Veröffentlicht am Mai 20, 2024

Die wichtigste Erkenntnis: Wahre Diversifikation bemisst sich nicht an der Anzahl Ihrer Wertpapiere, sondern an der bewussten Steuerung ihrer Korrelationen untereinander – besonders in Krisenzeiten.

  • Ein Portfolio mit 100 Tech-Aktien ist keine Diversifikation, sondern ein hochkonzentriertes Klumpenrisiko, das als „Korrelationsfalle“ wirkt.
  • Zeitliche Streuung durch einen Sparplan (Cost-Average-Effekt) ist eine ebenso mächtige Form der Risikominderung wie die Streuung über Anlageklassen.

Empfehlung: Überprüfen Sie Ihr Depot nicht nur auf Sektoren- und Länderallokation, sondern hinterfragen Sie aktiv, wie sich Ihre Anlagen in einem Marktabschwung wahrscheinlich verhalten werden, um systemische Resilienz zu schaffen.

Die meisten Anleger kennen den Grundsatz: „Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb.“ Diese Weisheit ist der Grundstein des Portfoliomanagements. Doch in der Praxis verwechseln viele die blosse Anhäufung verschiedener Wertpapiere mit echter, robuster Diversifikation. Man kauft einen Branchen-ETF, fügt ein paar bekannte Namen aus dem DAX hinzu und wiegt sich in falscher Sicherheit. Doch was passiert, wenn der Sturm aufzieht? Plötzlich stellt sich heraus, dass alle Körbe im selben, sinkenden Boot waren.

Das Problem liegt in einem weitverbreiteten Missverständnis. Es wird angenommen, dass die Anzahl der Positionen automatisch das Risiko senkt. Aber die Finanzmärkte von heute sind global vernetzt und komplexe Systeme. Die wahre Gefahr lauert nicht im Offensichtlichen, sondern in den versteckten Abhängigkeiten – den Korrelationen –, die erst in Stressphasen brutal zum Vorschein kommen. Ein Portfolio voller Technologie-Werte, egal ob 10 oder 100, ist keine Diversifikation, sondern eine Wette auf einen einzigen Sektor.

Aber was wäre, wenn der Schlüssel zu einem wirklich „unsinkbaren“ Portfolio nicht darin läge, einfach nur mehr zu streuen, sondern intelligenter zu streuen? Wenn wir Diversifikation nicht als eine statische Liste von Anlageklassen betrachten, sondern als eine dynamische Strategie, die darauf abzielt, die Korrelationen aktiv zu managen und Klumpenrisiken systematisch zu eliminieren? Genau das ist der Ansatz eines Risikomanagers: die Wahrscheinlichkeit eines Totalausfalls zu minimieren und ruhigen Schlaf zu ermöglichen.

Dieser Artikel führt Sie durch die fundamentalen Prinzipien der echten Diversifikation. Wir werden aufdecken, warum ein Tech-ETF eine Illusion der Sicherheit sein kann, wieso die alte Regel „Aktien plus Anleihen“ bröckelt und wie Sie mit einfachen, aber wirkungsvollen Strategien – sogar mit nur 25 € im Monat – ein Portfolio mit systemischer Resilienz aufbauen können.

Um Ihnen eine klare Orientierung zu geben, wie Sie die Prinzipien der echten Diversifikation schrittweise verstehen und anwenden können, haben wir diesen Leitfaden strukturiert. Der folgende Überblick zeigt Ihnen die Themen, die wir im Detail behandeln werden, um Ihr Portfolio krisenfester zu machen.

Wie Sie mit nur 15 Aktien das einzelunternehmensspezifische Risiko fast eliminieren?

Viele Anleger glauben, sie bräuchten Hunderte von Aktien, um ein diversifiziertes Portfolio aufzubauen. Diese Vorstellung führt oft zu Überforderung und letztlich zur Untätigkeit. Die gute Nachricht aus der Finanzwissenschaft ist jedoch, dass der grösste Teil des unternehmensspezifischen Risikos – also das Risiko, dass eine einzelne Firma scheitert (wie im Fall Wirecard) – bereits mit einer erstaunlich kleinen Anzahl von Aktien drastisch reduziert werden kann. Es geht nicht um die schiere Menge, sondern um die richtige Auswahl.

Das unternehmensspezifische (oder unsystematische) Risiko ist der Teil des Risikos, der für eine einzelne Aktie einzigartig ist. Es umfasst Managementfehler, Skandale oder den Verlust von Marktanteilen. Das Marktrisiko (oder systematische Risiko) hingegen betrifft alle Unternehmen, wie z.B. eine Rezession oder eine Pandemie. Durch Diversifikation können wir das unsystematische Risiko fast vollständig eliminieren, während das Marktrisiko bestehen bleibt. Die entscheidende Frage ist: Wie viele Aktien braucht man dafür?

Die Antwort ist überraschend: laut Finanzexperten reichen 15-30 Aktien aus verschiedenen Branchen und Regionen, um über 90 % des unsystematischen Risikos zu eliminieren. Jede zusätzliche Aktie senkt das Risiko nur noch marginal, erhöht aber den Analyse- und Verwaltungsaufwand erheblich. Der Schlüssel liegt in der Auswahl von Unternehmen, die möglichst wenig miteinander korrelieren.

Ein Portfolio aus 15 Automobilherstellern ist keine Diversifikation. Ein robustes Portfolio könnte jedoch aus einer Mischung von stabilen Konsumgüterherstellern (wie Beiersdorf), globalen Technologie-Führern (wie Microsoft), Gesundheitskonzernen (wie Novartis) und vielleicht einem Versorger (wie E.ON) bestehen. So stellen Sie sicher, dass eine Krise in einer Branche nicht Ihr gesamtes Depot in den Abgrund reisst. Es ist die Qualität der Streuung, die zählt, nicht die Quantität.

Warum ein „Tech-ETF“ keine Diversifikation ist, auch wenn 100 Firmen drin sind?

Exchange Traded Funds (ETFs) werden oft als das ultimative Werkzeug zur Diversifikation für Privatanleger gepriesen. Sie sind kostengünstig, transparent und ermöglichen es, mit einem einzigen Kauf in Hunderte von Unternehmen zu investieren. Doch hier lauert eine gefährliche Falle: die Annahme, dass jeder ETF automatisch für eine gute Streuung sorgt. Besonders thematische ETFs, wie die beliebten Technologie- oder KI-Fonds, sind oft das genaue Gegenteil von Risikostreuung: Sie sind ein Paradebeispiel für ein Klumpenrisiko.

Ein ETF, der 100 Unternehmen aus dem Technologiesektor abbildet, diversifiziert zwar das unternehmensspezifische Risiko (der Ausfall einer einzelnen Firma wird abgefedert), aber er konzentriert das sektorale Risiko massiv. Alle enthaltenen Unternehmen sind denselben branchenspezifischen Zyklen, regulatorischen Änderungen und technologischen Umbrüchen ausgesetzt. Wenn der gesamte Sektor unter Druck gerät, wie es bei steigenden Zinsen oder geplatzten Bewertungsblasen der Fall ist, fällt das gesamte ETF-Portfolio. Man sitzt in der sogenannten Korrelationsfalle.

Der Beweis dafür wurde im Jahr 2022 eindrücklich erbracht: Während ein breit gestreuter Weltindex wie der MSCI World um etwa 13% nachgab, mussten Anleger in reinen Tech-ETFs deutlich höhere Verluste hinnehmen, da die Daten für 2022 deutlich zeigen, dass die hoch bewerteten Tech-Aktien besonders stark korrigierten. Das ist keine Risikominderung, sondern eine Risikoverstärkung.

Der direkte Vergleich verdeutlicht die Gefahr der sektoralen Konzentration.

Vergleich: Tech-ETF vs. MSCI World
Merkmal Tech-ETF MSCI World
Anzahl Unternehmen 100+ 1.600+
Sektorkonzentration >95% Technologie Breite Streuung
Volatilität ±25% ±15%
Währungsrisiko EUR/USD Sehr hoch Moderat
Visualisierung der Risikokonzentration bei Tech-ETFs versus breiter Diversifikation

Wie die Visualisierung und die Tabelle zeigen, bietet ein globaler Index eine viel breitere Streuung über Sektoren wie Finanzen, Gesundheit, Industrie und Konsumgüter. Diese systemische Resilienz fehlt einem Themen-ETF völlig. Er ist ein Spekulationsinstrument, kein Baustein für ein stabiles Fundament. Echte Diversifikation bedeutet, auch in Branchen investiert zu sein, die gerade nicht im Hype sind.

Jenseits der USA: Warum Sie Europa und Asien im Depot brauchen?

Ein häufiger Fehler, den Anleger – auch unbewusst durch globale ETFs – machen, ist der sogenannte „Home Bias“. Deutsche Anleger neigen dazu, den DAX überzugewichten, während global ausgerichtete Portfolios oft einen massiven Schwerpunkt auf US-Aktien legen. Ein MSCI World ETF besteht beispielsweise zu fast 70 % aus US-Unternehmen. Das ist keine ausgewogene Weltwirtschaft, sondern eine massive Wette auf eine einzige Volkswirtschaft und eine einzige Währung, den US-Dollar.

Auch wenn die US-Wirtschaft in den letzten zehn Jahren eine beeindruckende Performance hingelegt hat, ist eine solche Konzentration aus Risikomanagement-Sicht fahrlässig. Politische Risiken, regulatorische Änderungen oder eine nachlassende wirtschaftliche Dynamik können die US-Märkte über Jahre hinweg unterdurchschnittlich performen lassen. Echte globale Diversifikation bedeutet, das Depot bewusst um andere starke Wirtschaftsräume wie Europa und Asien zu ergänzen, um dieses Klumpenrisiko zu reduzieren.

Fallstudie: Die Macht der globalen Streuung

Eine vielzitierte Studie von Vanguard zeigt, dass die Korrelation zwischen den grossen Aktienmärkten (S&P 500 für die USA, STOXX Europe 600 für Europa und MSCI Asia) zwar positiv, aber deutlich unter 1 liegt. Das bestätigt klare Diversifikationsvorteile. Während sich US-Aktien in der letzten Dekade fast doppelt so stark entwickelten wie andere Märkte, sind die Prognosen für die kommenden zehn Jahre deutlich verhaltener: Vanguard erwartet für Euro-Anleger nur noch eine Jahresrendite von 1,8% bis 3,8% für US-Aktien. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, nicht nur auf den Rückspiegel (vergangene Performance), sondern auf die Windschutzscheibe (zukünftige Potenziale) zu blicken.

Durch die Beimischung europäischer und asiatischer Aktien diversifizieren Sie nicht nur Währungsrisiken, sondern investieren auch in Unternehmen mit anderen Geschäftsmodellen und Wachstumszyklen. Viele europäische Unternehmen sind Weltmarktführer in Nischenindustrien („Hidden Champions“), während Asien von einer wachsenden Mittelschicht und technologischen Sprunginnovationen profitiert. Als Faustregel für deutsche Anleger gilt, dass der Heimatmarkt nicht zu stark gewichtet werden sollte; Experten empfehlen maximal 10-15% Deutschland-Anteil im Gesamtportfolio, um eine ausgewogene globale Streuung zu gewährleisten.

Ab wann schadet zu viel Streuung Ihrer Rendite (Diworsification)?

Nachdem wir die Gefahren der Konzentration und die Notwendigkeit der Streuung beleuchtet haben, müssen wir auch die andere Seite der Medaille betrachten. Es gibt einen Punkt, an dem mehr Diversifikation nicht mehr zu weniger Risiko, sondern zu weniger Rendite und mehr Komplexität führt. Dieses Phänomen wird treffend als „Diworsification“ bezeichnet – eine Verschlimmbesserung durch übermässige Streuung.

Diworsification tritt ein, wenn ein Anleger so viele verschiedene Positionen im Portfolio hat, dass er den Überblick verliert. Die vielversprechendsten Anlagen werden durch eine Vielzahl mittelmässiger oder sogar schlechter Investments so stark verwässert, dass die Gesamtrendite sich zwangsläufig dem Marktdurchschnitt annähert – abzüglich der Transaktionskosten und des Verwaltungsaufwands. Man besitzt dann effektiv einen teuren, selbstgebastelten Indexfonds, hat aber auf die Chance verzichtet, durch gezielte, überzeugte Investitionen eine Überrendite zu erzielen.

Bei sehr vielen Aktien ähnelt das Portfolio dann einem ETF. Je höher die Anzahl der Aktien im Portfolio, desto mehr nähert man sich an die Marktrendite an.

– Frank Seehawer, Aktienwelt360

Für die meisten Privatanleger ist es weder notwendig noch sinnvoll, 50 Einzelaktien oder 10 verschiedene ETFs zu halten. Die Komplexität steigt exponentiell, während der zusätzliche Nutzen für die Risikoreduktion ab einem bestimmten Punkt gegen Null geht. Studien bestätigen, dass oft 3-5 ETFs ausreichen, um eine hervorragende globale Diversifikation über Tausende von Aktien und Anleihen in Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländern zu erreichen. Ein klassisches Drei-ETF-Portfolio könnte beispielsweise aus einem ETF auf den MSCI World, einem auf den MSCI Emerging Markets und einem auf globale Staatsanleihen bestehen. Dies schafft eine breite, kostengünstige und leicht zu verwaltende Basis, die Diworsification vermeidet.

Warum der Sparplan (Cost-Average-Effekt) auch eine Form der Risikostreuung ist?

Diversifikation wird meist räumlich verstanden: die Streuung des Kapitals auf verschiedene Anlageklassen, Regionen und Sektoren. Doch es gibt eine zweite, oft unterschätzte Dimension der Risikostreuung: die zeitliche Diversifikation. Genau dieses Prinzip macht der klassische ETF-Sparplan so mächtig. Er ist nicht nur ein bequemer Weg, um Vermögen aufzubauen, sondern auch eine intelligente Strategie zur Risikominderung.

Das zugrundeliegende Prinzip ist der Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt). Indem Sie regelmässig einen festen Betrag – zum Beispiel 100 € pro Monat – investieren, kaufen Sie automatisch mehr Anteile, wenn die Kurse niedrig sind, und weniger Anteile, wenn die Kurse hoch sind. Sie agieren antizyklisch, ohne darüber nachdenken oder den Markt timen zu müssen. Dies glättet Ihren durchschnittlichen Einkaufspreis über die Zeit und reduziert das Risiko, Ihr gesamtes Kapital an einem einzigen, ungünstigen Zeitpunkt (z. B. kurz vor einem Crash) zu investieren.

Zeitliche Diversifikation durch regelmässiges Sparen über verschiedene Marktphasen

Die Wirksamkeit dieser Strategie zeigt sich besonders in volatilen Marktphasen. Ein einfaches Beispiel: Ein monatlicher 100-Euro-Sparplan in einen MSCI World ETF, der 2018 gestartet wurde, hat die Markteinbrüche im März 2020 (Corona-Crash) und im Jahr 2022 (Zinswende) nicht als Katastrophe, sondern als „Rabattaktion“ genutzt. In diesen Phasen wurden für die gleiche Sparrate mehr Anteile erworben, was die Gesamtrendite bei der anschliessenden Erholung signifikant erhöhte. Der Sparplan diszipliniert den Anleger und schaltet die grösste Fehlerquelle aus: die eigenen Emotionen.

Die Einrichtung eines solchen Sparplans ist in Deutschland dank moderner Neo-Broker so einfach und günstig wie nie zuvor. Es ist ein mächtiges Werkzeug, um von der zeitlichen Dimension der Diversifikation zu profitieren.

Ihr Aktionsplan: ETF-Sparplan einrichten

  1. Depot eröffnen: Eröffnen Sie ein kostenloses Depot bei einem Neo-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital.
  2. ETF auswählen: Wählen Sie einen breit gestreuten globalen ETF, z.B. auf den MSCI World oder FTSE All-World.
  3. Sparrate festlegen: Bestimmen Sie Ihren monatlichen Sparbetrag. Dies ist oft schon ab 1 € möglich, sinnvoll sind Beträge ab 25 €.
  4. Ausführungstag wählen: Legen Sie fest, ob der Sparplan am 1. oder 15. des Monats ausgeführt werden soll.
  5. Automatisierung aktivieren: Aktivieren Sie den Dauerauftrag, um emotionslos und diszipliniert zu investieren und den vollen Nutzen des Cost-Average-Effekts zu erzielen.

Risiko intelligent senken: Wie Sie Volatilität für sich nutzen statt sie zu fürchten?

Für die meisten Anleger ist Volatilität – das Auf und Ab der Kurse – ein Schreckgespenst. Sie wird mit Risiko und Verlust gleichgesetzt. Ein Risikomanager sieht das anders: Volatilität ist nicht nur eine Gefahr, sondern auch eine opportunistische Kraft, die man für sich nutzen kann, wenn man eine disziplinierte Strategie verfolgt. Eine der wirkungsvollsten Methoden hierfür ist das sogenannte Rebalancing.

Rebalancing bedeutet, das eigene Portfolio regelmässig auf seine ursprüngliche Ziel-Gewichtung zurückzusetzen. Stellen Sie sich vor, Sie haben ein Portfolio, das zu 70 % aus Aktien (MSCI World) und zu 30 % aus Aktien von Schwellenländern (MSCI Emerging Markets) bestehen soll. Nach einem Jahr, in dem der MSCI World stark gestiegen und die Schwellenländer gefallen sind, könnte die Gewichtung nun 75 % zu 25 % betragen. Ihr Portfolio hat ein Übergewicht im gut gelaufenen Teil und ist somit riskanter geworden.

Beim Rebalancing verkaufen Sie nun einen Teil der Gewinner (MSCI World) und kaufen mit dem Erlös die Verlierer (MSCI Emerging Markets) nach, bis die ursprüngliche 70/30-Aufteilung wiederhergestellt ist. Dieser Prozess zwingt Sie zu einem antizyklischen Verhalten: Sie verkaufen teuer und kaufen günstig. Anstatt Trends hinterherzulaufen, nutzen Sie die natürliche Tendenz der Märkte, zu ihrem Mittelwert zurückzukehren (Mean Reversion).

Diese Strategie ist nicht nur theoretisch fundiert, sondern zahlt sich auch aus. Wissenschaftliche Studien zeigen bis zu 0,5% höhere jährliche Rendite allein durch diszipliniertes Rebalancing. Es ist eine mechanische Umsetzung der alten Börsenweisheit „Gewinne mitnehmen“. Anstatt die Volatilität zu fürchten, wird sie zu einem Motor für die Portfolio-Performance. Ein jährliches oder schwellenwertbasiertes Rebalancing (z. B. wenn eine Anlageklasse um mehr als 5 % von ihrem Ziel abweicht) ist eine einfache, aber extrem wirkungsvolle Methode, das Risiko aktiv zu steuern und die Rendite zu optimieren.

Aktien und Anleihen: Warum funktioniert diese Kombination nicht mehr so wie früher?

Über Jahrzehnte galt das 60/40-Portfolio – 60 % Aktien für das Wachstum, 40 % Anleihen für die Stabilität – als Goldstandard der Geldanlage. Die Logik war einfach und bestechend: Wenn Aktien fielen (z. B. in einer Rezession), stiegen Anleihenkurse, da die Zinsen gesenkt wurden. Anleihen waren der sichere Hafen, der das Portfolio stabilisierte. Doch diese negative Korrelation, das Fundament der Strategie, ist in den letzten Jahren brüchig geworden.

Das Jahr 2022 markierte eine schmerzhafte Zäsur. Aufgrund der rasant steigenden Inflation mussten die Zentralbanken die Zinsen aggressiv anheben. Dies führte zu einem seltenen und für viele Anleger katastrophalen Szenario: Sowohl Aktien als auch Anleihen fielen gleichzeitig und teilweise dramatisch. Die sicheren Staatsanleihen boten keinen Schutz mehr. Im Gegenteil, historische Daten belegen die Verluste von über 12% bei deutschen Staatsanleihen (gemessen am REXP) und sogar über 15 % bei Euro-Rentenindizes. Der vermeintlich sichere Teil des Portfolios wurde zur grössten Belastung.

Dies bedeutet nicht, dass Anleihen nutzlos geworden sind. Sie bieten weiterhin planbare Zinserträge. Aber ihre Rolle als alleiniger, verlässlicher Diversifikator für Aktien muss kritisch hinterfragt werden. Ein moderner Risikomanagement-Ansatz erfordert die Suche nach alternativen Diversifikationsquellen, die in einem inflationären Umfeld besser funktionieren könnten.

Die Performance verschiedener Anlageklassen im Krisenjahr 2022 liefert hierzu wertvolle Hinweise.

Performance alternativer Diversifikations-Assets 2022
Asset-Klasse Performance 2022 Korrelation zu Aktien
Gold +6% Negativ/Niedrig
Rohstoffe +34% Moderat
Deutsche Pfandbriefe -8% Niedrig
Krypto-Assets -60% Hoch

Die Daten zeigen, dass insbesondere Gold und Rohstoffe ihre Rolle als Inflationsschutz und Diversifikator im Jahr 2022 erfüllten. Krypto-Assets hingegen erwiesen sich als hochkorrelierte Risikoanlagen. Für den Aufbau eines resilienten Portfolios bedeutet dies, über die klassische Aktien-Anleihen-Mischung hinauszudenken und eine Beimischung von alternativen Anlageklassen wie Gold oder Rohstoffen (in kleinen Dosen, z. B. 5-10 %) in Betracht zu ziehen, um für Szenarien gewappnet zu sein, in denen die alte Korrelation nicht mehr greift.

Das Wichtigste in Kürze

  • Qualität vor Quantität: Echte Diversifikation kommt von gering korrelierten Anlagen, nicht von einer hohen Anzahl an Positionen.
  • Gefahr der Themen-ETFs: Sektor-ETFs sind oft Konzentrationswetten und keine Diversifikationsinstrumente.
  • Zeitliche Streuung: Regelmässiges Investieren per Sparplan (Cost-Average-Effekt) ist eine mächtige Form der Risikominderung.

Wie starten Sie ein Vermögen mit nur 25 € im Monat?

Der Gedanke an den Vermögensaufbau kann einschüchternd wirken. Man liest von sechsstelligen Depotwerten und komplexen Strategien und kommt schnell zu dem Schluss: „Das ist nichts für mich, ich habe nicht genug Geld.“ Dies ist einer der grössten Mythen, der Menschen vom Investieren abhält. Die Wahrheit ist: Dank des Zinseszinseffekts und der Verfügbarkeit von kostengünstigen Sparplänen kann jeder, wirklich jeder, mit dem Vermögensaufbau beginnen – selbst mit nur 25 Euro im Monat.

Der Schlüssel zum Erfolg bei kleinen Beträgen liegt in zwei Faktoren: Zeit und Disziplin. Der Zinseszinseffekt, von Albert Einstein als das achte Weltwunder bezeichnet, bewirkt, dass nicht nur Ihr eingesetztes Kapital, sondern auch die darauf erwirtschafteten Erträge weitere Erträge generieren. Über lange Zeiträume entfaltet dieser Effekt eine enorme Kraft. Es mag unglaublich klingen, aber Berechnungen zeigen ein mögliches Vermögen von über 60.000€, wenn man 40 Jahre lang monatlich 25 € bei einer angenommenen Rendite von 7 % pro Jahr anlegt. Der grösste Hebel ist nicht der Betrag, sondern die Zeit.

Moderne Neo-Broker wie Trade Republic oder Scalable Capital haben die Einstiegshürden komplett beseitigt. Die Depoteröffnung ist kostenlos und in wenigen Minuten erledigt. Sparpläne auf breit gestreute ETFs wie einen auf den MSCI ACWI IMI (der über 9.000 Unternehmen weltweit umfasst) sind oft gebührenfrei und schon ab 1 € Sparrate möglich. Dies demokratisiert den Vermögensaufbau vollständig.

Der wichtigste Schritt ist der erste. Warten Sie nicht auf den perfekten Moment oder ein höheres Gehalt. Richten Sie einen kleinen Sparplan ein und lassen Sie die Automatisierung und die Zeit für sich arbeiten. Vergessen Sie nicht, auch einen Freistellungsauftrag einzurichten, damit Kapitalerträge bis zum Sparer-Pauschbetrag (derzeit 1.000 € für Ledige) steuerfrei bleiben. Ein kleiner, disziplinierter Start ist unendlich viel mehr wert als ein grosser, aber nie umgesetzter Plan.

Der Beginn ist oft der schwierigste Teil. Es ist essenziell, die einfachen und pragmatischen Schritte zu verinnerlichen, die es Ihnen ermöglichen, schon mit kleinsten Beträgen den Grundstein für Ihr Vermögen zu legen.

Der erste Schritt zu einem unsinkbaren Portfolio ist nicht die Jagd nach der nächsten Top-Aktie, sondern eine ehrliche Analyse Ihrer bestehenden Risiken. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Depot nach den Prinzipien der echten Diversifikation zu überprüfen und die Weichen für einen ruhigen Schlaf und langfristigen Erfolg zu stellen.

Geschrieben von Thomas Wagner, Unabhängiger Honorar-Finanzanlagenberater und Certified Financial Planner (CFP) mit über 15 Jahren Erfahrung in der strategischen Vermögensplanung. Er ist spezialisiert auf evidenzbasierte Anlagestrategien mittels ETFs und die Schließung der Rentenlücke für Privatanleger.