
Ihr Erfolg als Vermieter hängt weniger von der Kaltmiete ab, als von der Fähigkeit, die in Gesetzen und Dokumenten verborgenen rechtlichen und finanziellen Risiken zu managen.
- Das Protokoll der Eigentümerversammlung kann finanzielle „Zeitbomben“ wie Sonderumlagen enthalten, die jede Renditeberechnung zunichtemachen.
- Nicht umlagefähige Kosten sind die grössten Cashflow-Killer, die von unerfahrenen Vermietern systematisch unterschätzt werden.
Empfehlung: Bevor Sie eine Immobilie kaufen, investieren Sie in die Prüfung der rechtlichen Rahmenbedingungen und planen Sie ein Budget für professionelle Beratung oder eine Rechtsschutzversicherung ein.
Der Traum vom passiven Einkommen durch eine Mietimmobilie ist weit verbreitet. Man stellt sich vor, einen solventen Mieter zu finden, einen soliden Mietvertrag aufzusetzen und monatlich die Einnahmen zu verbuchen. Doch diese Vorstellung, so verlockend sie auch sein mag, übersieht die Realität, mit der sich jeder Immobilieneigentümer in Deutschland auseinandersetzen muss. Die eigentliche Herausforderung liegt nicht darin, Miete zu kassieren, sondern darin, einen komplexen Apparat aus rechtlichen Pflichten, administrativen Aufgaben und finanziellen Unwägbarkeiten zu steuern.
Viele Ratgeber konzentrieren sich auf die offensichtlichen Aspekte wie die Renditeberechnung oder die Mietersuche. Doch was ist, wenn der wahre Schlüssel zum Erfolg – oder Misserfolg – an einer ganz anderen Stelle liegt? Was, wenn das unscheinbare Protokoll der letzten Eigentümerversammlung mehr über die Zukunft Ihrer Investition aussagt als der Kaufpreis selbst? Die Wahrheit ist, dass die grössten Risiken oft im Kleingedruckten lauern: in den Beschlüssen einer Wohnungseigentümergemeinschaft (WEG), den Feinheiten der Mietpreisbremse oder den Kosten, die Sie niemals auf den Mieter umlegen können.
Als Ihr persönlicher „Hausverwalter auf Papier“ führe ich Sie durch die kritischsten rechtlichen und organisatorischen Aspekte, die Sie kennen müssen, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben. Dieser Artikel ist eine Warnung und ein Leitfaden zugleich. Er soll Sie nicht entmutigen, sondern befähigen, eine fundierte, sichere und letztlich profitable Entscheidung zu treffen. Wir werden die Fassade der einfachen Mieteinnahme durchbrechen und das Fundament beleuchten, auf dem eine erfolgreiche Vermietung wirklich steht.
In den folgenden Abschnitten analysieren wir die entscheidenden rechtlichen und finanziellen Aspekte, die oft übersehen werden. So erhalten Sie eine klare und realistische Grundlage für Ihre Entscheidung, ob und wie Sie in Deutschland Vermieter werden möchten.
Sommaire: Ihr rechtlicher Kompass für die private Vermietung in Deutschland
- Warum das Protokoll der Eigentümerversammlung (WEG) wichtiger ist als der Kaufpreis?
- Gilt die Mietpreisbremse bei Ihrer Investition und wie umgehen Sie Bussgelder?
- Selbst verwalten oder Profi beauftragen: Lohnt sich die Gebühr von 30 €/Monat?
- Wie viel Geld müssen Sie pro Quadratmeter für Dach und Heizung zurücklegen?
- Warum Sie ohne Rechtsschutzversicherung niemals vermieten sollten?
- Verwaltung und Instandhaltung: Welche Kosten fressen Ihren Cashflow auf?
- Was passiert mit Ihrem Mietvertrag, wenn der gewerbliche Mieter pleite geht?
- Brauchen Sie einen Robo-Advisor oder reicht ein Welt-ETF für Ihr Vermögen?
Warum das Protokoll der Eigentümerversammlung (WEG) wichtiger ist als der Kaufpreis?
Viele Käufer konzentrieren sich ausschliesslich auf den Kaufpreis und die Lage der Immobilie. Ein fataler Fehler. Das wichtigste Dokument für Ihre Kaufentscheidung ist oft das Protokoll der letzten Eigentümerversammlungen. Es ist das ungeschminkte Tagebuch der Immobilie und offenbart die finanzielle Gesundheit, die technische Verfassung und das soziale Klima der Gemeinschaft, in die Sie eintreten. Ein niedriger Kaufpreis kann schnell zur Kostenfalle werden, wenn eine hohe Sonderumlage für eine unaufschiebbare Sanierung bereits beschlossen wurde oder kurz bevorsteht.
Achten Sie penibel auf wiederkehrende Streitpunkte, aufgeschobene Reparaturen oder eine auffällig niedrige Instandhaltungsrücklage. Diese Punkte sind rote Flaggen, die auf einen massiven Instandhaltungsstau hindeuten. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Beschlussfähigkeit der Versammlung. Wie Experten für WEG-Recht bestätigen, sind die Teilnehmerliste und Beschlussfähigkeit im Protokoll entscheidend für die rechtliche Gültigkeit aller gefassten Beschlüsse. Ein formal fehlerhaftes Protokoll kann getroffene Entscheidungen anfechtbar machen und zu jahrelangen Rechtsstreitigkeiten führen.
Folgende Warnsignale in einem WEG-Protokoll sollten bei Ihnen alle Alarmglocken läuten lassen:
- Beschlossene Sonderumlagen ohne eine klare und nachvollziehbare Finanzierungsplanung.
- Vage Formulierungen über anstehende Sanierungen wie „Mängel an der Fassade wurden diskutiert“, ohne konkrete Massnahmen oder Budgets.
- Protokollierte Konflikte zwischen Eigentümern oder eine hohe Frequenz bei Verwalterwechseln.
- Die Ablehnung notwendiger Modernisierungen, obwohl gesetzliche Vorgaben (z.B. aus dem Wohnungseigentumsmodernisierungsgesetz – WEMoG) bestehen.
- Eine offensichtlich zu geringe Instandhaltungsrücklage im Verhältnis zum Alter und Zustand des Gebäudes.
Gilt die Mietpreisbremse bei Ihrer Investition und wie umgehen Sie Bussgelder?
Die Mietpreisbremse ist ein zentrales Regulierungsinstrument in vielen deutschen Städten mit angespannten Wohnungsmärkten. Als angehender Vermieter müssen Sie prüfen, ob Ihr potenzielles Investment in einem solchen Gebiet liegt. Die Regel besagt, dass bei einer Wiedervermietung die Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um maximal 10 % übersteigen darf. Ein Verstoss kann nicht nur zu Rückforderungsansprüchen des Mieters führen, sondern auch empfindliche Bussgelder nach sich ziehen. Unwissenheit schützt hier vor Strafe nicht.
Allerdings gibt es wichtige Ausnahmen, die Sie kennen müssen. Diese können darüber entscheiden, ob eine Immobilie für Sie rentabel ist oder nicht. Die wichtigsten Ausnahmen sind Neubauten (Erstbezug nach dem 1. Oktober 2014) und Wohnungen, die umfassend modernisiert wurden. Eine Modernisierung gilt als „umfassend“, wenn die Investitionskosten mindestens ein Drittel des Werts eines vergleichbaren Neubaus erreichen. Eine weitere wichtige Ausnahme ist der Bestandsschutz: Lag die Miete des Vormieters bereits über der zulässigen Grenze, dürfen Sie diese Miete weiterhin verlangen. Hierbei besteht jedoch eine unaufgeforderte Auskunftspflicht gegenüber dem neuen Mieter vor Vertragsabschluss.

Für einfache Modernisierungen, die in den drei Jahren vor Mietbeginn durchgeführt wurden, gibt es ebenfalls eine Sonderregelung. Hier können Sie bis zu 8 % der angefallenen Kosten jährlich auf die Miete umlegen. Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen strukturierten Überblick über die wichtigsten Ausnahmeregelungen.
Die nachfolgende Tabelle, basierend auf Informationen von Rechtsexperten, fasst die entscheidenden Ausnahmen übersichtlich zusammen.
| Ausnahme | Voraussetzungen | Nachweispflicht |
|---|---|---|
| Neubau | Erstbezug nach 01.10.2014 | Baujahr dokumentieren |
| Umfassende Modernisierung | Kosten > 1/3 Neubauwert | Vor Vertragsschluss informieren |
| Bestandsschutz | Vormiete bereits über Grenze | Vormiete unaufgefordert offenlegen |
| Einfache Modernisierung | Binnen 3 Jahren vor Vermietung | 8% der Kosten umlegbar |
Selbst verwalten oder Profi beauftragen: Lohnt sich die Gebühr von 30 €/Monat?
Eine der ersten strategischen Entscheidungen, die Sie als Vermieter treffen müssen, ist die Frage der Verwaltung. Übernehmen Sie alle Aufgaben selbst oder beauftragen Sie eine professionelle Hausverwaltung? Auf den ersten Blick scheint die Selbstverwaltung kostengünstiger. Eine monatliche Gebühr von 25 bis 35 Euro pro Einheit wirkt wie eine unnötige Ausgabe, die den Cashflow schmälert. Doch dieser Betrag ist eine Investition in Zeit, Rechtssicherheit und letztlich auch in Ihren Seelenfrieden.
Die Selbstverwaltung bedeutet, dass Sie für alles zuständig sind: die Erstellung der rechtssicheren Nebenkostenabrechnung, die Kommunikation mit dem Mieter, die Organisation von Handwerkern und die ständige Erreichbarkeit für Notfälle. Jeder dieser Punkte birgt ein eigenes Fehlerpotenzial. Eine fehlerhafte Nebenkostenabrechnung kann beispielsweise dazu führen, dass Sie auf den Kosten sitzen bleiben. Ein professioneller Verwalter hingegen übernimmt diese Aufgaben und haftet in der Regel für seine Arbeit. Wie ein Experte treffend zusammenfasst:
Bei Vermietern im Ausland, schwierigen Immobilien oder wenig Zeit ist eine professionelle Verwaltung unverzichtbar – sie übernimmt Haftungsrisiken und sichert die rechtskonforme Bewirtschaftung.
– Professioneller Immobilienverwalter, Vermietertagebuch Expertenbeitrag
Der wahre Wert einer Verwaltung liegt in der Risikoverlagerung. Sie kaufen sich nicht nur Zeit, sondern auch juristisches Know-how und eine Pufferzone zwischen Ihnen und dem Mieter. Die folgende Gegenüberstellung macht die Unterschiede deutlich.
| Kriterium | Selbstverwaltung | Profi-Verwaltung (30€/Monat) |
|---|---|---|
| Zeitaufwand/Monat | 5-10 Stunden | < 1 Stunde |
| Rechtssicherheit | Eigenes Risiko | Haftung beim Verwalter |
| Nebenkostenabrechnung | Selbst erstellen | Inklusive |
| Mietersuche | Eigeninitiative | Oft Zusatzkosten |
| Notfälle 24/7 | Selbst erreichbar | Verwalter regelt |
Wie viel Geld müssen Sie pro Quadratmeter für Dach und Heizung zurücklegen?
Die Kaltmiete ist nicht Ihr Gewinn. Ein erheblicher Teil Ihrer Einnahmen muss direkt in die Instandhaltungsrücklage fliessen, um für zukünftige, unvermeidbare Reparaturen und Sanierungen gewappnet zu sein. Viele Erstvermieter machen den Fehler, diese Rücklage zu niedrig anzusetzen oder gänzlich zu ignorieren, was bei der ersten grossen Reparatur unweigerlich zum finanziellen Kollaps führt. Es geht nicht darum, *ob* die Heizung oder das Dach erneuert werden muss, sondern nur *wann*.
Als solide Faustregel für die Kalkulation der Instandhaltungsrücklage hat sich die Peterssche Formel etabliert. Nach dieser Formel empfehlen Immobilienexperten in Deutschland, monatlich 1,50 bis 2,00 Euro pro Quadratmeter zurückzulegen. Bei einer 80 m² grossen Wohnung wären das zwischen 120 und 160 Euro pro Monat. Dieser Betrag mag hoch erscheinen, aber er spiegelt die Realität der Instandhaltungskosten wider. Eine neue Heizungsanlage oder eine Dachsanierung kann schnell fünfstellige Beträge verschlingen, die aus dem laufenden Cashflow nicht zu decken sind.

Um ein Gefühl für die Dimensionen zu bekommen, hier eine Übersicht über die durchschnittliche Lebensdauer und die potenziellen Kosten zentraler Bauteile einer Immobilie:
- Dach: Lebensdauer 30-50 Jahre, Kosten ca. 100-200 €/m²
- Heizungsanlage: Lebensdauer 15-20 Jahre, Kosten ca. 8.000-15.000 € für ein komplettes System
- Fenster: Lebensdauer 25-40 Jahre, Kosten ca. 500-800 € pro Fenster
- Fassade (inkl. Dämmung): Lebensdauer 20-30 Jahre, Kosten ca. 80-150 €/m²
- Steigleitungen (Wasser/Abwasser): Lebensdauer 30-40 Jahre, Kosten ca. 15.000-25.000 € für ein Mehrfamilienhaus
Warum Sie ohne Rechtsschutzversicherung niemals vermieten sollten?
Die Beziehung zwischen Vermieter und Mieter ist im deutschen Recht stark reguliert. Während dies den Mieter schützt, birgt es für den Vermieter ein erhebliches rechtliches Risiko. Ein scheinbar harmloser Streit über eine Nebenkostenabrechnung, eine Eigenbedarfskündigung oder nicht durchgeführte Schönheitsreparaturen kann schnell vor Gericht landen. Die Kosten für Anwälte und Gerichtsverfahren können dabei leicht mehrere tausend Euro betragen – Geld, das Ihre gesamte Jahresrendite vernichten kann.
Besonders bei schwerwiegenden Problemen wie Mietnomaden, die monatelang keine Miete zahlen und die Wohnung verwahrlosen lassen, explodieren die Kosten. Eine Räumungsklage ist nicht nur langwierig, sondern auch extrem teuer. Hinzu kommen die Kosten für die Renovierung und der monatelange Mietausfall. Eine Vermieter-Rechtsschutzversicherung ist daher keine „nette Zusatzleistung“, sondern eine essenzielle Risikoabsicherung. Sie agiert als Ihr finanzielles Schutzschild und sorgt für Waffengleichheit im Streitfall, indem sie die Anwalts- und Gerichtskosten übernimmt.
Auch bei der Festsetzung der Miete lauern enorme Risiken. Eine bewusste und unangemessene Ausnutzung eines angespannten Wohnungsmarktes kann drastische Konsequenzen haben. So warnt das Wirtschaftsstrafgesetz davor, dass Mietpreisüberhöhung Geldbussen bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen kann, während Mietwucher sogar als Straftat gilt. Die folgenden Szenarien illustrieren, wie schnell die Kosten eskalieren können.
Fallbeispiele: Die drei häufigsten Vermieter-Alpträume
Szenario 1: Der Mietnomade. Ein Mieter stellt die Zahlungen ein. Eine Räumungsklage kann sich über Monate ziehen und inklusive Anwalts- und Gerichtskosten schnell 5.000 bis 15.000 Euro kosten. Hinzu kommen Mietausfälle und potenzielle Renovierungskosten. Szenario 2: Die angefochtene Eigenbedarfskündigung. Sie kündigen wegen Eigenbedarfs, der Mieter wehrt sich. Der Prozess kann 3.000 bis 8.000 Euro kosten, unabhängig vom Ausgang. Szenario 3: Der Streit über die Nebenkosten. Der Mieter ficht die Nebenkostenabrechnung an. Allein die Anwalts- und Gerichtskosten für dieses Verfahren belaufen sich oft auf 2.000 bis 5.000 Euro. Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt diese Kosten typischerweise nach Abzug einer Selbstbeteiligung.
Verwaltung und Instandhaltung: Welche Kosten fressen Ihren Cashflow auf?
Der Brutto-Cashflow (Kaltmiete) ist eine trügerische Kennzahl. Der wahre Indikator für die Rentabilität Ihrer Immobilie ist der Netto-Cashflow, also das, was nach Abzug aller Kosten tatsächlich auf Ihrem Konto verbleibt. Genau hier unterschätzen die meisten Anfänger die Vielfalt und Höhe der anfallenden Ausgaben. Ein zentraler Punkt sind die nicht umlagefähigen Nebenkosten. Dies sind Ausgaben, die Sie als Eigentümer tragen müssen und nicht über die Betriebskostenabrechnung an den Mieter weitergeben können.
Zu diesen Cashflow-Killern gehören insbesondere die Gebühren für die Hausverwaltung, Bank- und Kontoführungsgebühren sowie die Kosten für Reparaturen innerhalb Ihrer Wohnung (Sondereigentum). Diese Posten summieren sich schnell und können einen erheblichen Teil Ihrer Mieteinnahmen aufzehren. Ein geplatztes Wasserrohr oder eine defekte Elektrik wird schnell zu einer unvorhergesehenen Ausgabe von mehreren hundert Euro. Die folgende Liste zeigt die häufigsten unerwarteten Kosten:
- Nicht umlagefähige Nebenkosten: Verwaltergebühren, Bankgebühren, Kosten für die Instandhaltungsrücklage der WEG – oft 5-10% der Kaltmiete.
- Reparaturen im Sondereigentum: Defekte an Sanitäranlagen, Elektrik, Bodenbelägen oder Einbauküche – kalkulieren Sie mit durchschnittlich 500-1.000 € pro Jahr.
- Mietausfall bei Mieterwechsel: Rechnen Sie mit 1-3 Monaten Leerstand für Renovierung und Suche, plus potenzielle Maklerkosten.
- Sonderumlagen der WEG: Unvorhergesehene Grossreparaturen (z.B. Fassade, Dach), die schnell 2.000 bis 10.000 € betragen können.
- Steuer-Vorauszahlungen: Bei positivem Jahresergebnis fordert das Finanzamt quartalsweise Vorauszahlungen auf die zu erwartende Steuerlast.
Eine realistische Liquiditätsplanung ist entscheidend. Die folgende Beispielrechnung für eine kleine Wohnung zeigt, wie schnell die Ausgaben den Überschuss schmälern.
| Position | Einnahmen | Ausgaben | Cashflow |
|---|---|---|---|
| Kaltmiete | 800€ | – | +800€ |
| Nebenkosten-Vorauszahlung | 200€ | 200€ | ±0€ |
| Kredittilgung + Zinsen | – | 450€ | -450€ |
| Hausgeld (nicht umlagefähig) | – | 80€ | -80€ |
| Instandhaltungsrücklage (persönlich) | – | 100€ | -100€ |
| Netto-Cashflow | 1000€ | 830€ | +170€ |
Was passiert mit Ihrem Mietvertrag, wenn der gewerbliche Mieter pleite geht?
Die Vermietung an gewerbliche Mieter kann auf den ersten Blick attraktiv erscheinen: oft längere Vertragslaufzeiten und höhere Mieten. Doch sie birgt auch ein spezifisches, erhebliches Risiko: die Insolvenz des Mieters. Tritt dieser Fall ein, gelten die im Mietvertrag vereinbarten langen Laufzeiten und Kündigungsfristen plötzlich nicht mehr. Das deutsche Insolvenzrecht räumt dem Insolvenzverwalter weitreichende Sonderrechte ein, die Ihre Planungssicherheit massiv beeinträchtigen.
Das entscheidende Instrument ist das Sonderkündigungsrecht. Laut Gesetz kann der Insolvenzverwalter nach § 109 InsO den Mietvertrag mit einer Frist von nur drei Monaten zum Monatsende kündigen, und zwar unabhängig von der vertraglich vereinbarten Laufzeit. Ein Fünfjahresvertrag kann sich so über Nacht in Luft auflösen. Für Sie als Vermieter bedeutet das nicht nur einen abrupten Mietausfall, sondern auch den sofortigen Beginn der kostspieligen Suche nach einem Nachmieter für eine oft spezialisierte Gewerbefläche.
Wenn Sie von einer Mieterinsolvenz erfahren, ist schnelles und strukturiertes Handeln gefragt. Sie müssen Ihre Forderungen (ausstehende Mieten) fristgerecht beim Insolvenzverwalter zur Insolvenztabelle anmelden, um überhaupt eine Chance auf eine (meist geringe) Quote zu haben. Gleichzeitig sollten Sie sofort prüfen, ob Sie Ihr Vermieterpfandrecht an den eingebrachten Sachen des Mieters geltend machen können. Der folgende Plan zeigt die wichtigsten Sofortmassnahmen auf.
Ihr Plan bei Mieterinsolvenz: Schritt-für-Schritt zum Krisenmanagement
- Forderungen anmelden: Kontaktieren Sie umgehend den Insolvenzverwalter und melden Sie alle offenen Mietforderungen form- und fristgerecht zur Insolvenztabelle an.
- Vermieterpfandrecht prüfen: Lassen Sie anwaltlich prüfen, ob und wie Sie Ihr Vermieterpfandrecht an Inventar oder Waren des Mieters zur Sicherung Ihrer Forderungen geltend machen können.
- Kaution sichern: Stellen Sie sicher, dass die Mietkaution auf einem separaten, insolvenzfesten Konto hinterlegt ist. Klären Sie mit dem Verwalter die Verrechnungsmöglichkeiten.
- Räumung abstimmen: Koordinieren Sie den Prozess der Räumung und Übergabe der Flächen eng mit dem Insolvenzverwalter, um weitere Schäden oder Verzögerungen zu vermeiden.
- Nachmietersuche starten: Beginnen Sie sofort mit der Suche nach einem Nachmieter, um den Leerstand und damit den finanziellen Schaden so gering wie möglich zu halten.
Das Wichtigste in Kürze
- Dokumentenprüfung ist entscheidend: Die Protokolle der Eigentümerversammlung sind oft wichtiger für die Risikobewertung als der Kaufpreis.
- Kostenfalle „nicht umlagefähig“: Planen Sie ausreichend Puffer für Verwaltung, Reparaturen und Instandhaltung ein, die Sie nicht auf den Mieter umlegen können.
- Rechtssicherheit proaktiv managen: Eine Vermieter-Rechtsschutzversicherung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit zur Absicherung gegen existenzbedrohende Kosten.
Brauchen Sie einen Robo-Advisor oder reicht ein Welt-ETF für Ihr Vermögen?
Als Vermieter verwalten Sie nicht nur eine Immobilie, sondern auch verschiedene Geldtöpfe: die von den Mietern gestellte Kaution, Ihre kurzfristig verfügbare Instandhaltungsrücklage und idealerweise auch langfristig angespartes Vermögen. Für jeden dieser Töpfe gelten unterschiedliche Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit und Rendite. Eine „One-size-fits-all“-Lösung gibt es hier nicht. Die Anlage der Mietkaution ist beispielsweise streng gesetzlich geregelt: Sie muss getrennt von Ihrem eigenen Vermögen auf einem verzinsten Konto angelegt werden (§ 551 BGB).
Für Ihre eigene Instandhaltungsrücklage ist die Sache komplexer. Das Geld muss relativ schnell verfügbar sein, falls eine teure Reparatur anfällt. Gleichzeitig soll es nicht durch Inflation an Wert verlieren. Für Rücklagen, die in den nächsten zwei bis fünf Jahren benötigt werden könnten, eignen sich daher risikoarme und liquide Anlagen wie Tagesgeld, Festgeld oder Geldmarkt-ETFs. Hier steht die Sicherheit und Verfügbarkeit klar vor der Rendite. Eine Anlage in Aktien oder spekulativere Produkte ist für diesen Zweck absolut tabu.
Erst bei der Anlage von Vermögen, das über diese Rücklagen hinausgeht und einen langfristigen Horizont von über fünf Jahren hat, kommen renditestärkere Optionen wie ein breit gestreuter Welt-ETF (z.B. MSCI World) ins Spiel. Ein Robo-Advisor kann hier eine Alternative sein, wenn Sie eine automatisierte, an Ihr Risikoprofil angepasste Verwaltung wünschen. Er nimmt Ihnen die Auswahl und das Rebalancing der ETFs ab, kostet aber zusätzlich Gebühren. Für den disziplinierten Selbstentscheider, der eine einfache und kostengünstige Lösung sucht, ist ein einzelner Welt-ETF oft die effizienteste Wahl zur langfristigen Vermögensbildung.
| Anlagezweck | Empfohlene Anlage | Rendite p.a. (historisch/erwartet) | Verfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| Mietkaution | Separates Kautionskonto (§551 BGB) | ca. 0,5-1,5% | Nach Mietende |
| Kurzfristige Rücklage (< 2 Jahre) | Tagesgeld/Festgeld | ca. 2-3% | Täglich bis wenige Monate |
| Mittelfristige Rücklage (2-5 Jahre) | Geldmarkt-ETF | ca. 2-4% | Wenige Werktage |
| Langfristige Vermögensanlage (> 5 Jahre) | Welt-ETF (z.B. MSCI World) | ca. 6-8% | Wenige Werktage |
Bevor Sie eine Investitionsentscheidung treffen, ist der nächste logische Schritt eine gründliche Prüfung aller hier genannten rechtlichen und finanziellen Fallstricke. Handeln Sie informiert, nicht nur optimistisch.