
Der Erfolg Ihres Portfolios hängt nicht von der Jagd nach der nächsten „heissen“ Aktie ab, sondern von einer klaren, wissenschaftlich fundierten Architektur.
- Die strategische Vermögensaufteilung (Asset-Allocation) bestimmt über 90 % Ihrer langfristigen Rendite, nicht die Einzeltitelauswahl.
- Die Core-Satellite-Strategie bietet eine robuste Struktur, die Stabilität durch einen breiten ETF-Kern und Renditechancen durch gezielte Nebenanlagen kombiniert.
Empfehlung: Strukturieren Sie Ihr Depot methodisch von Grund auf, um kostspieligen Aktionismus zu vermeiden und Ihre finanziellen Lebensziele systematisch zu erreichen.
Viele Anleger kennen das Gefühl: Das Depot ist über Jahre gewachsen, hat sich aber in eine unübersichtliche Sammlung von Einzelaktien, Fondsresten und spekulativen ETF-Positionen verwandelt. Man hat hier eine Empfehlung befolgt, dort einen Trend mitgenommen, doch eine übergeordnete Strategie fehlt. Dieses „Aktien-Chaos“ erzeugt nicht nur Unruhe, sondern sabotiert oft unbemerkt den langfristigen Vermögensaufbau. Die ständige Suche nach dem nächsten Gewinner, die sogenannte Stock-Picking-Manie, ist ein weitverbreiteter, aber nachweislich ineffektiver Ansatz.
Der gängige Rat lautet oft, einfach „breit zu streuen“ oder „in günstige ETFs zu investieren“. Doch das greift zu kurz. Was passiert, wenn Ihr Portfolio zwar aus vielen Teilen besteht, diese aber nicht aufeinander abgestimmt sind? Was, wenn die Kostenstruktur unklar ist oder die steuerlichen Aspekte in Deutschland nicht optimal genutzt werden? Die wahre Lösung liegt nicht darin, weitere Teile zum Puzzle hinzuzufügen, sondern darin, das Puzzle selbst neu zu gestalten. Was, wenn der Schlüssel zum Erfolg nicht in der Auswahl einzelner Bausteine, sondern in deren architektonischer Anordnung liegt?
Dieser Artikel dient Ihnen als Bauplan. Wir führen Sie von der chaotischen Ansammlung von Wertpapieren zu einer klaren, wissenschaftlich fundierten Portfolio-Architektur. Wir konzentrieren uns auf die Prinzipien, die wirklich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden – die Strategie, die Struktur und die Disziplin. Anstatt blinden Aktionismus zu betreiben, werden Sie lernen, wie Sie ein robustes System schaffen, das für Sie arbeitet und eine direkte Verbindung zu Ihren persönlichen Lebenszielen herstellt. Es geht darum, strategische Klarheit zu schaffen, damit Ihr Vermögen nicht nur wächst, sondern Ihnen auch Sicherheit und Planbarkeit gibt.
Um Ihnen eine klare und strukturierte Übersicht zu bieten, haben wir diesen Leitfaden in logische Abschnitte unterteilt. Jeder Teil baut auf dem vorherigen auf und führt Sie schrittweise von den fundamentalen Prinzipien bis hin zur konkreten Umsetzung und Pflege Ihres neuen, zielgerichteten Portfolios.
Inhaltsverzeichnis: Vom Portfolio-Chaos zur strategischen Klarheit
- Warum ist die Strategie wichtiger für den Erfolg als die Auswahl einzelner Aktien?
- Wie setzen Sie die Core-Satellite-Strategie mit ETFs und Einzelaktien um?
- Pantoffel-Portfolio oder 70/30:Wie erzielen Sie einen positiven Cashflow trotz hoher Zinsen und Bewirtschaftungskosten?
- Das Risiko des Hin-und-Her: Wie Aktionismus Ihre Rendite um 2% senkt
- Wann und wie oft sollten Sie Ihr Portfolio auf die ursprüngliche Gewichtung zurücksetzen?
- Warum die Asset-Allocation für 90% Ihrer langfristigen Rendite verantwortlich ist?
- FTSE All-World oder MSCI ACWI: Welcher Welt-ETF ist der bessere Allrounder?
- Wie wählen Sie den richtigen ETF aus über 2000 Produkten in Deutschland aus?
Warum ist die Strategie wichtiger für den Erfolg als die Auswahl einzelner Aktien?
Für viele Anleger, die aus einem Sammelsurium an Einzelaktien kommen, ist die Erkenntnis ernüchternd, aber fundamental: Die Jagd nach der nächsten „Gewinner-Aktie“ ist meist ein verlustreiches Unterfangen. Der wahre Hebel für langfristigen Erfolg liegt nicht in der Auswahl einzelner Titel (Market Timing oder Stock Picking), sondern in der übergeordneten strategischen Aufteilung Ihres Vermögens auf verschiedene Anlageklassen. Diese sogenannte Asset-Allocation ist der Grundpfeiler einer jeden soliden Portfolio-Architektur.
Die Bedeutung der Strategie wird durch harte Fakten untermauert. Zahlreiche akademische Studien belegen, dass die strategische Asset-Allocation über 90 % der Schwankungen der Portfoliorendite erklärt. Die Auswahl konkreter Wertpapiere oder der Versuch, den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden, trägt nur einen Bruchteil zum Gesamterfolg bei. Diese Fokussierung auf die falschen Hebel führt oft in die sogenannte Aktionismus-Falle, die Rendite kostet, anstatt sie zu schaffen.
Ein prominentes deutsches Beispiel für die Gefahren des Stock Pickings ist die Geschichte der T-Aktie. Als sie 1996 an die Börse ging, löste sie eine beispiellose Euphorie aus und wurde als „Volksaktie“ vermarktet. Viele Anleger setzten alles auf eine Karte. Doch wer damals investierte, blickt heute oft auf eine enttäuschende Performance zurück. Wie eine Analyse zeigt, hätte ein Anleger mit einem breit gestreuten Investment in den DAX-Index im selben Zeitraum eine Rendite von rund 490 Prozent erzielt. Dieses Beispiel demonstriert eindrücklich: Eine diversifizierte, strategische Anlage schlägt langfristig fast immer die Wette auf einen Einzeltitel.
Wie setzen Sie die Core-Satellite-Strategie mit ETFs und Einzelaktien um?
Sobald Sie die Bedeutung der Strategie verinnerlicht haben, stellt sich die Frage nach der konkreten Umsetzung. Wie verwandelt man ein chaotisches Depot in eine strukturierte Anlage? Eine der bewährtesten Methoden zur Schaffung einer klaren Portfolio-Architektur ist die Core-Satellite-Strategie. Sie kombiniert Stabilität und Einfachheit mit gezielten Renditechancen und ist ideal für Anleger, die Ordnung schaffen und dennoch nicht auf individuelle Akzente verzichten wollen.
Das Prinzip ist einfach: Ihr Portfolio wird in zwei Bereiche unterteilt. Der „Core“ (Kern) bildet das stabile Fundament und macht typischerweise 70-90 % des Gesamtvermögens aus. Dieser Kern besteht aus wenigen, sehr breit diversifizierten und kostengünstigen ETFs, zum Beispiel auf einen globalen Aktienindex wie den MSCI ACWI oder FTSE All-World. Das Ziel des Kerns ist es, die Marktrendite langfristig und passiv einzufangen („Buy and Hold“).

Um diesen stabilen Kern herum gruppieren sich die „Satellites“ (Satelliten), die die restlichen 10-30 % des Portfolios ausmachen. Hier können Sie gezielt Akzente setzen und Ihre Marktmeinung einbringen. Satelliten können beispielsweise Themen-ETFs (z. B. auf künstliche Intelligenz oder erneuerbare Energien), Branchen-ETFs oder auch eine Auswahl Ihrer überzeugendsten Einzelaktien sein. Im Gegensatz zum Core, der passiv gehalten wird, können die Satelliten aktiver und opportunistischer gehandhabt werden. So behalten Sie die Möglichkeit, auf Trends zu setzen, ohne die Stabilität Ihres gesamten Portfolios zu gefährden.
Pantoffel-Portfolio oder 70/30:Wie erzielen Sie einen positiven Cashflow trotz hoher Zinsen und Bewirtschaftungskosten?
Eine klare Struktur ist die eine Hälfte der Miete. Die andere ist die Frage, wie das Portfolio zu Ihren finanziellen Bedürfnissen passt – insbesondere, wenn Sie regelmässige Erträge, also einen positiven Cashflow, anstreben. Modelle wie das von Finanztest populär gemachte „Pantoffel-Portfolio“ oder eine klassische 70/30-Aufteilung bieten hierfür exzellente, wissenschaftlich fundierte Vorlagen. Die Grundidee ist, den renditestarken, aber volatilen Aktienteil durch einen stabilisierenden, zinsbringenden Anleihenteil zu ergänzen.
Eine typische Umsetzung wäre eine Aufteilung von 70 % in einen globalen Aktien-ETF und 30 % in einen ETF auf hochwertige Staats- oder Unternehmensanleihen. Der Aktienteil sorgt für das langfristige Wachstum, während der Anleihenteil als Puffer in turbulenten Marktphasen dient und regelmässige Zinserträge liefert. Historisch haben breit diversifizierte Aktien-ETF-Portfolios langfristig durchschnittliche jährliche Renditen zwischen 5-8 % erzielt, wobei der Anleihenteil die Schwankungen glättet.
Um den Cashflow gezielt zu steuern, ist in Deutschland die Wahl zwischen thesaurierenden und ausschüttenden ETFs entscheidend. Ausschüttende ETFs zahlen Dividenden und Zinsen direkt auf Ihr Verrechnungskonto aus und schaffen so einen regelmässigen Geldfluss. Dies ist ideal, um den jährlichen Sparerpauschbetrag von derzeit 1.000 € pro Person (Stand 2024) optimal auszunutzen, da Erträge bis zu dieser Höhe steuerfrei bleiben. Thesaurierende ETFs hingegen reinvestieren die Erträge automatisch, was den Zinseszinseffekt maximiert. Hier fällt jedoch seit 2018 die sogenannte Vorabpauschale an, eine fiktive Steuer auf erwartete Erträge, die Sie in Ihrer Planung berücksichtigen müssen.
Das Risiko des Hin-und-Her: Wie Aktionismus Ihre Rendite um 2% senkt
Einer der grössten Feinde des Anlegers ist er selbst. Die Tendenz, auf jede Marktbewegung zu reagieren, Positionen hektisch zu verkaufen und neue „Chancen“ zu jagen, wird als Aktionismus bezeichnet. Dieses ständige Hin und Her im Depot ist nicht nur stressig, sondern vernichtet nachweislich Rendite. Studien zeigen immer wieder, dass Privatanleger durch schlechtes Timing und häufiges Handeln ihre Performance im Schnitt um 1,5 % bis 2 % pro Jahr schmälern – eine enorme Summe über einen langen Anlagehorizont.
Woher kommt dieser Drang? Emotionen wie Gier und Angst sind starke Treiber. Steigende Kurse verleiten zu unüberlegten Käufen, fallende Kurse lösen Panikverkäufe aus. Hinzu kommen Transaktionskosten bei jedem Kauf und Verkauf sowie steuerliche Nachteile. Jede realisierte Kursgewinn unterliegt in Deutschland der Abgeltungsteuer. Wer ständig umschichtet, zahlt also nicht nur Gebühren an den Broker, sondern auch Steuern an das Finanzamt, was den Zinseszinseffekt empfindlich stört.
Die wirksamste Waffe gegen die Aktionismus-Falle ist eine disziplinierte „Buy-and-Hold“-Strategie, die das Fundament der Core-Satellite-Struktur bildet. Sie definieren einmal Ihre strategische Allokation und halten daran fest, unabhängig von kurzfristigem Marktlärm. Anstatt zu versuchen, den Markt zu schlagen, partizipieren Sie an seiner langfristigen Entwicklung. Diese disziplinierte Geduld ist das, was professionelle Anleger von Amateuren unterscheidet. Es geht darum, dem sorgfältig aufgesetzten System zu vertrauen und es für sich arbeiten zu lassen, anstatt ihm ständig ins Handwerk zu pfuschen.
Wann und wie oft sollten Sie Ihr Portfolio auf die ursprüngliche Gewichtung zurücksetzen?
Ein diszipliniertes „Buy-and-Hold“ bedeutet nicht, das Portfolio nach der Ersteinrichtung komplett zu ignorieren. Märkte entwickeln sich, und die verschiedenen Anlageklassen in Ihrem Depot werden sich unterschiedlich schnell bewegen. Der Aktienteil wird in guten Börsenjahren voraussichtlich stärker wachsen als der Anleihenteil. Dadurch verschiebt sich Ihre ursprünglich festgelegte 70/30-Gewichtung beispielsweise zu 80/20. Ihr Portfolio wird riskanter, als Sie es ursprünglich geplant hatten. Um diese strategische Klarheit wiederherzustellen, ist ein regelmässiges Rebalancing, also das Zurücksetzen auf die Zielgewichtung, unerlässlich.
Es gibt zwei gängige Methoden für das Rebalancing:
- Zeitbasiertes Rebalancing: Sie überprüfen Ihr Portfolio in festen Intervallen, z. B. einmal pro Jahr, und passen die Gewichtung an. Dies ist einfach und diszipliniert.
- Schwellenwertbasiertes Rebalancing: Sie definieren einen Toleranzkorridor, z. B. +/- 5 %. Weicht eine Anlageklasse um mehr als diesen Wert von ihrer Zielgewichtung ab (z. B. der Aktienteil erreicht 75 %), wird ein Rebalancing ausgelöst.
In Deutschland lässt sich das Rebalancing steueroptimiert gestalten. Anstatt gewinnbringende Positionen zu verkaufen und damit Steuern auszulösen, können Sie neue Sparraten gezielt dazu nutzen, die untergewichteten Anlageklassen aufzufüllen. Wenn Ihr Aktienteil zu stark gewachsen ist, leiten Sie Ihre monatlichen Sparpläne einfach vollständig in den Anleihen-ETF, bis die Zielallokation wiederhergestellt ist. Eine weitere clevere Methode ist, Verkäufe so zu timen, dass sie den jährlichen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro ausnutzen, um Gewinne steuerfrei zu realisieren.
Ihr 5-Schritte-Plan zur Portfolio-Analyse
- Bestandsaufnahme: Listen Sie alle Wertpapiere in Ihrem Depot auf (Aktien, ETFs, Fonds) und kategorisieren Sie sie nach Anlageklasse (z. B. Aktien Welt, Anleihen Euro, Immobilien).
- Chaos-Analyse: Identifizieren Sie Klumpenrisiken (z. B. über 5 % des Vermögens in einer Einzelaktie) und redundante Positionen (z. B. drei verschiedene ETFs auf den MSCI World).
- Ziel-Definition: Definieren Sie Ihre strategische Ziel-Allokation (z. B. Core-Satellite 80/20) und die prozentuale Aufteilung innerhalb des Cores (z. B. 70 % Aktien, 30 % Anleihen).
- Soll-Ist-Abgleich: Vergleichen Sie Ihre aktuelle Ist-Verteilung mit Ihrer neuen Soll-Allokation. Wo sind die grössten Abweichungen?
- Massnahmenplan: Erstellen Sie einen Plan, wie Sie die Lücken schliessen. Priorisieren Sie Verkäufe (unter Nutzung des Sparerpauschbetrags) und lenken Sie neue Sparpläne um, um die Zielstruktur schrittweise zu erreichen.
Warum die Asset-Allocation für 90% Ihrer langfristigen Rendite verantwortlich ist?
Wir haben es bereits erwähnt, aber dieser Punkt ist so fundamental, dass er eine eigene Vertiefung verdient: Die strategische Aufteilung Ihres Vermögens – die Asset-Allocation – ist der entscheidende Treiber Ihrer Rendite. Diese Erkenntnis geht auf eine bahnbrechende Studie der Finanzwissenschaftler Brinson, Hood und Beebower aus dem Jahr 1986 zurück. Ihre Analyse, „The Determinants of Portfolio Performance“, zeigte, dass über 90 % der Variabilität der Rendite eines Portfolios im Zeitverlauf durch die Politik der Vermögensallokation erklärt werden konnte. Market Timing und Stock Picking waren demgegenüber nahezu unbedeutend.
Was bedeutet das konkret für Sie als Anleger, der sein chaotisches Depot ordnen will? Es bedeutet, dass Ihre Energie und Aufmerksamkeit am besten investiert sind, wenn Sie sich auf die grossen, strategischen Fragen konzentrieren, anstatt sich im Klein-Klein der Aktienanalyse zu verlieren. Die wirklich wichtigen Entscheidungen sind:
- Wie hoch soll der Anteil an risikoreichen Anlagen (Aktien) im Verhältnis zu risikoarmen Anlagen (Anleihen, Tagesgeld) sein? Diese Entscheidung hängt von Ihrer persönlichen Risikotoleranz und Ihrem Anlagehorizont ab.
- Wie soll der Aktienanteil geografisch aufgeteilt sein (z. B. Industrieländer vs. Schwellenländer)?
- Welche weiteren Anlageklassen (z. B. Immobilien, Rohstoffe) sollen zur Diversifikation beitragen?
Im deutschen Kontext kommen zu dieser strategischen Ebene noch weitere, oft unterschätzte Renditetreiber hinzu, die Sie aktiv gestalten können. Die folgende Übersicht zeigt die Hierarchie der Einflussfaktoren auf Ihre Gesamtrendite.
| Faktor | Einfluss auf Rendite | Deutsche Besonderheiten |
|---|---|---|
| Asset Allocation | ~90% | Strategische Aufteilung (z.B. 70/30) |
| Steuer-Effizienz | ~5% | Abgeltungsteuer, Vorabpauschale, Sparerpauschbetrag |
| Kosten-Struktur | ~3% | TER + Broker-Gebühren |
| Market Timing | <2% | Meist negativ durch Fehlentscheidungen |
Das Wichtigste in Kürze
- Strategie vor Taktik: Über 90 % Ihres Anlageerfolgs hängen von Ihrer strategischen Asset-Allocation ab, nicht von der Auswahl einzelner Aktien.
- Architektur ist alles: Die Core-Satellite-Strategie bietet eine robuste Struktur, um ein chaotisches Depot zu ordnen – mit einem stabilen, passiven ETF-Kern und flexiblen Satelliten für gezielte Chancen.
- Disziplin schlägt Aktionismus: Häufiges Handeln und emotional getriebene Entscheidungen vernichten Rendite. Eine disziplinierte Buy-and-Hold-Strategie mit systematischem Rebalancing ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.
FTSE All-World oder MSCI ACWI: Welcher Welt-ETF ist der bessere Allrounder?
Wenn Sie sich für eine Core-Satellite-Strategie entscheiden, ist die Auswahl des richtigen ETFs für den Kern (Core) von zentraler Bedeutung. Für einen Anleger in Deutschland, der eine maximale globale Diversifikation anstrebt, laufen die Überlegungen meist auf zwei Indexgiganten hinaus: den FTSE All-World und den MSCI All Country World Index (ACWI). Beide Indizes bilden die Wertentwicklung von tausenden Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab und sind somit die perfekten Kandidaten für den wissenschaftlichen Kern Ihres Portfolios.
Obwohl beide sehr ähnlich sind, gibt es feine, aber wichtige Unterschiede, die Ihre Entscheidung beeinflussen können. Der Hauptunterschied liegt in der Anzahl der abgedeckten Unternehmen und der Gewichtung bestimmter Marktsegmente. Der FTSE All-World ist in der Regel breiter aufgestellt und enthält auch Aktien von kleineren Unternehmen (Small Caps), während der MSCI ACWI sich auf grosse und mittelgrosse Unternehmen (Large und Mid Caps) konzentriert.
Die Entscheidung zwischen den beiden ist keine Frage von „besser“ oder „schlechter“, sondern von Präferenz. Beide liefern eine exzellente Marktabdeckung. Wichtiger als die Wahl des Index sind oft die Merkmale des konkreten ETF-Produkts, wie die Gesamtkostenquote (TER), die Replikationsmethode und das Domizil. Für deutsche Anleger sind ETFs mit Domizil in Irland aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen oft steuerlich vorteilhafter. Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Kriterien für Ihre Entscheidung zusammen.
| Kriterium | FTSE All-World | MSCI ACWI |
|---|---|---|
| Anzahl Positionen | ~4.200 | ~3.000 |
| Schwellenländer | Inkludiert (~10%) | Inkludiert (~11%) |
| TER (Beispiel) | 0,22% p.a. | 0,20% p.a. |
| Domizil (gängig) | Irland | Irland |
| Small Caps | Inkludiert | Nicht inkludiert |
Wie wählen Sie den richtigen ETF aus über 2000 Produkten in Deutschland aus?
Die Entscheidung für einen Index wie den FTSE All-World ist getroffen, die strategische Allokation steht. Doch nun folgt der letzte, oft überwältigende Schritt: die Auswahl des konkreten ETF-Produkts. Auf Plattformen wie JustETF oder ExtraETF finden sich in Deutschland über 2.000 verschiedene ETFs. Diese Fülle an Optionen kann leicht zur Paralyse führen. Doch mit einem systematischen Filterprozess können Sie die Auswahl schnell auf eine Handvoll passender Kandidaten reduzieren. Der Schlüssel liegt darin, sich auf die wirklich wichtigen, objektiven Qualitätskriterien zu konzentrieren.
Anstatt sich von Marketingnamen oder kurzfristiger Performance blenden zu lassen, sollten Sie als strukturierter Anleger eine Checkliste abarbeiten. Die folgenden Kriterien sind für einen in Deutschland steuerpflichtigen Anleger entscheidend:
- ETF-Domizil: Bevorzugen Sie ETFs mit Sitz in Irland. Aufgrund des Doppelbesteuerungsabkommens ist die steuerliche Behandlung von Dividenden (insbesondere aus US-Aktien) oft günstiger als bei ETFs aus Luxemburg oder Deutschland.
- Replikationsmethode: Wählen Sie vorzugsweise physisch replizierende ETFs. Diese halten die Aktien des Index tatsächlich in ihrem Portfolio. Synthetische ETFs (Swap-basiert) haben ein – wenn auch geringes – Kontrahentenrisiko. Physische Replikation gilt als transparenter und sicherer.
- Kosten: Vergleichen Sie nicht nur die Gesamtkostenquote (TER), sondern achten Sie vor allem auf die Tracking Difference. Sie gibt an, wie stark der ETF tatsächlich von seinem Index abweicht, und ist die ehrlichere Kostenkennzahl.
- Fondsvolumen: Ein hohes Fondsvolumen (idealweise > 100 Mio. EUR) stellt sicher, dass der ETF wirtschaftlich betrieben wird und nicht Gefahr läuft, wegen Unrentabilität geschlossen zu werden.
- Broker-Kompatibilität: Prüfen Sie, ob der ETF bei Ihrem Online-Broker als kostenloser Sparplan verfügbar ist. Das senkt Ihre Kosten auf null und maximiert Ihre Rendite.
Die Auswahl des finalen Produkts ist also kein Hexenwerk, sondern das Ergebnis eines logischen und disziplinierten Prozesses. Es ist der letzte Baustein in Ihrer sorgfältig geplanten Portfolio-Architektur. Indem Sie sich auf diese objektiven Kriterien konzentrieren, vermeiden Sie Fehlentscheidungen und stellen sicher, dass Ihr gewähltes Instrument optimal zu Ihrer Strategie passt.
Häufige Fragen zur ETF-Portfolio-Strukturierung
Was passiert bei einer Pleite des ETF-Anbieters?
ETFs sind Sondervermögen. Das bedeutet, das investierte Kapital ist rechtlich vom Vermögen der Fondsgesellschaft getrennt und somit im Falle einer Insolvenz des Anbieters geschützt. Ihre Anteile bleiben sicher in Ihrem Depot bei Ihrer Bank.
Sind synthetische ETFs unsicher?
Synthetische ETFs bilden den Index über ein Tauschgeschäft (Swap) mit einem Finanzpartner ab. Das damit verbundene Kontrahentenrisiko ist durch gesetzliche Vorgaben und hinterlegte Sicherheiten stark minimiert. Dennoch bevorzugen viele Anleger aus Transparenzgründen die physische Replikation, bei der die Aktien direkt gehalten werden.
Thesaurierend oder ausschüttend für deutsche Anleger?
Das hängt von Ihrem Ziel ab. Thesaurierende ETFs eignen sich ideal für den langfristigen Vermögensaufbau, da sie durch die automatische Reinvestition der Erträge den Zinseszinseffekt maximal ausnutzen. Ausschüttende ETFs sind sinnvoll, um einen regelmässigen Cashflow zu generieren und den jährlichen Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro steuerfrei auszuschöpfen.
Nachdem Sie nun die Prinzipien einer soliden Portfolio-Architektur kennen, ist der nächste logische Schritt die Analyse Ihres eigenen Depots. Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Portfolio anhand der vorgestellten Kriterien zu durchleuchten und den Grundstein für eine strukturierte und zielgerichtete Anlagestrategie zu legen.