblichen Anlageklassen analysieren, sondern sie durch die unbarmherzige Linse der realen, nachsteuerlichen Rendite betrachten. Es geht nicht darum, blindlings in „Sachwerte“ zu flüchten. Es geht darum, eine strategische Reale Kaufkraftverteidigung aufzubauen. Wir werden die Mechanismen aufdecken, die Ihr Geld entwerten, und Ihnen die Werkzeuge an die Hand geben, um Ihr Vermögen nicht nur zu schützen, sondern es widerstandsfähig für die Zukunft zu machen. Dies ist kein Ratgeber für schnelle Gewinne, sondern ein dringender Appell zur Verteidigung Ihrer finanziellen Substanz.

Um diese komplexe Herausforderung zu meistern, gliedert sich unsere Analyse in eine Reihe präziser Schritte. Wir beginnen mit der harten Realität des Bargeldes, bewerten die klassischen Sachwerte neu und decken die oft übersehene Steuerfalle auf, bevor wir konkrete, umsetzbare Strategien für den Aufbau eines inflationsresistenten Portfolios vorstellen.

Warum ist Ihr Bargeld unter dem Kopfkissen das riskanteste Investment überhaupt?

In der deutschen Wirtschaftsgeschichte war das Sparbuch lange ein Symbol für Sicherheit und soliden Wohlstand. Diese Ära ist vorbei. Heute ist das Festhalten an großen Bargeldbeständen oder niedrig verzinsten Konten die mathematisch sicherste Methode, um Vermögen zu vernichten. Die Inflation agiert wie eine unsichtbare Steuer, die jedes Jahr unerbittlich einen Teil Ihrer Kaufkraft abschneidet. Bei einer Inflationsrate von 3 % verliert Ihr Geld in nur einem Jahr mehr an Wert, als Sie in den letzten fünf Jahren an Zinsen erhalten haben. Dieser Prozess ist schleichend, aber in seiner Konsequenz brutal.

Die Illusion der Sicherheit, die von einer unveränderten Kontostand-Zahl ausgeht, ist trügerisch. Was wirklich zählt, ist nicht die nominale Summe, sondern was Sie sich dafür kaufen können. Die folgende Tabelle verdeutlicht den dramatischen Kaufkraftverlust von 100.000 Euro über die Zeit bei verschiedenen Inflationsraten. Es ist eine stille Enteignung, die ohne Ihr aktives Gegensteuern unaufhaltsam voranschreitet.

Kaufkraftverlust von 100.000 € bei verschiedenen Inflationsraten
Inflationsrate Nach 10 Jahren Nach 20 Jahren Nach 30 Jahren
2% 81.700€ 66.800€ 54.500€
3% 74.400€ 55.400€ 41.200€
4% 67.600€ 45.600€ 30.800€

Diese Zahlen zeigen unmissverständlich: Untätigkeit ist die riskanteste Strategie von allen. Ihr Kapital schmilzt nicht nur, es verdampft regelrecht. Der vermeintlich sichere Hafen des Bargeldes entpuppt sich als Strudel, der Ihr Vermögen langsam, aber sicher nach unten zieht. Die Notwendigkeit, in ertragreichere Anlagen umzuschichten, ist daher keine Frage der Spekulation, sondern eine des puren Selbsterhalts.

Gold oder Immobilien: Welcher Sachwert schlug die Inflation seit 2000 besser?

Auf der Flucht vor der Geldentwertung gelten Gold und Immobilien seit jeher als die klassischen Sachwert-Refugien. Beide versprechen, ihren Wert über die Zeit zu erhalten oder zu steigern, unabhängig von den Turbulenzen an den Finanzmärkten. Doch ihre Performance und Eignung als Inflationsschutz sind keineswegs identisch und hängen stark vom wirtschaftlichen Umfeld und der individuellen Strategie ab. Immobilien, insbesondere in guten Lagen deutscher Metropolregionen, haben in den letzten zwei Jahrzehnten von niedrigen Zinsen und hoher Nachfrage profitiert. Sie bieten den Vorteil regelmäßiger Mieteinnahmen, die oft an die Inflationsrate gekoppelt werden können und so einen stetigen Cashflow generieren.

Gold hingegen wird oft als die ultimative Versicherung gegen Systemkrisen und Hyperinflation angesehen. Es wirft keine laufenden Erträge ab, seine Lagerung verursacht Kosten und sein Wert kann stark schwanken. Seine Stärke liegt in seiner globalen Akzeptanz und seiner begrenzten Verfügbarkeit. Dennoch ist sein Ruf als perfekter Inflationsschutz differenziert zu betrachten, wie Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka, in einer Analyse für t-online.de anmerkt:

Gold schützt zwar vor Inflation, dies allerdings am besten, wenn die Inflationsraten noch höher sind als gegenwärtig oder noch sehr lange anhalten. Denn in der Zwischenzeit hat Gold den Nachteil, dass es keine Rendite abwirft.

– Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Deka

Die Entscheidung zwischen Gold und Immobilien ist daher keine Entweder-oder-Frage. Immobilien erfordern ein hohes Anfangskapital und Managementaufwand, bieten aber potenziell laufende Erträge. Gold ist liquider und dient als Krisenwährung, bietet aber keine Rendite und ist eher eine Versicherung als ein produktives Investment. Eine sinnvolle Strategie kombiniert oft beide Elemente, wobei die Gewichtung von der persönlichen Risikobereitschaft und den finanziellen Zielen abhängt.

Wie verhalten sich Dividendenaktien in Phasen hoher Verbraucherpreise?

Während Gold und Immobilien passive Wertspeicher sind, repräsentieren Aktien einen aktiven Anteil an der produktiven Wirtschaft. In Zeiten hoher Inflation liegt ihr entscheidender Vorteil darin, dass Unternehmen mit Preissetzungsmacht die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weitergeben können. Dies schützt ihre Gewinnmargen und ermöglicht es ihnen, ihre Dividenden zu erhöhen. Für Anleger bedeutet dies einen doppelten Inflationsschutz: steigende Unternehmenswerte (Kurspotenzial) und wachsende laufende Einnahmen (Dividenden). Somit wird die Investition in Aktien zu einer Wette auf die Anpassungsfähigkeit und Innovationskraft der Wirtschaft.

Besonders interessant sind in diesem Zusammenhang die sogenannten „Hidden Champions“ aus Deutschland. Dies sind oft mittelständische Unternehmen, die in ihrer Nische Weltmarktführer sind, aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie zeichnen sich durch stabile Geschäftsmodelle, hohe Innovationskraft und eine solide Finanzbasis aus. Ihre Preissetzungsmacht ist oft enorm, da ihre spezialisierten Produkte für ihre Kunden unverzichtbar sind. Eine Investition in diese Unternehmen ist eine Investition in die Substanz und das Rückgrat der deutschen Wirtschaft.

Deutsche Dividendenaristokraten als Inflationsschutz

Wie die Skyline von Frankfurt die Finanzkraft Deutschlands symbolisiert, stehen diese Unternehmen für die wirtschaftliche Resilienz. Anders als bei Anleihen, deren Zins fixiert ist, oder bei Gold, das keine Erträge abwirft, bieten Dividendenaktien eine dynamische Anpassung an das Inflationsumfeld. Unternehmen, die ihre Dividenden kontinuierlich steigern – die sogenannten Dividendenaristokraten – beweisen damit nicht nur ihre finanzielle Gesundheit, sondern bieten Anlegern einen realen, wachsenden Einkommensstrom, der die Kaufkraftverluste ausgleichen kann.

Die Steuerfalle: Warum Sie Steuern auf Gewinne zahlen, die real keine sind

Der gefährlichste Gegner für Ihr Vermögen ist nicht allein die Inflation, sondern ihre unheilige Allianz mit dem deutschen Steuersystem. Dies ist das Kernproblem der „doppelten Enteignung“: Sie verlieren Kaufkraft durch Inflation und zahlen anschließend Steuern auf Gewinne, die diesen Verlust nicht einmal ausgleichen. Stellen Sie sich vor, Sie erzielen mit einer Anlage eine nominale Rendite von 5 %. Bei einer Inflationsrate von 4 % beträgt Ihr realer Gewinn nur 1 %. Der Fiskus besteuert jedoch die vollen 5 % mit der Abgeltungsteuer (plus Soli und Kirchensteuer). Ihr ohnehin magerer realer Gewinn wird dadurch oft vollständig aufgezehrt oder verkehrt sich sogar in einen realen Verlust.

Diese Besteuerung von Scheingewinnen ist ein fundamentaler Webfehler, der den Vermögenserhalt massiv erschwert. Eine Beispielrechnung verdeutlicht die Dramatik: Bei 100.000 Euro, die zu 3 % angelegt sind, und einer Inflationsrate von 6 %, erleiden Sie einen Kaufkraftverlust von 4.000 Euro pro Jahr, obwohl Sie nominal einen Gewinn erzielt und darauf Steuern gezahlt haben. Die Nominalgier des Staates frisst Ihre Rendite auf, bevor sie überhaupt eine Chance hatte, die Inflation zu schlagen. Der Schutz Ihres Vermögens muss also zwingend eine steuerliche Komponente beinhalten.

Glücklicherweise bietet das deutsche Steuerrecht einige Hebel, um diese Falle zu umgehen oder zumindest ihre Wirkung abzumildern. Es ist unerlässlich, diese legalen Strategien zu kennen und aktiv zu nutzen. Es geht nicht um Steuerhinterziehung, sondern um intelligente Steuergestaltung, um Ihre reale Rendite zu schützen.

Ihr Plan zur steuerlichen Optimierung in Deutschland

  1. Sparer-Pauschbetrag nutzen: Realisieren Sie gezielt Gewinne bis zur Höhe des Pauschbetrags von 1.000 € (Single) bzw. 2.000 € (Verheiratete), um diese steuerfrei zu stellen.
  2. Verlustverrechnung einsetzen: Nutzen Sie die Verlustverrechnungstöpfe (§ 20 Abs. 6 EStG), um Gewinne mit realisierten Verlusten zu saldieren und die Steuerlast zu senken.
  3. Den richtigen „Produktmantel“ wählen: Physisches Gold ist nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei veräußerbar – ein erheblicher Vorteil gegenüber anderen Anlageklassen.
  4. Vorabpauschale bei ETFs verstehen: Nutzen Sie den Steuerstundungseffekt bei thesaurierenden (wiederanlegenden) ETFs, bei denen ein Großteil der Steuerlast erst bei Verkauf anfällt.
  5. Steuerliche Struktur prüfen: Beachten Sie die unterschiedlichen steuerlichen Behandlungen von in- und ausländischen Fonds, insbesondere im Hinblick auf Quellensteuern.

Die Auseinandersetzung mit der steuerlichen Dimension ist kein optionales Extra, sondern der entscheidende Hebel, um aus einer nominalen Rendite eine reale Kaufkraftverteidigung zu machen. Wer diesen Aspekt ignoriert, überlässt einen erheblichen Teil seines Vermögens dem schleichenden Zugriff von Inflation und Fiskus.

Wann sollten Sie inflationsgeschützte Anleihen in Ihr Depot aufnehmen?

In einem Umfeld steigender Preise klingen inflationsgeschützte Anleihen – oft auch „Linker“ oder „TIPS“ (Treasury Inflation-Protected Securities) genannt – wie die perfekte Lösung. Ihr Prinzip ist bestechend einfach: Sowohl der Nennwert der Anleihe als auch die Zinszahlungen werden regelmäßig an die offizielle Inflationsrate angepasst. Steigt die Inflation, steigt auch der Wert Ihrer Anlage und Ihre Zinserträge. Damit versprechen sie einen direkten und garantierten Ausgleich des Kaufkraftverlustes. In Deutschland werden solche Anleihen beispielsweise vom Bund als inflationsindexierte Bundesanleihen emittiert.

Diese Papiere bieten also einen hohen Grad an Sicherheit, da sie das Inflationsrisiko quasi ausschalten und zudem durch die Bonität des Staates (z.B. der Bundesrepublik Deutschland) abgesichert sind. Sie eignen sich daher besonders für sehr sicherheitsorientierte Anleger, die primär den realen Kapitalerhalt sicherstellen möchten und weniger auf hohe Renditen abzielen. Sie sind das defensive Fundament eines Portfolios, das vor allem vor unvorhergesehenen Inflationsschüben schützen soll.

Allerdings hat dieser Schutz seinen Preis. Die reale Verzinsung, also der Zins, der über die Inflationsrate hinaus gezahlt wird, ist bei diesen Anleihen oft sehr niedrig oder sogar negativ. Sie gewinnen also real kaum an Wert, sondern sichern lediglich den Status quo. Zudem sind sie, wie alle Anleihen, dem Zinsänderungsrisiko ausgesetzt: Steigen die allgemeinen Marktzinsen, können die Kurse bestehender Anleihen fallen. Ihre Stärke spielen sie vor allem dann aus, wenn die Inflation unerwartet stark ansteigt – also höher ausfällt, als der Markt es zum Zeitpunkt des Kaufs eingepreist hatte.

A-Lage vs. C-Lage: Wo finden Sie heute noch positive Cashflow-Objekte?

Die pauschale Aussage „Immobilien sind ein guter Inflationsschutz“ ist eine gefährliche Vereinfachung. Der Erfolg einer Immobilieninvestition hängt heute mehr denn je von zwei Faktoren ab: der Lage und dem Cashflow. In den begehrten A-Lagen deutscher Metropolen wie München, Hamburg oder Berlin sind die Kaufpreise in den letzten Jahren derart explodiert, dass die Mieteinnahmen die Kosten für Zinsen, Tilgung und Instandhaltung kaum noch decken. Hier kauft man vor allem die Hoffnung auf weitere Wertsteigerung, aber keinen positiven laufenden Ertrag. Ein solches Investment ist anfällig für Zinssteigerungen und kann schnell zu einem Zuschussgeschäft werden.

Die Suche nach positiven Cashflow-Objekten führt Anleger daher zunehmend in B- und C-Lagen. Dies können aufstrebende Stadtteile, solide Mittelstädte oder der sogenannte „Speckgürtel“ um die großen Metropolen sein. Hier sind die Kaufpreise moderater, während die Mieten dennoch stabil sind. Das Ziel ist es, eine Immobilie zu finden, bei der die monatlichen Mieteinnahmen alle Ausgaben übersteigen. Dieser positive Cashflow ist der wahre Inflationsschutz: Er bietet nicht nur eine laufende Rendite, sondern kann auch reinvestiert oder als Puffer für unvorhergesehene Kosten genutzt werden.

Cashflow-Immobilien in B- und C-Lagen deutscher Metropolregionen

Eine sorgfältige Analyse der lokalen demografischen Entwicklung, der Infrastruktur und des Arbeitsmarktes ist hierbei unerlässlich. Ein Objekt in einer C-Lage mit guter Anbindung und wachsender Bevölkerung kann langfristig eine deutlich bessere Rendite erzielen als ein überteuertes Apartment in einer A-Lage. Die Investition wird so von einer reinen Wette auf Wertsteigerung zu einem unternehmerischen Projekt, das auf soliden, kalkulierbaren Einnahmen basiert. Dies erfordert mehr Recherche und Analyse, schützt aber weitaus effektiver vor Marktschwankungen und Zinsrisiken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das größte Risiko ist Untätigkeit. Bargeld auf dem Konto ist ein garantierter Kaufkraftverlust, der durch die Inflation unaufhaltsam voranschreitet.
  • Echte Sachwerte wie Aktien solider Unternehmen und strategisch ausgewählte Immobilien sind die Basis jeder Inflationsschutzstrategie. Ihre Stärke liegt in ihrer Fähigkeit, Erträge zu generieren, die mit der Inflation wachsen.
  • Die „doppelte Enteignung“ durch Inflation und Steuern auf nominale Gewinne ist die größte Gefahr. Eine aktive Steueroptimierung ist daher kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für den realen Vermögenserhalt.

Gold als Beimischung: Wieviel Prozent sind Versicherung, wieviel Spekulation?

Gold fasziniert und polarisiert. Für die einen ist es das einzig wahre Geld und der ultimative Schutz in Krisenzeiten, für die anderen ein „barbarisches Relikt“, das keine Zinsen abwirft. Die Wahrheit liegt, wie so oft, in der richtigen Dosierung. Gold sollte in einem Portfolio nicht als primärer Renditebringer, sondern als strategische Versicherung betrachtet werden. Seine Stärke liegt in seiner geringen Korrelation zu anderen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen. Wenn die Finanzmärkte in Panik geraten, steigt der Goldpreis oft an und stabilisiert so den Gesamtwert des Depots.

Die entscheidende Frage ist also nicht „ob“, sondern „wie viel“ Gold sinnvoll ist. Eine zu hohe Allokation bremst die langfristige Rendite des Portfolios, da Gold keine produktiven Erträge generiert. Eine zu niedrige Allokation wiederum erfüllt ihren Versicherungszweck nicht. Finanzexperten raten daher zu einer disziplinierten Beimischung. Wie hoch diese ausfallen sollte, hängt stark vom individuellen Risikoprofil ab, wie die folgende Tabelle zeigt.

Empfohlene Gold-Allokation nach Risikoprofil
Portfolio-Typ Anleihen Aktien Gold
Defensiv 75% 20% 5%
Ausgewogen 50% 40% 10%
Offensiv 25% 60% 15%
Renditeorientiert 0% 80% 20%

Diese Empfehlungen unterstreichen die Rolle von Gold als Stabilisator. Die Experten der LV 1871 fassen die vernünftige Herangehensweise in ihrem Ratgeber zum Inflationsschutz treffend zusammen:

Als Inflationsschutz ist Gold daher nur bedingt zu empfehlen. Zudem muss physisches Gold, also Münzen und Barren, sicher verwahrt werden, etwa in einem Tresor oder Bankschließfach. Das kostet Geld und schmälert den Gewinn. Viele Finanzexperten raten dazu, Goldreserven allenfalls als ‚Notgroschen‘ zu halten und maximal fünf bis zehn Prozent des Portfolios in Edelmetalle zu investieren.

– LV 1871 Finanzexperten, Ratgeber Inflationsschutz

Ein Anteil von 5 bis 10 Prozent des Gesamtvermögens hat sich als vernünftiger Korridor etabliert. In dieser Größenordnung kann Gold seine Funktion als Krisenversicherung erfüllen, ohne die langfristige Performance des Portfolios übermäßig zu belasten. Alles darüber hinaus verlässt den Bereich der Absicherung und wird zur Spekulation auf steigende Goldpreise.

Wie nutzen Sie das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), um günstige deutsche Aktien zu finden?

In einem Marktumfeld, in dem viele Aktien bereits hoch bewertet erscheinen, ist die Suche nach unterbewerteten Unternehmen – sogenanntes „Value Investing“ – eine bewährte Strategie. Eine der einfachsten und effektivsten Kennzahlen hierfür ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Es setzt den aktuellen Börsenkurs einer Aktie ins Verhältnis zu ihrem Buchwert je Aktie. Der Buchwert repräsentiert das Nettovermögen des Unternehmens, also die Summe aller Vermögenswerte abzüglich der Schulden. Ein KBV von unter 1 bedeutet theoretisch, dass man das Unternehmen an der Börse für weniger kaufen kann, als seine bilanzierte Substanz wert ist.

Diese Kennzahl ist besonders nützlich, um solide, substanzstarke Unternehmen in traditionellen Branchen zu identifizieren, deren aktueller Börsenwert möglicherweise hinter ihrem inneren Wert zurückbleibt. In Deutschland, einem Land mit einer starken industriellen Basis, gibt es zahlreiche solcher „Hidden Champions“, die oft attraktive Bewertungen aufweisen. Laut einer Analyse von Prof. Hermann Simon gibt es im deutschsprachigen Raum mehr als 1500 dieser versteckten Champions – mehr als im Rest der Welt zusammen. Die Suche nach diesen Perlen abseits der bekannten DAX-Werte kann sich lohnen.

Das KBV sollte jedoch niemals isoliert betrachtet werden. Ein niedriges KBV kann auch ein Warnsignal für ein Unternehmen in Schwierigkeiten sein. Daher muss es immer im Kontext weiterer Kennzahlen wie der Eigenkapitalrendite (ROE), dem Verschuldungsgrad und dem Vergleich mit dem Branchendurchschnitt bewertet werden. Ein systematischer Ansatz ist hier entscheidend.

Ihr Fahrplan für das KBV-Screening deutscher Aktien

  1. Fokus erweitern: Suchen Sie gezielt in den Indizes für mittelgroße Werte (MDAX) und kleinere Werte (SDAX) anstatt nur im DAX.
  2. KBV-Filter setzen: Filtern Sie nach Unternehmen mit einem KBV unter 1,5 in stabilen, nicht-zyklischen Branchen.
  3. Qualität prüfen: Kombinieren Sie das niedrige KBV mit einer hohen Eigenkapitalrendite (ROE) von über 10 % als Indikator für Profitabilität.
  4. Verschuldung kontrollieren: Achten Sie auf einen soliden Verschuldungsgrad. Eine Eigenkapitalquote von über 50 % ist ein gutes Zeichen.
  5. Branchenvergleich durchführen: Vergleichen Sie das KBV des Unternehmens mit dem Durchschnitt seiner Branche, um eine relative Unterbewertung zu erkennen.

Durch die Anwendung dieses systematischen Screenings können Sie diszipliniert und emotionslos Aktien identifizieren, die eine hohe Sicherheitsmarge bieten. Sie kaufen nicht nur eine Aktie, sondern einen Anteil an einem soliden, substanzstarken Unternehmen zu einem Preis, der potenziell unter seinem inneren Wert liegt. Dies ist eine der robustesten Methoden, um langfristig Vermögen aufzubauen und sich gegen die Launen des Marktes abzusichern.

Die Anwendung solcher fundamentalen Kennzahlen ist das Handwerkszeug des intelligenten Investors. Um Ihre Strategie zu verfeinern, ist es essenziell, dass Sie den Einsatz des KBV zur Identifizierung günstiger Aktien meistern.

Häufig gestellte Fragen zu inflationsgeschützten Anleihen

Was ist die Breakeven-Inflationsrate?

Die Breakeven-Inflationsrate ist der Punkt, ab dem sich inflationsgeschützte Anleihen gegenüber normalen Anleihen lohnen. Sie wird berechnet aus der Differenz der Renditen beider Anleihetypen und zeigt die vom Markt für die Zukunft erwartete durchschnittliche Inflation an. Liegt die tatsächliche Inflation über dieser Rate, war die inflationsgeschützte Anleihe die bessere Wahl.

Wie funktioniert die steuerliche Behandlung?

Inflationsindexierte Anleihen, wie die deutschen Bundesanleihen, passen ihre Zinszahlungen und den Rückzahlungsbetrag (Nennwert) automatisch an die Inflationsrate an. Steigt die Inflation beispielsweise um 2 %, steigen auch der Kupon und der Nennwert um diesen Betrag, wodurch Ihre reale Kaufkraft erhalten bleibt. Die Erträge unterliegen wie bei anderen Kapitalanlagen der Abgeltungsteuer.

Welche Nachteile haben Linker?

Der Hauptvorteil ist der sichere Inflationsschutz, der oft mit einer Staatsgarantie einhergeht. Der entscheidende Nachteil ist die in der Regel sehr niedrige Realrendite, die oft nur zwischen 0 % und 1 % liegt. Man erzielt also keine signifikante Wertsteigerung über die Inflation hinaus, sondern sichert lediglich den bestehenden Wert ab.

Geschrieben von Dr. Thomas Richter, Senior Equity Analyst (CFA) und Experte für fundamentale Unternehmensbewertung mit über 18 Jahren Erfahrung am Finanzplatz Frankfurt. Spezialisiert auf Value-Investing, Bilanzanalyse deutscher Mittelständler (DAX/SDAX) und die Identifikation von Qualitätsaktien.